Grünstadt
Ärzte appellieren: „Lassen Sie sich impfen!“
Grünstadt. „Die vierte Welle ist anders“, erklärt Andreas Bernhardt. Der Mediziner vertritt das Grünstadter Kreiskrankenhaus im Kooperationsverbund der Kliniken in der Vorderpfalz, die jetzt gerade einen Impf-Aufruf an die Bevölkerung gerichtet haben. Im Gegensatz zu den ersten drei Wellen in der Corona-Pandemie sei die Vierte eher ein „Dauerzustand mit einer konstant hohen Covid-Belastung“.
Das Wort „Belastung“ treffe auch genau die Situation, die momentan in den Krankenhäusern herrsche, sagt er. Wegen der Pandemie müssten Kapazitäten, die das Grünstadter Kreiskrankenhaus eigentlich für andere Patienten bräuchte, für Covid-Patienten freigehalten werden. Eine ganze Station sei das, die nur wegen des Coronavirus’ freigehalten werde. Dazu kämen noch zwei bis drei Intensivbetten. Das gehe eigentlich momentan allen Krankenhäusern so, sagt Bernhardt.
Nach Angaben der Kreisverwaltung liegt die Impfquote bei Menschen über zwölf Jahren im Landkreis Bad Dürkheim bei 78 Prozent. Das bedeutet: Mehr als jeder Fünfte ist noch nicht geimpft.
Fast alle Intensivpatienten sind nicht geimpft
Mediziner aus 15 Krankenhäusern in der Vorderpfalz haben deshalb eine gemeinsame Erklärung verfasst, in der sie die Bevölkerung mit Nachdruck dazu auffordern, sich impfen zu lassen – darunter auch Bernhardt und sein Kollege Thomas Repmann vom Grünstadter Kreiskrankenhaus. In der Mitteilung heißt es: „Der Anteil junger Menschen, die auf einer unserer Intensivstationen häufig aus völliger Gesundheit heraus um ihr Leben kämpfen, nimmt zu. Fast ein Drittel von ihnen schafft es nicht. Der Kampf ist lange und kräftezehrend, teils über Monate mit gravierenden Folgen für das weitere Leben.“
Was auffällt: Fast alle dieser Patienten seien nicht geimpft – etwa 90 Prozent, sagt Bernhardt. Wenn sich alle impfen lassen würden, könne man das deutlich besser in den Griff bekommen. Für eine Impfpflicht ist Bernhardt trotzdem nicht. Medizinische Maßnahmen sollten seiner Meinung nach grundsätzlich eine Zustimmung des Patienten erfordern – so ist auch die aktuelle Rechtslage. Bernhardt appelliert stattdessen lieber an die Vernunft der Menschen.
Auf die komme es jetzt an. Denn ließen sich weiterhin einige Menschen nicht impfen, würden Ressourcen zur Behandlung anderer Patienten blockiert – etwa für Krebspatienten, Unfallopfer oder auch Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bernhardt findet das nicht fair denen gegenüber, die sich unverschuldet wegen anderer Krankheitsbilder in medizinische Behandlung begeben müssen. „Das ist einfach sozial ungerecht“, sagt er.
Krankenhaus-Mitarbeiter werden selbst krank
Auch deshalb ist es ihm wichtig, noch einmal mit Nachdruck darauf hinzuwirken, dass sich die Menschen gegen das Coronavirus impfen lassen. „Die Kapazitäten reichen sonst nicht“, sagt er mit Blick auf die Anzahl der Intensivbetten und der sonstigen Mittel, die das Krankenhaus für Patienten mit schweren Krankheiten bereithält.
Auch für das Personal sei die Corona-Krise ein einschneidendes Ereignis gewesen. Durch die hohe Belastung würden Mitarbeiter selbst krank. Für werde der Job sogar so kräftezehrend, dass sie kündigen – und Pflegepersonal zu finden, sei ohnehin nicht gerade die leichteste Aufgabe. Während der Pandemie sei das Krankenhaus durchaus mit neuer Technik ausgestattet worden, insbesondere im intensivmedizinischen Bereich. „Aber wir haben das Personal einfach nicht, um die Kapazitäten zu erhöhen“, so der Mediziner. Kapazitäten schaffen könne man nur, wenn man zur Normalität zurückkomme. Und das gehe eben nur dadurch, dass sich noch mehr Menschen impfen lassen.
Auch aus medizinischer Sicht rät der Arzt ausdrücklich zur Corona-Impfung. Man sehe an den Patienten deutlich, dass es bei der Schwere des Verlaufs der Covid-19-Erkrankung einen Unterschied macht, ob die Patienten geimpft sind oder nicht. „Ungeimpfte haben in den meisten Fällen einen schwereren Verlauf als Geimpfte.“
Die Mediziner der pfälzischen Krankenhäuser warnen in ihrer Mitteilung insbesondere auch davor, dass mit der kalten Jahreszeit ein neuer Anstieg bevorsteht. Sie appellieren deshalb: „Schützen Sie sich und Ihre Angehörigen – seien Sie solidarisch und helfen Sie uns – lassen Sie sich impfen!“