Frankenthal „Wir sagen nix, du Zipfelmütze!“

Im Himmel herrscht Chaos: Der Milchstraßenpolizist (Kieren Schmidt, links) und Sonja Sonnenstrahl (Mia Junker, Mitte) helfen dem
Im Himmel herrscht Chaos: Der Milchstraßenpolizist (Kieren Schmidt, links) und Sonja Sonnenstrahl (Mia Junker, Mitte) helfen dem Sternenputzer Sebastian (Jonatan Grimm, rechts) beim Kampf gegen den Schattenmann.

Manche Geister wird man schwer wieder los. Mitunter kann sich das aber auch als Glücksfall erweisen – wie bei der Premiere von „Sebastian Sternenputzer und der Sonnenstrahl“ im Hof-Theater Hasch-Masch in Bobenheim-Roxheim am vergangenen Sonntag: Das kleine Publikum unterstützte Sebastian und seine Freunde dabei so engagiert, dass das Kindertheaterstück vom Theaterkreis Bobenheim-Roxheim eine unerwartete Eigendynamik entwickelte. Im Himmel sind nämlich Diebe unterwegs, Chaos bricht aus. „Wollt ihr mir helfen?“, fragt Sebastian Sternenputzer die 30 Kinder auf den Zuschauersitzen. Klarer Fall: Beim Kampf gegen Unrecht sind die Kleinen mit Feuereifer dabei. Und so mischen sie in jeder Szene kräftig mit, damit dem bösen Schattenmann endlich das Handwerk gelegt werden kann. Die wohlgemeinten Zwischenrufe sind stellenweise so lautstark und vielstimmig, dass es den zwölf- bis 15-jährigen Darstellern schwer fällt, sich auf ihre Rollen und Texte zu konzentrieren. Dennoch lässt sich das jugendliche Ensemble nur geringfügig aus dem Konzept bringen. Die Begeisterungsfähigkeit der jungen Zuschauer birgt Situationskomik, die so nicht im Märchenstück von Christina Stenger vorgesehen war. Zum Beispiel, als sich auch der Schattenmann Hilfe suchend an die Kinder wendet. „Wir helfen Bösewichten nicht!“, erklären die Kleinen entschieden. Und ein Steppke kräht zornig: „Wir sagen nix, du Zipfelmütze!“ Am Ende sind die Kinder begeistert, haben sie doch Sebastian zum Sieg verholfen. Ihre Eltern und Großeltern beklatschen die souveräne Leistung der acht Darsteller ebenso wie das Engagement ihres Nachwuchses. „Mit einem so begeisterungsfähigen Publikum hatten wir nicht gerechnet“, sagt Ingeborg Brand, die zusammen mit Helmut Dries Regie beim „Sternenputzer“ führt. Auf Zwischenrufe seien die Darsteller in den Proben zwar vorbereitet worden. Doch gerade für die noch unerfahrenen jugendlichen Schauspieler sei es dann doch eine Herausforderung gewesen, sich auf die unerwartet aktive Beteiligung der Zuschauer einzustellen. „Wir sind erstaunt, dass es gut geklappt hat“, zieht Brandt nach zweimal 30 Bühnenminuten Bilanz. Der Plot des Stücks ist ganz nach dem Geschmack der Kinder: spannend, lustig und voller Wendungen. Als Sebastian schlüpft der zwölfjährige Jonatan Grimm erstmals in eine Hauptrolle. Er hat im Himmel die wichtige Aufgabe, die Sterne zu putzen und zu polieren. Das kann er nun nicht mehr, denn der Schlüssel zum Tor des Tages ist unauffindbar – ebenso wie die Sternen-Uhr. Ohne die kann der Langschläfer Sebastian nicht aufwachen. Und ohne den Schlüssel kann Wanda Wolkenfrau (gespielt von Marit Zwart) das Tor zum Tag nicht aufschließen. Hinter alldem steckt der Schattenmann, gespielt von Daniel Krüger. Der Mann im rabenschwarzen Umhang und der schwarzen Zipfelmütze hat nur ein Ziel: ewige Dunkelheit im Himmel und auf der Erde. Um seinen bösen Plan umzusetzen, stiehlt er die Uhr. Nur der Schlüssel fehlt ihm noch. Diesen haben aber längst die Mondkobolde Schnick (Neo Wolf) und Schnack (Sun Wolf) in ihren Besitz gebracht. Sie lieben Schabernack und veräppeln den naiven Polizisten der Milchstraße, Michael Milchmann (Kieren Schmidt), nach Strich und Faden. „Wer seid ihr?“, will der intergalaktische Beamte wissen. „Ich bin Jo“, witzelt Schnick „und ich Gurt“, kichert Schnack. Dann sagt der eine, er heiße Wiener, der andere, er sei Würstchen – was im jungen Publikum für Heiterkeit sorgt. Dann mischt da auch noch Siegfried Sandmann (Sky Wolf) kräftig mit: Als Sandmann braucht er dringend neuen Sternenstaub, um ihn den Kindern zum Einschlafen in die Augen zu pusten. Sebastian greift deshalb zu einer List: Er verkleidet sich mit Schals und Mützen der Zuschauer als Wächter vom Tor des Tages. Ob der Schattenmann auf den Trick hereinfällt? Sonja Sonnenstrahl (Mia Junker) macht sich derweil auf den Weg, den Schlüssel, den die Kinder aus dem Publikum gut versteckt hatten, zurück in den Bühnen-Himmel zu bringen. Am Ende verspricht Sebastian ihnen: „Wenn ihr am Himmel einen Stern hell leuchten seht, dann wisst ihr, dass ich ihn extra für euch geputzt habe!“ Termine Das Theaterstück für Kinder ab vier Jahren läuft im Bobenheim-Roxheimer Hoftheater Hasch-Masch, Frankenthaler Straße 7, an allen Sonntagen bis einschließlich 2. Dezember um 15 Uhr. Karten (elf Euro, ermäßigt neun Euro) und Infos unter www.theaterkreis1975.de.

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