Grünstadt Altleininger Drahtzug Holding: Verhandlungen laufen noch
Geschäftsführung, Betriebsrat und Gewerkschaft verhandeln noch darüber, wie der Arbeitsplatzabbau bei der Altleininger Drahtzug Holding GmbH & Co. KG gestaltet werden soll. Bislang sind noch keine festangestellten Mitarbeiter entlassen worden. Bei den Leiharbeitern und bei befristet beschäftigen Mitarbeitern sind zum Teil auslaufende Verträge nicht verlängert worden.
Die Altleininger Drahtzug Holding hat im vergangenen Jahr angekündigt, dass sie 100 bis 120 Arbeitsplätze abbauen wird. Betroffen sind 50 Leiharbeiter und 50 bis 70 Festangestellte. Das ist rund ein Drittel der Mitarbeiter. Grund für den Stellenabbau ist die Verlagerung eines Teils der Körbe-Produktion für Geschirrspüler nach Tschechien. Die Gespräche über den Stellenabbau laufen noch. Geschäftsführer Peter Brauer wollte sich gestern im RHEINPFALZ-Gespräch nicht zum Zeitpunkt äußern, an dem die ersten Kündigungen ausgesprochen werden sollen. Er verwies auf die laufenden Verhandlungen zum Interessenausgleich zwischen Geschäftsführung, Betriebsrat und IG Metall. „Wir haben die achte Verhandlungsrunde über den Interessenausgleich abgeschlossen und glauben, dass wir in der nächsten Runde auch schon mit den Sozialplanverhandlungen beginnen können“, sagte er. Brauer berichtete, dass Drahtzug noch keine festangestellten Mitarbeiter entlassen habe.
Körbe für Miele werden direkt in Tschechien produziert
Der Grund für die geplanten Entlassungen sind Umstellungen bei der Firma Miele: Miele produziert in Unicov Geschirrspülmaschinen, schon heute liefert das Altleininger Unternehmen Körbe nach Tschechien. Künftig sollen sie direkt in Unicov hergestellt werden. Drahtzug wird deswegen dort einen neuen Standort mit 70 bis 80 Mitarbeitern eröffnen. Im ersten Quartal 2020 soll mit der direkten Belieferung des Kunden begonnen werden. Die Produktion der Miele-Körbe in Altleiningen soll – so war der Plan – bis Ende 2019 langsam auslaufen. Ein weiterer Punkt ist, dass ein Wettbewerber von Drahtzug das Miele-Werk Bielefeld von diesem Jahr an mit Körben beliefert. Die Nachfrage der Firma Miele nach den Spülmaschinen-Körben für das Modell G 6000, die in Altleiningen produziert werden, sei allerdings derzeit höher, als das ursprünglich geplant war, informiert Brauer. Das könne sich aber auch wieder ändern, ordnete der Geschäftsführer ein: „Die Abrufe schwanken sehr stark.“ Mit Vertretern von Miele müsse besprochen werden, wie lange das Spülmaschinen-Modell und damit die Körbe noch produziert würden. Gewerkschaftssekretär Mathias Franz von der IG Metall Ludwigshafen-Frankenthal sagte gestern zur RHEINPFALZ, die derzeitige höhere Nachfrage nach Körben sei gut für die Beschäftigten. Dadurch verzögerten sich die Entlassungen.
Einige Mitarbeiter haben das Unternehmen verlassen
Die ersten Leiharbeiter und befristet angestellten Mitarbeiter hätten das Unternehmen schon verlassen, ihre Verträge seien nicht verlängert worden, hieß es von Geschäftsführung und IG Metall übereinstimmend. Genaue Zahlen wurden auf Nachfrage nicht genannt. Geschäftsführer Brauer betonte, dass immer noch Leiharbeitnehmer in Altleiningen beschäftigt seien und die Anzahl der Mitarbeiter im Vergleich zum Vorjahr nicht nennenswert gesunken sei. Er sprach von normaler Fluktuation. Gewerkschafter Franz informierte: „Es sind ein paar Leute freiwillig gegangen.“ Mitte vergangenen Jahres waren 215 Festangestellte in der Produktion, 81 in anderen Bereichen und 50 Zeitarbeitnehmer in Altleiningen beschäftigt. Seit Januar gibt es mit Mathias Kohler einen neuen Werkleiter. Grundsätzlich solle im Werk die Effizienz gesteigert werden, so Brauer. In Altleiningen werden weiterhin Körbe für die BSH Hausgeräte GmbH gefertigt. Wie berichtet, soll der Standort als „Leitwerk“ für die Produktion von Spülmaschinenkörben für die BSH Hausgeräte GmbH dienen, zu der neben den Globalmarken Bosch, Siemens, Gaggenau und Neff auch regionale Marken gehören. Von 2020 an soll in der Pfalz eine neue Korbgeneration für die BSH produziert werden. Ziel der Geschäftsführung ist es, Altleiningen als Produktionsstandort für die BSH-Gruppe zu erhalten. 80 Prozent des Umsatzes macht die Holding, die derzeit mit sieben Werken in fünf Ländern vertreten ist, mit Körben für Geschirrspülmaschinen.
Drahtzug hat eine lange Tradition
Das Unternehmen (vormals: Drahtzug Stein Holding) hat eine lange Tradition: Georg Stein kaufte die Fabrik 1941, in den 1950er-Jahren begann die Produktion von Drahtartikeln als Zulieferer für die Hausgeräteindustrie. Der Münchner Finanzinvestor Emeram Capital Partners ist seit Ende 2016 Haupteigentümer des Drahtwarenherstellers. Drahtzug steht auf der Liste der größten rheinland-pfälzischen Produktionsunternehmen auf Platz 50: Der Umsatz der Holding lag im Geschäftsjahr 2017/18 bei 139 Millionen Euro, die Gruppe beschäftigte zum 30. Juni 1400 Mitarbeiter an sieben Standorten in Europa und den USA.