Großniedesheim / Bobenheim-Roxheim Werke von Ursula Faber und Dimana Wolf in virtueller Ausstellung zu sehen
Die sogenannte Work-Life-Balance ist dahin – spätestens jetzt in der Corona-Krise. Millionen Menschen sitzen im Homeoffice und arbeiten von zuhause aus, vom Küchentisch, dem heimischen Arbeitszimmer oder dem Sofa aus. Wir haben Videokonferenzen, schreiben unzählige Mails an Kollegen und telefonieren stundenlang. Dazwischen läuft die Waschmaschine, wir gehen zur Post oder mit Maske schnell mal in den Supermarkt. Arbeiten auf der einen, Freizeit und Leben auf der anderen Seite. Das ist für viele passé. Pfälzer Künstler eingeschlossen.
Es geht um Gegensätze
Kein Wunder also, dass auch Ursula Fabers Werk, das Teil der Online-Ausstellung „Das halbe Leben“ ist, dieses Thema aufgreift. Erst im Frühjahr ist das Diptychon „Arbeitszeit-Lebenszeit“ fertig geworden. Auf zwei Stelen, die jeweils 20 Zentimeter breit und 150 Zentimeter hoch sind, hat die Großniedesheimerin allerlei Symbole aus der digitalen Welt in Öl und Acryl festgehalten: der Apfel von Apple, das Facebook-Logo, das Twitter-Vögelchen. Auf der linken Stele ist ein Mensch zu sehen, der am Schreibtisch vor dem Laptop hockt. Gehalten ist das Diptychon vorrangig in den Farben Orange und Blau – Komplementärfarben. Genauso gegensätzlich wie die Farbgebung ist auch das Format: zwei getrennte Teile, die doch irgendwie zusammengehören. Und dann die Motive: Symbole des Arbeitslebens verschwimmen mit geometrischen Formen, die an Objekte des Alltags erinnern. „Das Digitale überrennt uns momentan“, sagt Faber über die aktuelle Bedeutung ihres Werks. „Es geht mir darum, dass man Arbeitszeit und Lebenszeit nicht mehr voneinander trennen kann. Alles greift ineinander ein.“
Schau für das Kunsthaus geplant
Fabers Diptychon ist eins von 36 Werken, die im Netz unter www.apk-kunst.net versammelt sind. Eigentlich sollten sie bis zum 14. Juni im Frankenthaler Kunsthaus zu sehen sein, doch das bleibt wegen der Corona-Krise bis auf Weiteres geschlossen. Die Bandbreite der Werke und Techniken ist groß: Zu sehen sind Acrylmalereien, Radierungen, Collagen, Scherenschnitte, Vektorgrafiken, Fotografien, Installationen oder etwa Skulpturen von Künstlern aus allen Ecken der Pfalz. Neben Faber aus Großniedesheim ist auch Dimana Wolf aus Bobenheim-Roxheim mit ihrem Werk „Frequenz“ in der virtuellen Schau vertreten. In dem Acryl auf Leinwand setzt sie sich mit den Themen Selbstbefragung und Selbstbeschreibung künstlerisch auseinander.
Faber sieht in der virtuellen Ausstellung viel Gutes: „Es ist eine Bereicherung“, findet die Großniedesheimerin. Man müsse zum Beispiel keine großen Strecken mehr zurücklegen, um Kunst zu sehen. Die virtuellen Auftritte seien gut gemacht und zukunftsfähig. „Aber mehr als eine Ergänzung sind sie nicht“; findet Faber. „Es fehlt einfach etwas, wenn man nicht ins Museum oder eine Ausstellung gehen kann, wo man sich mit anderen Künstlern austauschen und diskutieren kann.“