Quirnheim RHEINPFALZ Plus Artikel Alarm aus der Luft: Piloten als Brandmelder

„Fast sämtliche Waldbrände entstehen durch Unachtsamkeit und falsches Verhalten von Menschen im Wald“, sagt Ernst Eymann.
»Fast sämtliche Waldbrände entstehen durch Unachtsamkeit und falsches Verhalten von Menschen im Wald«, sagt Ernst Eymann.

Hobby- und Sportpiloten melden Brände aus der Luft und helfen so der Feuerwehr. Luftsportverbandspräsident Ernst Eymann aus Quirnheim erzählt, wie es dazu kam.

Der Luftsportverband Rheinland-Pfalz zählt rund 7000 Mitglieder, darunter sind mehr als 4000 aktive Flieger und rund 500 Fluglehrer in allen Luftsportarten. Deutschlandweit dürften es gut 100.000 Flieger sein, die über den Dachverband deutscher Luftsportverbände (DAeC) erreicht werden, berichtet Eymann im Gespräch mit der RHEINPFALZ. „Wir Flieger sind mit Segel- oder Ultraleichtflugzeugen, Motorseglern, Motorfliegern und Luftsportgeräten wie etwa Gleitschirmen in der Luft unterwegs“, erklärt der Qirnheimer. Ganz nebenbei achteten die Piloten auf Rauchentwicklungen im Wald, auf Feldern oder in der Flur.

Wie es dazu kam, verrät Eymann auch. „Als ich vor ein paar Jahren einen Checkflug zur französischen Grenze gemacht habe, konnte ich kurz nach dem Start in Grünstadt in südlicher Richtung in rund 40 Kilometern Entfernung Rauch erkennen“, erzählt der Präsident des Luftsportverbands Rheinland-Pfalz. In nur zehn Minuten habe er damals das mitten im Wald gelegene Ziel erreicht und sei zunächst darüber hinweggeflogen, um die Koordinaten festzustellen. Der Brand sei in der Nähe von Weyher nahe Landau gewesen, etwa 150 Meter oberhalb der Weinbergsgrenze. „Die Koordinaten habe ich dann sofort per Funk weitergegeben. Die Feuerwehr wusste dann genau, wo sie hinfahren muss, um den Brand zu löschen“, so Eymann.

„Jede Minute zählt“

Gerade in Waldgebieten sei ein Brand vom Erdboden aus nicht einfach zu lokalisieren und je nach Wegesituation auch nicht leicht zu erreichen. „Da zählt jede Minute“, betont Eymann. Der Brand bei Weyher habe dank der schnellen und genauen Information rasch gelöscht werden können. „Seit diesem Erlebnis haben wir die Sache groß aufgezogen, und bei Waldbrandlast ab Stufe vier haben wir ein besonderes Augenmerk auf Brandherde“, erzählt Eymann.

Es gibt fünf Waldbrandstufen, wobei Stufe eins eine „sehr geringe Gefahr“ bedeutet und Stufe fünf eine „sehr hohe Gefahr“. Der Deutsche Wetterdienst errechnet aus der Kombination von Luft- und Bodenfeuchte, Windverhältnissen und Niederschlägen einen „Waldbrandgefahrenindex“, aus dem sich die Waldbrandstufen ergeben. „Ab der Stufe vier schicken wir eine Rund-Mail an alle aktiven Mitglieder des Luftsportverbands Rheinland-Pfalz und bitten sie, bei ihren ,Sowieso‘-Flügen besonders auf Brandherde zu achten“, sagt Eymann.

Einen Brand bei Weyher in der Nähe von Landau konnte Ernst Eymann aus der Luft schon von Weitem erkennen.
Einen Brand bei Weyher in der Nähe von Landau konnte Ernst Eymann aus der Luft schon von Weitem erkennen.

Zu den „Sowieso-Flügen“ zählten beispielsweise Schulungs- und Streckenflüge, aber auch Leistungsflüge mit Segelfliegern. „Wir erreichen so in kürzester Zeit über 4000 Flieger. Auch die Flugschulen werden gebeten, ihre Schulungsflüge nach Möglichkeit besonders über betroffene Waldgebiete zu planen“, so Eymann.

Bundesweit sei die Aktion vom DAeC und anderen Luftsportverbänden übernommen worden. „Bei den jährlichen Fortbildungen des DAeC, beispielsweise beim Südwestdeutschen Pilotentag in Bad Sobernheim, gibt es regelmäßig Informationen zur richtigen Vorgehensweise bei der Sichtung eines Brandes“, erklärt Eymann.

Auch im Spätsommer sei die Waldbrandgefahr keineswegs vorbei. „Die Waldbrandgefahr ist zwischen Ostern und Herbst am größten, wobei wir auch schon im März Waldbrände entdeckt und gemeldet haben“, erzählt der Quirnheimer aus Erfahrung und ergänzt: „Fast sämtliche Waldbrände entstehen durch Unachtsamkeit und falsches Verhalten von Menschen im Wald.“

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