Frankenthal
Wieder vor Publikum: Elke Wunderle singt am Kunsthaus
In der vierten Auflage ihrer Reihe „Kuschelkonzerte“ wurde die Außentreppe vor dem Kunsthaus für Wunderle zur Bühne. Auf ihr Publikum hatte sie ein Dreivierteljahr verzichten müssen. Sie sei ein wenig nervös und habe Lampenfieber, bekannte die Sängerin am Anfang. Doch von Aufregung war bereits bei dem ersten Titel „Change Will Come“ von Miss Me kaum mehr etwas zu spüren: Ihre Gefühlsstärke und ihre Ausdruckskraft waren sofort wieder da und bescherten den Zuhörern den Abend über viele besondere Momente.
Mit gepflegt-warmem Timbre modulierte sich Wunderle durch ihre mittleren Lagen; „schwarze“ Facetten und zarte Akzente setzte sie souverän ein. Und so konnte man sich an leisen Tönen, etwa im Max-Mutzke-Song „Just Can’t Wait Until Tonight“, ebenso erfreuen wie an der funkigen Strahlkraft des James-Brown-Titels „I Feel Good“.
Als Wohnzimmersängerin angefangen
„Party machen“ – das war das Motto ihres Programms, das Wunderle neben dem aktuellen Song „Fireworks“ (Purple Disco Machine) mit allerlei Anekdoten aus drei Jahrzehnten Künstlerleben anreicherte. Sie erzählte von ihren Anfängen als Wohnzimmersängerin, von ihrem Vorbild Whitney Houston und von ersten Auftritten mit Absturzgefahr auf den Bühnenbrettern. Die Proben des Duos Wunderfinger in Andreas Fingers Küche seien unterlegt gewesen von Orangenduftöl gegen Hasenstallgeruch. Und ihren ersten Auftritt in einer Kirche habe der Pfarrer sogar infrage gestellt.
Immer wieder sprang Wunderle in den Jahrzehnten vor und zurück und gab sich dabei ehrlich und uneitel. Neben herzergreifenden Balladen wie „The Glory Of Love“ (Bette Midler) und coolem Retrosound wie „A Night Like This“ (Caro Emerald) hatte sie von Whitney Houston gleich mehrere Titel dabei: Neben „I Wanna Dance With Somebody“ und „Saving All My Love For You“ bescherte „I Will Always Love You“, das sie ihrem verstorbenen Vater widmete, Gänsehautmomente. Aber auch selten gespielte Songs wie der Jazzklassiker „All The Things You Are“ von Ella Fitzgerald oder „So In Love“ von Cole Porter waren zu hören.
Das 30-jährige Bühnenjubiläum sei das letzte, das sie feiere, bekannte Wunderle zwischendurch. Doch Konzerte, öffentliche und private, wolle sie künftig natürlich weiterhin geben. Planungen gebe es pandemiebedingt leider gerade nicht. Überhaupt habe Corona die Künstler schwer getroffen, berichtete die Sängerin später abseits der Bühne. Sie selbst habe mit ihrem Mann, der fürs ZDF arbeite, eine GmbH gegründet. Man habe sparsam gelebt, Kurzarbeitergeld bezogen, aber auch ans Ersparte gehen müssen, erläuterte sie. Und gerade erlebe sie, dass ein Fünftel ihrer Musikerkollegen nicht zurück in ihren Job finde.
Vom Publikum gefeiert
Mit Videos auf den Social-Media-Kanälen habe sie gegen die Perspektivlosigkeit angearbeitet. Als sie dann das Meditieren für sich entdeckt habe, habe es „einen Schlag gemacht“ und die Idee der „Gartentürständchen“ sei geboren worden. Seither komme sie „mit drei Songs zum Preis von einem Blumenstrauß“ zu den Leuten – im Freien und unter Einhaltung der Abstands-und Hygieneregeln. Das halte zwar nicht finanziell, aber emotional über Wasser, bekannte Elke Wunderle. „Künstler brauchen ein Publikum, das sie trägt.“
Am Samstagabend wurde sie von ihren Zuhörern gefeiert. Nach einem Abschlussgruß mit dem Abba-Titel „Thank You For The Music“ und einem inbrünstig interpretierten „My Way“ (Frank Sinatra) feierten die Fans ihre Diva ohne Allüren und spendeten stehend Applaus.