FRANKENTHAL
Waldorf-Kita mit flexiblerem Angebot
„Heute sind zwölf Kinder da und dazu vier in der Krippe“, sagt Kita-Leiterin Lara Rauth beim Besuch der RHEINPFALZ. „Regelbetrieb nach Bedarf“ heißt das eingeschränkte Modell, nach dem die Kita an der Johannes-Bettinger-Straße angesichts der Corona-Pandemie arbeiten muss. Ungewohnte Ruhe herrscht daher in manchen Räumen des großen, zweigeschossigen Massivholzbaus. Denn zu normalen Zeiten tummeln sich hier bereits 62 Kinder, und die Eingewöhnungsphase für weitere Kita-Neulinge steht bevor.
80 Plätze stehen im Neubau zur Verfügung, erläutern Kirsten Ziesche und Carsten Felgenhauer, Geschäftsführer des Trägervereins. „Die Nachfrage war sehr groß – viel größer als das Angebot“, berichtet Ziesche. Am früheren Standort in Kellerräumen der benachbarten Waldorfschule hatte die Kita seit 1993 50 Plätze in zwei Regelgruppen (offen für Kinder ab drei Jahren) anbieten können. Zusehends hatten Eltern aber auch nach Plätzen für unter Dreijährige gefragt.
26 Plätze für die Jüngsten
Das ist im Konzept für die neue Kita berücksichtigt, das deutlich mehr Flexibilität bringt: Dort gibt es nun auch 30 Plätze für zwei „altersgemischte Gruppen“ mit Schwerpunkt bei den Jüngsten bis zu drei Jahren. Dazu kommen zwei „geöffnete Regelgruppen“ mit jeweils 25 Plätzen. Betriebsstart war am 26. Oktober. Von den künftig maximal 80 Kindern können „bis zu zwölf unter drei Jahren und bis zu 14 unter zwei Jahren alt“ sein, erläutert Carsten Felgenhauer. „Auch die Betreuung bis 15.30 Uhr wird erweitert – von derzeit maximal zwölf auf zukünftig maximal 48 Kinder.“
Pläne für das Projekt lagen seit 2012 vor. Vor allem Streitigkeiten unter den als Zuschussgeber beteiligten Kommunen – Stadt Frankenthal, Stadt Ludwigshafen, Rhein-Pfalz-Kreis und Kreis Bad Dürkheim – über die Höhe ihrer Finanzbeiträge führten zu Verzögerungen. 2017 trafen sich die Stadt Frankenthal und der Kreis Bad Dürkheim deswegen sogar vor dem Verwaltungsgericht Neustadt. Danach verständigte man sich drauf, dass die Kommunen von den zunächst erwarteten Baukosten von 1,3 Millionen Euro gemeinsam einen Anteil von 635.000 Euro übernehmen würden – davon Frankenthal die Hälfte.
Zuschuss auch vom Land
Wegen gestiegener Baukosten hatte der Waldorfschulverein zwischenzeitlich neue Kalkulationen vorgelegt: 2018 rechnete er mit einem Aufwand von 1,5 Millionen Euro, 2019 dann mit 1,7 Millionen Euro. Dem daraus abgeleiteten Antrag, weitere 290.000 Euro an Zuschussmitteln zu gewähren, ist die Stadt Frankenthal nun gefolgt: Im Dezember stimmte der Stadtrat einhellig zu. Auch in diesem Fall gilt: Die Stadt tritt finanziell in Vorleistung und versucht in Gesprächen zu erreichen, dass die betroffenen Nachbarkommunen ihrerseits zusammen 50 Prozent dieser Kosten übernehmen. Die Verhandlungen darüber sind nach Angaben von Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) in der Stadtrats-Drucksache „noch nicht abgeschlossen“.
Dass sich Frankenthal auf diese Weise zusätzlich engagiert, freut die Verantwortlichen des Trägervereins. Vom Land erwarte man nun einen Förderbetrag von 300.000 Euro, erklärt Carsten Felgenhauer. Zudem stelle die Software-AG-Stiftung eine Spende in Höhe von 60.000 Euro zur Verfügung. Dass die erwarteten Gesamtkosten zuletzt noch einmal gestiegen sind – auf 1,9 Millionen Euro – wolle der Verein nicht zum Anlass für eine weitere Verhandlungsrunde nehmen: Diesen Mehraufwand „übernehmen wir als Bauherr in Eigenleistung“, kündigt der Geschäftsführer an.
Baustart im Oktober
Länger als erwartet haben sich – Corona-bedingt – die Bauarbeiten hingezogen. „Im Sommer 2019 wurde die Bodenplatte gegossen“, berichtet Kirsten Ziesche. „Im Oktober war dann Baustart, und eigentlich wollten wir bis April fertig sein.“ Zwar seien die Arbeiten nun – nach Verzögerungen im Frühjahr – im Wesentlichen erledigt. Hier und da fehlt aber noch etwas: So ist im Inneren noch der Hauswirtschaftsraum mit Küche einzurichten, und außen sollen Gärten angelegt werden. Eltern von Kita-Kindern übernehmen Lasurarbeiten an dem Massivholzbau.
Bis zu 30 Meter lang seien die vorgefertigten Bauteile gewesen, die ein Spezialist aus Österreich zugeliefert habe, berichtet Carsten Felgenhauer. „Und die haben dann auf den Millimeter gepasst.“ Zehn Zentimeter dick sind die Außenwände des Gebäudes; dazu kommen 20 Zentimeter Dämmung und Verschalung. Diese Bauweise sei „wesentlich günstiger als die konventionelle“, erklärt Kirsten Ziesche.
Geheizt wird über die Fußböden auf 730 Quadratmetern Nutzfläche mit Erdwärme, die aus 30 Meter tiefen Sonden nach oben strömt. Im Sommer könne mit diesem System auch ein gewisser Kühleffekt erzielt werden, sagt Ziesche. Dass die Elektroleitungen im Haus „besonders abgeschirmt“ seien, rechnen die Verantwortlichen ebenso zu den Besonderheiten des Gebäudes wie den barrierefreien Ausbau – auch ein Aufzug steht bereit.
Mehr Raum für die Schule
Die frei gewordenen früheren Kita-Räume in der Schule können nun für den Schulbetrieb genutzt werden, berichtet Felgenhauer. Jetzt, wo angesichts der Corona-Gefahren mehr „mit Abstand“ gearbeitet werden müsse, sei es ausgesprochen hilfreich, dass dieser zusätzliche Platz zur Verfügung stehe.
In der nun deutlich größeren Kita wird mehr Personal gebraucht: Statt bisher 4,25 Stellen werde man künftig mit voraussichtlich 9,25 Stellen arbeiten, erklärt der Waldorf-Geschäftsführer dazu. Diese deutliche Steigerung sei auch eine Folge von zusätzlichen Vorgaben, die das neue rheinland-pfälzische Kindertagesstättengesetz ab 1. Juli 2021 mit sich bringe: Demnach müssen eine durchgehende Betreuung von sieben Stunden und Mittagsverpflegung angeboten werden.
Verhandlungen mit Stadt
Felgenhauer und Ziesche sind zuversichtlich, alle neuen Stellen besetzen zu können: Bewerbungen gebe es schon. Noch nicht überschauen können die Verantwortlichen allerdings, was eine weitere gesetzliche Neuregelung mit sich bringt: Demnach gibt es für die Zuschüsse der öffentlichen Hand zu den laufenden Personalkosten keine vorgegebenen festen Sätze mehr. Darüber müsse nun mit dem zuständigen Jugendamt verhandelt werden.