Frankenthal Zum Geburtstag ein Tango
Tanzen mit Gleichgesinnten in der Gruppe – dieses Angebot speziell für Senioren gibt es im Ökumenischen Gemeindezentrum Pilgerpfad (ÖGZ). Dort stehen die Mittwochnachmittage unter dem Motto „Erlebnistanz“. Bewegungsfreudige Mittänzer sind willkommen.
„Seit, ran, seit nach rechts – seit, ran, seit nach links – drei Schritte vor, drei zurück und Wiegeschritt“: Mit klarer Stimme gibt Doris Wack die Ansagen und hat dabei jeden im Blick. Harmonisch bewegen sich die 15 Frauen im Kreis. Beim Kreuzschritt gibt’s stellenweise Verwirrung, doch die wird weggelacht. Aus der Musikanlage säuselt Nicole Kidman „Something Stupid“. Rumba-Tanz mal anders. Themenwechsel nach drei Minuten: Mit dem Schlager „Schenk mir einen Augenblick, tanz mit mir, tanz mit mir“ geht es weiter im Wechselschritt. Schrittkombinationen wie die „Box“, die mit Seitschritt geöffnete „Schere“ oder das gegenseitig umkreisende „Wheel“ fordern die Konzentration der Teilnehmer. Geduldig macht Doris Wack alles vor, die Tänzerinnen folgen. Vor sieben Jahren ließ sich die Ludwigshafenerin Doris Wack beim europäischen Seniorentanzverband in Bremen zur Seniorentanzleiterin ausbilden. „Musik und Rhythmus wecken unsere Lebensgeister“, ist sie überzeugt. Besonders das vom Verband propagierte Kurskonzept „Erlebnistanz“ hat es ihr angetan: Es ist international ausgerichtet und enthält abgewandelte Schrittfolgen aus Standard- und Lateintänzen, aber auch aus der Folklore Israels, Brasiliens und Griechenlands. „Die Tänze sind speziell für Ältere entwickelt und auch bei gesundheitlichen Einschränkungen machbar.“ Beweglichkeit und Kondition, Koordination und Konzentration - die gesundheitsförderlichen Effekte des Tanzens sind mittlerweile allgemein bekannt und wissenschaftlich nachgewiesen. Eine Vielfalt an Tanzformen steht im Mittelpunkt. Es gibt unterschiedliche Formationen im Kreis, in Reihen oder im Block, paarweise oder als Gruppe. Meist geht es kreuz und quer über die Tanzfläche, es gibt aber auch Sitztänze. Von mehreren Fortbildungen jährlich bringt Doris Wack neue Musik und Choreographien mit, denn Abwechslung ist das Motto. Bei acht unterschiedlichen Musiken und Tänzen in 90 Minuten ist für jeden Geschmack etwas dabei. Mittänzerin Maria hat Geburtstag und wünscht sich einen Tango. Den gibt es gemessenen Schritts in Kreisformation. Beim anschließenden Walzer in der Gasse stehen sich – ähnlich wie beim Wiener Opernball - die Paare gegenüber, anschließend wird zu fröhlichen Klezmer-Klängen gemeinsam geklatscht. Auf eine alpenländisch anmutende Musik aus Brasilien haben die Tänzer Spaß beim „Kette laufen“ und geben sich im Vorübergehen abwechselnd die rechte und linke Hand. Mit einer Art Line-Dance auf einen griechischen Sirtaki bewegt sich die Gruppe in Viererreihen, dabei wird jede Himmelsrichtung angetanzt. Mit Begeisterung dabei ist Ursula Basler: „bei Gymnastik kam ich nicht zurecht, aber hier ist es super“, gesteht die 62-Jährige. Nur einmal pro Woche tanzen ist der agilen Jungseniorin zu wenig, und so besucht sie außer im ÖGZ noch einen weiteren Tanznachmittag bei Doris Wack in Oggersheim. Das Gemeinschaftserlebnis schätzt Friedel Bartosch bei den Tanznachmittagen besonders. Die Frankenthalerin kam im März 2016 zur Gruppe. Kopf und Füße zu koordinieren sei manchmal „ganz schön schwierig“, doch besonders genieße sie es, nicht – wie im klassischen Paartanz – von einem Partner herumgeschubst zu werden. Zum Thema Männer haben die tanzenden Seniorinnen ihre ganz eigene Meinung. Klar seien die willkommen, betont Tanzleiterin Doris Wack, die ihre 20-köpfige ÖGZ-Truppe gerne um einige Fußpaare aufgestockt sehe. Doch statt Paartanz mit verteilten Geschlechterrollen regiere beim „Erlebnistanz“ Gleichberechtigung und Gemeinschaftsgeist die Tanzfläche. Einige der Frauen verraten nebenbei, dass sie besonders das Unter-Sich-Sein genießen: „Mit Männern wäre es hier eine andere Energie.“ NOCH FRAGEN? Seniorentanz im ÖGZ Pilgerpfad, Jakobsplatz 1, jeden Mittwoch von 14 bis 15.30 Uhr. Nähere Infos bei Doris Wack, Telefon 0621 574829. |bik