Gehörlosensport
Votum für Neuanfang mit Daniel Haffke
Am Samstagnachmittag um 15.42 Uhr hatte Daniel Haffke die Gewissheit. Der 33-jährige kehrt wieder zum Deutschen Gehörlosen-Sportbund (DGSV) zurück. Diesmal nicht als hauptamtlicher Mitarbeiter der Sportjugend, sondern als Vize-Präsident Sport.
Leicht haben sich die Delegierten aus den Landesverbänden die Wahl des gebürtigen Südpfälzers aus Steinweiler und aktuellen Vorsitzenden des Gehörlosensportclub (GSC) Frankenthal nicht gemacht. Haffke galt für einige im DGSV als „rotes Tuch“. Nach seiner Kündigung beim Verband als hauptamtlicher Mitarbeiter in der Geschäftsstelle in Köln im März 2023 und dem Wechsel zum Geschäftsstellenleiter Special Olympics im Saarland hatte Haffke Klartext geredet, in einer Videobotschaft Missstände im Präsidium angeprangert und den Weg zu einem Neuanfang ausgerufen.
Gegenwind getrotzt
Das gefiel nicht jedem. Besonders das bisherige Präsidium versuchte deshalb beim Verbandstag im Frankenthaler Congressforum am vergangenen Freitag und Samstag die Wahl Haffke zum Vize-Präsident Sport zu verhindern. Bei der Debatte hatte auch die Ethik-Kommission und das Gremium Good Governance nach einer gemeinsamen Anhörung mit dem DGSV-Präsidium und – Jugend am 11. Juli 2023 bis zur vollständigen Klärung der Angelegenheit noch eine vollständige Suspendierung Haffkes gefordert.
Diese Empfehlung fand allerdings keine Mehrheit. Die Delegierten entschieden sich für einen Neufang mit Haffke als den für Sport wichtigsten Funktionär. Mit 46 Ja- und 25 Nein-Stimmen erhielt er das Vertrauen für die kommenden vier Jahren. Zuvor hatte Jan Eichler, der umstrittene Vize-Präsident Kommunikation, der auch als Gegenkandidat vorgeschlagen wurde, versucht die Wahl zu verhindern. Haffke hielt „trotz des Gegenwindes“ an seiner Kandidatur fest, stand zu seinen erhobenen Vorwürfen und bekräftigte seine Haltung zu einem Neuanfang im Präsidium.
Neue Führungsriege
„Mir war bewusst, dass einige über mich schlecht sprechen werden, aber ich stehe zu meinen Aussagen“, sagte Haffke. „Wir brauchen einen Neuanfang mit klaren Strukturen für den Kinder-, Senioren-, aber auch für den Spitzensport“. So bemängelte Haffke auch, dass bisher die Prämien für die Erfolge auf internationaler Ebene noch nicht abgewickelt wurden. Nach „Rheinpfalz“-Informationen wurde vom bisherigen Präsidium immer noch keine Freigabe für den Bundesstützpunkt Handball in Frankenthal erteilt. Eine Aufgabe, die Haffke mit dem neugewählten Präsidium, schnellstens umsetzen möchte.
Seine Kandidatur dürfte auch der Auslöser gewesen sein, dass das bisherige Präsidium um Tobias Burz (München) sich nicht mehr zur Wiederwahl stellte und den Weg für eine neue Führungsriege frei machte. Der Rückhalt aus den Landesverbänden war nicht mehr vorhanden. So wurde als erste Frau in der Geschichte des DGSV, Katharina Pape (Darmstadt) gewählt. Zu Vizepräsidenten bestimmten die Delegierten neben Haffke noch Andre Brändel (Finanzen/Dresden), Ricardo Scheuerer (Kommunikation/Berlin). Neuer Generalsekretär ist Dr. Christof Rieck (Köln). Die Position Vize-Präsident Sportentwicklung bleibt vakant. Beim Verbandstag warben die Frankenthaler Delegierten auch für das DGSV-Sportfest vom 9. bis 11. Mai 2024 in ihrer Heimatstadt, wo über 2000 Personen erwartet werden.