Frankenthal Wie Uroma Sahne schlug
Mit 1000 Euro fördert die Kulturstiftung der ehemaligen Kreissparkasse Rhein-Pfalz die museumspädagogische Arbeit im Heimatmuseum Heuchelheim (wir berichteten). Das Geld könnte laut des Vorsitzenden des Kultur- und Heimatvereins, Mathias Hüther, für ein digitales Angebot genutzt werden.
Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit im Heimatmuseum im Alten Rathaus von Heuchelheim sind Führungen für Schulklassen. Diese kommen laut Hüther aus der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim, aus Frankenthal und Maxdorf. Drei Klassen habe er in diesem Jahr durch die zwölf Räume des Museums geführt, sagt der Vorsitzende des Kultur- und Heimatvereins. In dem etwa zweistündigen Programm können die Schüler etwas über das Leben auf dem Land, den Schulalltag und die Arbeit ihrer (Ur-)Großeltern erfahren. Meist kämen die Kinder gut informiert nach Heuchelheim. „Die Lehrerinnen haben das Thema im Unterricht vorbereitet“, sagt Hüther. Mit seinem Programm richtet sich der Museumsleiter nach den Wünschen der Besucher. Zu sehen gibt es eine Menge. Unter anderem findet sich im Alten Rathaus ein historischer Schulsaal mit Schiefertafel, einer Fünfer-Sitzbank und einem Harmonium, auf dem mit Hilfe eines Blasbalgs bis heute gespielt werden kann. Die alte Schrift Sütterlin können Schüler auf zehn neuen Schiefertafeln üben. Die Tafeln habe die Grundschule Heßheim als Dankeschön für einen gelungenen Besuch im Museum gestiftet, erzählt Hüther. In einer Waschküche erfahren die jungen Besucher, wie mühsam das Wäschewaschen früher war, in der voll eingerichteten Küche nebst Holzherd bekommen sie eine Ahnung davon, welche Erleichterungen die Elektrizität heute bietet. Ein eigener Raum ist dem für die Region bis heute wichtigen Zuckerrübenanbau gewidmet. Einblicke gibt das Museum auch in verschiedene Handwerksberufe wie den des Küfers, der Fässer herstellt. Aus den 60er-Jahren stammt die Schumacherwerkstatt. Eugen Mohr, der letzte seiner Zunft im Dorf, überließ sie dem Heimatverein. Holznägel, eine Schleif- und Poliermaschine sowie original Schuhe gehören zu der Einrichtung. Die Exponate stammen aus der Zeit zwischen 1820 und den 1960er-Jahren. „Das alles, was früher Alltag war, ist für die Kinder ziemlich exotisch“, beobachtet Hüther. Die Besucher fänden es beispielsweise spannend zu sehen, wie Sahne mit einer Handkurbel steif geschlagen wird. Erstmals gab es im September ein Kindermuseumsfest mit dem Ziel, dem Nachwuchs die Heimatgeschichte näher zu bringen. Für den Tag hatte Hüther zwei Suchspiele durch das Alte Rathaus und durch den Ort entwickelt. Diese Rallyes können nun auch von Schulklassen und von Einzelbesuchern genutzt werden. Jeden dritten Sonntag im Monat ist das Heimatmuseum Heuchelheim von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Wer möchte, kann sich in dieser Zeit durch die Räume führen lassen. Dabei richtet sich Hüther nach dem Wissensdurst und dem Zeitplan der Besucher. Zwischen 30 und 90 Minuten könne ein Rundgang durch das Haus dauern. „Wir sind das historische Museum im Umkreis“, wirbt der Heimatvereinsvorsitzende für die Dauerausstellung. Das nächste Mal ist das Museum am Sonntag, 21. Januar, zu besichtigen. Schulklassen können sich jederzeit anmelden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, den Kindergeburtstag im Alten Rathaus zu feiern. Carmen Graber aus Lambsheim bietet im Heimatmuseum Heuchelheim ein kreatives Programm mit Action Painting, Spachteltechnik und Selbstporträts. Weil die Premiere des Kindermuseumsfests erfolgreich war, gibt es Anfang September eine Fortsetzung. Das Heimatmuseum wurde 1999 eröffnet, seit 2014 ist der Kultur- und Heimatverein in der ehemaligen Verbandsgemeinde Heßheim Träger der Einrichtung. Ursprünglich war das Haus im Ortskern 1821 als Schule erbaut worden, von 1956 bis 1977 wurde es als Rathaus genutzt. Es steht seit 1997 unter Denkmalschutz. Die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim sorgt für die Unterhaltung des Museumsgebäudes. Kontakt Schulklassen und interessierte Besucher können sich unter Telefon 06233 72374 und per E-Mail an mathiashuether@web.de an den Vorsitzenden des Kultur- und Heimatvereins wenden.