Tennis RHEINPFALZ Plus Artikel Vom Fußballplatz zum Meistertitel im Tennis

Lieber kleiner Filzball als Lederballl: Die Herren-50 beim SV Roxheim haben Erfolg.
Lieber kleiner Filzball als Lederballl: Die Herren-50 beim SV Roxheim haben Erfolg.

Ein Verein im Aufschwung: Der SV Roxheim wächst dank einer Tennis-Truppe aus Ex-Fußballern und einem ungewöhnlichen Getränk.

Beim SV 1914 Roxheim wird mit dem „Schleifchen - Turnier für Jedermann“ inklusive Schnuppertraining für Anfänger die diesjährige Tennis-Saison beendet. Für die Organisatoren gibt es dabei gleich doppelten Grund zur Freude: Ein Großteil von ihnen gehört zur Herren-50-Mannschaft, die in dieser Saison Meister der B-Klasse wurde.

Manch einer könnte einwenden, dass ein Meistertitel in der Tennis Ü50-B-Liga nicht gerade der sportliche Mount Everest ist. Doch bei den „14ern“ lohnt sich ein genauer Blick auf diese außergewöhnliche Truppe. Nicht nur, weil sie bei Heimspielen ihre Gegner mit dem isotonischen Getränk Samba-Lutscher aus einem Drei-Liter-Weizenglas versorgt hat. Der Titel und der damit verbundene Aufstieg markieren den Höhepunkt einer Entwicklung, die vor etwa zehn Jahren begann und dem damals angeschlagenen Verein neues Leben einhauchte.

Ein Großteil der Mannschaft hätte 2015 noch nicht gewusst, wie man einen Tennisplatz korrekt abzieht, geschweige denn, sich vorstellen können, Verantwortung im Vorstand eines Vereins zu übernehmen. Die Mannschaft besteht überwiegend aus ehemaligen Fußballern, die eher zufällig zum Tennis fanden und zunächst gar nicht aktiv spielen wollten. „Wenn man es genau nimmt, ist das hier eine Wohlfühloase ehemaliger Kicker“, sagt Teamkapitän und Vorsitzender Jörg Holländer grinsend.

Alles begann mit Christopher Schuff und Ralf Knecht, die vor etwa zehn Jahren als Anfänger nach gleichwertigen Tennispartnern suchten. Sie fragten im Freundeskreis, ob jemand Interesse an einem Schnupperkurs hätte, und nahmen auch direkt die Frauen mit. Schon bald schlossen sich immer mehr an – unter den Männern vor allem ehemalige Fußballer. „Die meisten haben ja früher Fußball gespielt, also fragst du bei den ehemaligen Kollegen nach. Unser Standardspruch war, dass jeder, der halbwegs gegen den Ball treten konnte, auch genug Ballgefühl für den Tennisschläger hat“, erinnert sich Carsten Urban, vormals Verteidiger beim TuS Flomersheim.

„Eigentlich ging es uns darum, Leute, die menschlich passen und dazu noch halbwegs einen Schläger halten konnten, zu uns zu holen“, erklärt Christopher Schuff. Das führte schnell zu einer Eigendynamik, auch sportlich. „Als wir uns zum ersten Mal für die Meden-Runde angemeldet hatten, war klar, dass wir übel verprügelt werden, aber wir wollten es dann wissen, haben etliche Trainingslager gebucht und jetzt mit Nico Sablowski einen Bombencoach, der uns sehr weit gebracht hat.“

Doch nicht nur der Sport stand im Fokus. Der SV 1914 war damals ein Verein im Niedergang, und mit einem Durchschnittsalter von Mitte 40 waren die Neumitglieder die Jüngsten. „Und da mussten wir was machen und haben dann zusammen mit unseren Frauen begonnen, immer mehr Funktionen zu übernehmen“, erinnert sich der ehemalige Vorsitzende Jochen Dinkel.

Positionen wie Sportwart, Pressewart oder Jugendwart wurden von den „Newcomern“ übernommen. Parallel dazu organisierten sie Vereinsfeste, die neue Mitglieder anzogen. Die Mitgliederzahl stieg von 80 auf 180, und die Anzahl der Mannschaften wuchs von zwei auf acht. Ein einst gefährdeter Verein entwickelte sich zu einem florierenden Club, der in Bobenheim-Roxheim bei Events wie dem Kerweumzug oder Weihnachtsmarkt präsent ist.

„Wir hatten zudem das große Glück, dass wir mit Rosalia Reinhardt eine Schatzmeisterin vorgefunden haben, die uns bis heute noch unglaublich unterstützt“, sagt Holländer. Für Uli Wendt, den zweiten Vorsitzenden, ist besonders wichtig: „Wir sind sportlich feiernd aufgestiegen. Das Gesellige ist uns genauso wichtig wie das Spiel und das spricht sich auch bei den Gegnern rum. Wenn wir Gastgeber sind, kann es schon mal vorkommen, dass die gleich mit dem Wohnmobil hier aufschlagen und übernachten.“ Vielleicht liegt es am „Samba-Lutscher“…

Weitere Informationen

Das Schnuppertraining für Anfänger findet von 10 bis 12 Uhr statt. Voranmeldungen sind unter 0157-70434900 möglich.

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