Frankenthal Vom Atmen unter Wasser

Mit Hilfe dieser Taucherglocke wurde nach Vermissten bei einem Fährunglück in Südkorea 2014 gesucht.
Mit Hilfe dieser Taucherglocke wurde nach Vermissten bei einem Fährunglück in Südkorea 2014 gesucht.

Glocken, die findet man auch unten auf dem Grund des Rheins. Nicht weil sie dort versunken sind, sondern weil sie fürs Arbeiten unter Wasser eingesetzt werden. Dank der Taucherglocke kann man in der Tiefe atmen, und dieses Prinzip macht sich sogar eine Spinne zunutze. Die Frankenthaler Taucher füllen Luft in Säcke, um Dinge zu bergen – eine Glocke war bisher nicht dabei.

Nur wenige Menschen können trockenen Fußes auf Flussboden wandeln: die Arbeiter des Taucherglockenschiffs Carl Straat vom Schifffahrtsamt Duisburg-Rhein, das einzigartig in Europa ist. Eine Art Raumfahrerkapsel senkt sich hinab, während Druckluft hineingepresst und Wasser aus der Glocke gepumpt wird. Durch einen Schacht steigen die Arbeiter hinab, müssen sich aber in einer Schleuse erst an den höheren Luftdruck gewöhnen. Schwül und neblig ist es in der Kammer, wie Reporter berichten. Wegen des Drucks dürfen sich Arbeiter maximal vier Stunden pro Tag in acht Metern Tiefe aufhalten. Sie suchen nach verlorenen Ankern in Hafenbecken, die den Schiffsrumpf aufreißen könnten, haben aber auch schon Bomben gefunden. Die Taucher der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft in Frankenthal steigen zum Bergen von Gegenständen nicht selbst in solche Kapseln, sondern nehmen Hebesäcke mit, in die sie unter Wasser mit einer Luftpistole Luft pumpen. Der Sack steigt auf und zieht den Gegenstand, an dem er befestigt wurde an die Oberfläche. „Nur kleine Sachen wie Fahrräder“, erzählt Max Leppla von der Frankenthaler Ortsgruppe. Als im Sommer ein 83-Jähriger mit seinem Auto im Wolfgangsee bei Neuhofen landete, konnte er von einem Nachbarn gerettet werden. Das Gefährt wurde von Mannheimer Feuerwehrtauchern hochbefördert, indem sie zwei Hebetonnen mit Luft befüllten. In manchen Seen sind nach Max Lepplas Recherche fest Glocken installiert, in denen die Taucher kurz miteinander sprechen können. Einen Luftvorrat bunkert auch die Wasserspinne in Seen. Mit ihrem haarigen Körper zieht sie Luft mit sich in die Tiefe und entlässt sie in eine Taucherglocke aus Spinnweben. Sauerstoff aus dem Wasser tritt in die Blase ein, haben Wissenschaftler herausgefunden, so dass diese Taucherglocke wie eine Art künstliche Kieme funktioniert. Serie Kling, Glöckchen, klingelingeling – sie gehören zu Weihnachten wie Christbaum und Lichterglanz: Glocken. Die RHEINPFALZ-Lokalredaktion hat sich in und um Frankenthal auf die Suche nach ihnen begeben. Und ganz viele spannende Exemplare entdeckt.

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