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Montag, 25. März 2019 Drucken

Grünstadt: Lokalsport

Wenn beim Abschied Tränen kullern

Gewichtheben: KSV Grünstadt verabschiedet sich nach erwarteter Niederlage gegen Speyer als Elfter aus der Bundesliga – Davies verlässt den KSV nach vier Jahren

Von Michaela Attilo

Aus und vorbei: Sarah Davies stemmt künftig in einem anderen Trikot Lasten in die Höhe.

Aus und vorbei: Sarah Davies stemmt künftig in einem anderen Trikot Lasten in die Höhe. ( Foto: Dell)

«GRÜNSTADT.» Für die Bundesliga-Gewichtheber des KSV Grünstadt ging am Samstag beim Heimkampf gegen den AV 03 Speyer eine ereignisreiche Saison zu Ende. Die Athleten verabschiedeten sich mit einem neuen Vereinsrekord von 682,5 Relativpunkten eindrucksvoll aus dem Oberhaus.

Es war klar, dass die Grünstadter gegen den mehrmaligen Deutschen Mannschaftsmeister kaum eine Chance haben würden. Auch dann nicht, als klar war, dass die Domstädter nicht in ihrer stärksten Besetzung antreten würden – und deshalb ein Ergebnis von „nur“ 769 Punkten erzielten. Joshua Attilo, Teamkapitän des KSV, gratulierte den Gästen in seiner Abschlussrede zum 3:0-Sieg und entlockte den Gegnern kurz ein Lächeln, als er auf ein „ganz knappes Ergebnis“ zu sprechen kam.

Die zahlreichen Grünstadter Fans sahen zuvor einen Wettkampf, der an Dramatik fast nichts ausgelassen hat. Im Reißen sorgten Petra Keßler-Löwenstein, die sich bei ihrem zweiten Versuch den Arm leicht verdrehte, und Giuliano Attilo, der die Hantel mit dem Kopf berührte, für Schreckmomente. Ein anwesender Sportmediziner konnte allerdings bestätigen, dass nichts Gravierendes passiert war. Beide Sportler traten dennoch vorsichtshalber im Stoßen nicht mehr an – ihre Rolle übernahmen Nik Hammer und Joshua Attilo.

Carolin Dauth, der in der vorherigen Begegnung beim AC St. Ilgen die Rolle des Pechvogels zufiel, überzeugte dieses Mal mit fünf gültigen Versuchen und stellte nebenbei eine neue Bestleistung im Zweikampf auf.

Für die Glücksmomente waren Sarah Davies und Amy Williams zuständig, die mit persönlichen Rekorden unter Beweis stellten, dass sie kurz vor der Europameisterschaft in Batumi/Georgien in absoluter Topform sind. „Eigentlich waren die beiden für diesen Wettkampf gar nicht eingeplant“, sagte KSV-Abteilungsleiter Axel Wenz. „Sie wollten ihn jedoch gerne als letzten EM-Test nutzen.“ Davies unterstrich abermals ihren Anspruch als Medaillen-Kandidatin in der Gewichtsklasse bis 64 kg.

Für die Europameisterschaft der Junioren und U23 (Anfang Juli in Moldawien) möchte sich der 18-jährige Bundeskader-Athlet Padou Izere Shima qualifizieren, was er mit seinem Zweikampfergebnis von 232 kg bisher noch nicht erreicht hat. Der Speyerer Björn Günther hingegen hat seine U23-EM-Norm am Samstag mit einer Höchstmarke im Stoßen bereits geknackt und seine Freude darüber lautstark auf der Bühne herausgelassen. Der Schwergewichtler ist amtierender Studenten-Weltmeister und bewältigte mit 189 kg die höchste Last des Abends. Zusammen mit dem ehemaligen Europameister Jürgen Spieß, der 180 kg auf der Hantel hatte, brachte er die Grünstadter Scheibenschieber gewaltig ins Schwitzen.

„Wir können stolz darauf sein, dass wir mit unserer langjährigen Jugendarbeit so weit gekommen sind“, lobte Trainer John Attilo seine Schützlinge, die es in der Gesamttabelle aller Bundesliga-Vereine zwar nicht unter die ersten Neun geschafft, sich aber zuletzt noch um einen Platz auf Rang elf nach vorne geschoben haben.

Für Wehmut sorgte neben dem Abschied aus der Ersten Liga eine Nachricht, die die Mannschaft erst kurz vor dem Wettkampf erfuhr: Sarah Davies verkündete vor versammeltem Publikum mit einer emotionalen Rede, in der sie mit den Tränen kämpfen musste, dass sie in der nächsten Saison für einen anderen Verein an den Start gehen werde. „Diese Entscheidung war eine der schwierigsten, die ich je treffen musste“, sagte die 26-jährige Britin. „Ihr habt mich vor fast vier Jahren so herzlich aufgenommen, das werde ich nie vergessen.“ John Attilo und Axel Wenz zeigen Verständnis für den Schritt von Davies. „Es war uns klar, dass eine Gewichtheberin von solch internationaler Klasse – noch dazu die beste Frau in der gesamten Bundesliga – nicht ewig in unserem kleinen Verein bleiben wird“, sagte Attilo. Abteilungsleiter Wenz ergänzte: „Sarah arbeitet in England als Personal-Trainerin und muss alle internationalen Wettkämpfe selbst finanzieren. Sie hatte ein Angebot, dass sie aus rationalen Gründen gar nicht ausschlagen konnte. Auch wenn es schwerfällt.“

Grünstadt-Ticker