Frankenthal
Wehrleute beleidigt: Frau muss Schmerzensgeld zahlen
Wie überrascht Thomas Bader war, das ist ihm noch ein gutes halbes Jahr später anzumerken, wenn er von einem speziellen Erlebnis im Mai berichtet. Der ehrenamtliche Feuerwehrmann und seine Kollegin Christina Deheck sind mit dem Drehleiter-Fahrzeug auf dem Weg zu einem Einsatz und stoßen vor Ort zunächst auf ein eher alltägliches Problem: eine zugeparkte Einfahrt. Bader spricht die Fahrerin des Autos an – trotz des Zeitdrucks freundlich, wie er sagt.
Anstelle von Verständnis für die mit Blaulicht und Martinshorn anrückende Wehr, erntet Bader allerdings direkt das erste derbe Schimpfwort. „Ich habe zu Christina geschaut und gefragt, ob die Frau das jetzt wirklich gesagt hat“, erzählt er. Seine Beifahrerin sei daraufhin ausgestiegen, um einen weiteren Versuch zu unternehmen, die Situation im Guten zu klären. Aber auch Deheck bekommt Unflätiges zu hören.
Anzeige erstattet
Der Ärger über dieses Erlebnis sitzt tief. Deshalb entscheiden die beiden Freiwilligen, dass sie die Angelegenheit nicht auf sich beruhen lassen, und erstatten Anzeige. Thomas Bader sagt: „Ich kriege ja auch in meinem Hauptberuf als Polizist einiges zu hören, da kann ich das auch mal ignorieren. Aber als jemand, der ehrenamtlich für die Sicherheit der Bevölkerung unterwegs ist, darf man so etwas nicht akzeptieren.“
Es folgt 3G: gesagt, getan, gewonnen. Das Strafverfahren gegen die renitente Parkerin wegen Beleidigung wird von der Staatsanwaltschaft gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt. Im außergerichtlichen Zivilverfahren wird Deheck und Bader ein kleines Schmerzensgeld zugesprochen. Klein auch deshalb, weil die Frau nach Angaben der Feuerwehr die Übernahme von Anwaltskosten bislang verweigert hat.
Auch Polizei spendet
Trotzdem wollen die beiden Einsatzkräfte mit dem negativen Erlebnis noch etwas Gutes bewirken: Thomas Bader und Christina Deheck spenden das Schmerzensgeld in Höhe von 150 Euro an den Förderverein Kindernotarztwagen – ein Projekt, das der Schifferstadter Mediziner Ingo Böhn ehrenamtlich betreibt und betreut. Aus der Frankenthaler Blaulichtfamilie kann Böhn auf weitere Unterstützung zählen: Beamte der örtlichen Polizeiinspektion haben den Erlös ihrer Adventssammlung ebenfalls an den Verein überreicht.