Kleinniedesheim
Werkleiter Uwe Peter Chorleiter in Kleinniedesheim
Ein Dienstagabend Ende Februar im Vereinsheim der Kleintierzüchter Kleinniedesheim. Es ist Singstunde des örtlichen Gesangsvereins. Fünf Sänger und zwölf Sängerinnen – die Jüngste ist 14 Jahre alt und schon seit drei Jahren dabei – stehen im Halbkreis um Klavier und Dirigent Uwe Peter. Wie der Muskel vor dem Sport, wird auch die Stimme beim Atem- und Stimmtraining aufgewärmt. Mit Vokallauten geht es die Tonleiter hoch und runter, dazu gibt es Gymnastik für Zwerchfell, Hals, Kopf und Oberkörper.
Dann wird gesungen. Uwe Peter hört unter 17 Stimmen heraus, dass hier zu schnell, dort zu laut gesungen wird. „Wir sind ein Chor, um ein homogener Klangkörper zu sein, müssen wir aufeinander hören, uns anpassen“, erklärt er. Auch die Aussprache solle exakt, der Text verständlich sein, ermahnt er. Und möglichst während des Singens nicht am Blatt kleben, textsicher und frei zu singen seien ebenso wichtig. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man, wenn man aufguckt, mehr Freude am Lied empfindet.“ Der Zuhörer spüre diese Empathie. Die Reaktion könne sein, dass dieser denkt „oh, das hat mir gefallen“ – und vielleicht werden so neue Sänger gewonnen.
„Die Chemie muss stimmen“
Über eine Anzeige haben Uwe Peter, der nach einer Weiterbildung beim Pfälzischen Sängerbund seit 1990 seine Dienste als Chorleiter anbieten darf, und der 1983 gegründete gemischte Chor des Gesangsvereins Kleinniedesheim mit derzeit rund 20 Aktiven und 40 passiven Mitgliedern zueinander gefunden. „Die Chemie muss passen“, betont Vereinsvorsitzender Heiko Schwerdel. Die Wahl auf Uwe Peter sei nach Probesingstunden mit den Bewerbern gefallen.
Peter hat in rund 30 Jahren Erfahrungen und Erfolge als Chorleiter aufzuweisen. Unter anderem hat er als Dirigent der Chorvereinigung Bobenheim-Roxheim 1996 die Gondelkids ins Leben gerufen, dirigierte den Gemeindechor der Frankenthaler Nazarenerkirche und wirkte von 2003 bis 2019 beim Männergesangverein Liederkranz Gundersheim, wo er 2005 einen Projektchor und daraus die Gründung des gemischten Chors Bellafonie initiierte. „Das war eine spannende Sache“, erinnert sich Peter. „Doch wie der Sporttrainer, sollten auch Chorleiter von Zeit zu Zeit wechseln“, behauptet er.
Zuschuss von Gemeinde
Dass sich der Chor überhaupt einen Chorleiter leisten kann, dafür und darüber hinaus für vielfältige Vereinskosten wurde der jährliche Vereinszuschuss der Ortsgemeinde um 200 auf 1000 Euro erhöht. „Nur mit den Mitgliedsbeiträgen ging das alles nicht“, sagt Schwerdel. Und Einnahmen aus Veranstaltungen könnten derzeit aufgrund der Altersstruktur nicht mehr erwirtschaftet werden.
Der Schwerpunkt in der Chorliteratur „liegt darin, was der Chor kann“, lautet Peters Maxime. Das heißt, dass zunächst das beim erkrankten Vorgänger Erlernte aufgefrischt und parallel um Neues – von klassischen bis modernen Sachen – ergänzt wird. Ziel sei es, Veranstaltungen im Ort zu begleiten, aber auch Liederabende mit Gastchören und –solisten kann sich Uwe Peter vorstellen. Er wolle seine Erfahrungen und Möglichkeiten einbringen, den Chor voranzubringen. Einzige Voraussetzung sei, dass der Chor das auch wolle und mitziehe.
Im Ruhestand musikalische Arbeit ausbauen
Musik begleitet Uwe Peter sein ganzes Leben. Als Neunjähriger lernte er Akkordeon, beteiligte sich beim Wettbewerb „Jugend musiziert“, hatte schon früh eine Band, mit der er etwa Tanz- und Faschingsveranstaltungen begleitete. 1990 wollte er das „Tingeltangelleben“ beenden und startete die Chorausbildung. Dass er Musik auch zu seinem Beruf hätte machen können, das hatten ihm die Eltern verwehrt. „Deswegen bin ich nicht böse“, betont er. Ganz im Gegenteil, er freut sich, dass ihm die Eltern mit der Musik ein schönes Hobby mitgegeben haben, „das ich nicht missen, nie vernachlässigen möchte“, sagt er. Auch im nahenden Ruhestand nicht. Im Gegenteil, er würde sogar gerne noch einen weiteren Chor dazunehmen. Und auch die Aktivitäten im Trio mit seiner Frau und einer gemeinsamen Freundin bei Hochzeiten und anderen Veranstaltungen will der 64-Jährige gerne ausweiten.