Kirchheim 65 Jahre verheiratet: Elisabeth und Günther Gonschorek feiern Eiserne Hochzeit
Günther und Elisabeth Gonschorek haben ein gemeinsames Lieblingslied: das Kirchheimer Lied, das sie oft und gerne zusammen gesungen haben, wie sie sagen. Elisabeth zitiert mit Tränen in den Augen: „Oh, du mein Kirchheim am Eckbachstrand – denn draußen finde ich nimmer meine Ruh, deck mich mit Kirchheimer Erde zu.“
Kirchheim ist im Leben der beiden ein Dreh- und Angelpunkt. Es war an einem Montag im Jahr 1955, als sich die beiden auf dem Kirchheimer Markt, aus dem später die Kerwe werden sollte, kennenlernten. Sie, ein echtes „Kärschemer Mädsche“, er, aus der DDR mit dem Vater in den Westen geflüchtet und damals in Asselheim lebend, später in Sausenheim. „Es hat gleich gefunkt“, sagt Elsbeth, wie sie von allen genannt wird.
Zweieinhalb Jahre war das Paar befreundet, bevor 1958 geheiratet wurde. Da die Hintergasse ausgebombt war, alle Häuser zerstört waren, darunter auch Elisabeths Elternhaus, zog das Paar in die Schule, wo auch Tochter Birgitt zu Welt kam. Günther war Maurer von Beruf und baute ihr gemeinsames Heim im Ort. Geld hatte das junge Paar oft nur wenig, weshalb Elisabeth etwas dazuverdienen wollte und putzen ging: „Ursprünglich wollte ich Schneiderin lernen, aber da ich keine Stelle gefunden habe, hab ich mir selbst viel beigebracht und auch von meiner Schwägerin, die direkt nebenan wohnte, viel gelernt.“ Das Nähen wurde später ein zweites Standbein. „Ich hab auch gerne Mutter-Tochter-Kombinationen genäht, so dass wir im Partnerlook gehen konnten“, sagt sie.
Russische Eier für die Ranch
Das Paar bekam noch ein zweites Kind, Sohn Ronald. Inzwischen haben sie zudem drei Enkel und drei Urenkel. Günther habe immer nebenbei dazuverdient und so konnte sich das Paar auch Urlaube leisten. Gerne seien sie nach Österreich zum Wandern gefahren und auch einige Male nach Mallorca geflogen.
Auf der ehemaligen Ranch in Kirchheim hat Elisabeth jahrelang gekocht. „Noch gut erinnere ich mich an einen Tag, als Inhaberin Elfriede krank war und ihre Schwester Käthe mich anrief und fragte, was wir jetzt machen – ob wir das alleine schaffen würden?“ Und wie sie das schafften. Sie ging zunächst Lebensmittel einkaufen und dann ab in die Küche, Käthe an die Theke – alles kein Problem. Als sie eines Tages mal den Vorschlag machte, ein neues Gericht, Russische Eier, auf die Karte zu bringen und diese gleich mal zubereitete, wurden sie ruckzuck weggegessen von Inhaber Arthur. „Müssen wohl gut geschmeckt haben“, meint sie lachend. Erst am Folgewochenende habe sie die Russischen Eier dann auch für die Gäste gemacht.
Günther hat in seiner Freizeit gerne Fußball gespielt, zunächst 17 Jahre aktiv beim SV Kirchheim, später bei der AH (Alten Herren). 1973 gründete er den Schäferhundeverein in Kirchheim und bildete dort viele Hunde aus, auch seinen eigenen (Arco) sowie dessen Nachfolger. Gerne erinnern sich Elisabeth und Günther an das alljährliche Schlachtfest auf dem Hundeplatz und an das große Sommernachtsfest. „Auch beim Hundeplatz half ich in der Küche“, so Elisabeth.
Am Wochenende in den Park
Die Häuser seines Sohnes, der in Obrigheim wohnt, und seiner Tochter, die bei Hannover lebt, hat Günther gebaut. Das neue Sportlerheim in Kirchheim hat er mitgebaut, ebenso viele Häuser von Freunden und Bekannten. Heute geht es aber etwas ruhiger zu: „Jeden zweiten Tag kommt unser Sohn Ronald vorbei und schaut nach uns. Jedes zweite Wochenende bringt er Kuchen vorbei und wir trinken zusammen Kaffee“, erzählt Günther, der mit seinen 87 Jahren immer noch Auto fährt. „Am Wochenende fahren wir manchmal nach Bad Dürkheim und gehen zusammen mit unseren Rollatoren im Kurpark spazieren oder wir gehen zusammen durch Kirchheim“, erzählt er. Anfangs sei ihm der Rollator peinlich gewesen, heute möchte er ihn nicht mehr missen.
Die 89-jährige Elisabeth versorgt noch komplett ihren Haushalt, den Garten pflegen beide gemeinsam. „Ich bin bis heute gut organisiert, erledige vormittags meine Arbeiten, nachmittags ist dann Zeit zum Ausruhen und für unseren Mittagsschlaf“, sagt sie schmunzelnd.
Ihren Ehrentag feiert das Paar im engsten Familienkreis.