Frankenthal
Virtuos und ausdrucksstark: Singer-Songwriter Alex Auer im Frankenthaler Gleis 4
Mit Stücken aus seinem ersten Soloalbum „Much Better“, originellen Cover-Versionen von Xavier Naidoo bis Louis Armstrong und zwei brandneuen Songs begeisterte Alex Auer, Gitarrist und Singer-Songwriter aus Heidelberg, beim Wohnzimmerkonzert am Freitagabend im Frankenthaler Kulturzentrum Gleis 4.
Ein Wohnzimmerkonzert in familiärer Clubatmosphäre erlebten rund 60 Besucher, darunter etliche Fans von Auers Band Lava und von Xavier Naidoo, in dessen Live-Band Gitarrist Auer seit 2001 nach eigener Aussage „für den Dreck“ (sprich: das Rockige) zuständig ist.
Im Mittelpunkt des dreistündigen Solo-Gigs standen die Songs seines Debüt-Albums „Much Better“, das er mit Begleitband unter dem Namen Alex Auer & The Detroit Blackbirds Anfang dieses Jahres im eigenen Label herausgebracht hat. Die elf Stücke sind stilistisch breit aufgestellt zwischen Rock, Pop, Funk und Soul. Jeder Song transportiert eine andere Stimmung, und so wechselte Auer ständig zwischen drei Gitarren, Dur und Moll.
Dem eingängigen „Lucky Ones“, einer eher kommerziell orientierten Nummer, stand „To My Surprise“ gegenüber, einem „esoterischen Ausflugslied“ über Auers Entdeckung der fernöstlichen Entspannungsmethode Qi Gong auf einer kalifornischen Pferdefarm. Qi Gong habe, so Auer, auch Pate gestanden bei der Gründung seines eigenen Plattenlabels Sunny-Qi-Records.
Songs von atmosphärischer Dichte
„Much Better“, der Titelsong des Albums, ist eine Partynummer, die auch in der akustischen Soloversion rockig daherkam. Einige Songs bestachen durch nachdenkliche Texte, etwa „Changes“, ein Stück übers Loslassen und die Angst vor Veränderung. Oder der Song „If You Had Something To Say“, der als lyrische Ballade die Atmosphäre nach einer verpatzten Partynacht beschreibt. Melancholie und Optimismus: die meisten Songs auf „Much Better“ faszinieren durch atmosphärische Dichte und eine positive Wendung. Besonders gefallen „Smoke“ und „Private Jailbreak“, für die der Frankenthaler Songwriter Klaus Kummer Texte mit philosophischem Tiefgang geliefert hat.
Musikalisch zeigte sich Auer beim Konzert als ein impulsiv spielender, virtuoser Fingerkünstler, der seinen Gitarren knackige Grooves, raffinierte Akkorde und komplexe Läufe entlockte und dabei bewies, dass auch Akustik-Versionen ohne Starkstrom Rockpotenzial entfalten können. Nicht minder ausdrucksstark war Auers Stimme, die er vielfältig und variantenreich einsetzte: Den Xavier-Naidoo-Hit „Sie sieht mich einfach nicht“ interpretierte er mit dessen typischem Timbre, er traf den Led-Zeppelin-Sound ebenso wie den der Beatles oder eines Leonard Cohen, und als „Alex Armstrong“ interpretierte er „Somewhere Over The Rainbow“ in bester Satchmo-Manier und ließ per Mund-Perkussion die Louis-Armstrong-Trompete tönen.
Premiere für extensive Akustiv-Version
Zwischen den Songs bewies Alex Auer Entertainment-Qualitäten und selbstironischen Charme. Er erzählte von musikalischen Träumen („einmal auf dem Colorado Red Rocks Festival spielen“) und der Realität eines bevorstehenden Ein-Uhr-Gigs auf dem diesjährigen Finkenbach-Festival. Er warb für seinen Youtube-Kanal und präsentierte stolz die aufwendig produzierte Vinyl-Version seines Debütalbums.
Eine Premiere zu später Stunde gab Auer mit einer extensiven Akustik-Version von „Kickstart“, einem Rocktitel seiner früheren Band Lava über die Hamburger Kiezgröße „Kalle“ Karl-Heinz Schwensen. Zwei allerneueste Songs rundeten das Konzert ab: „Lately“, ein intensives Stück über Alkoholsucht, und der auf vier Akkorden basierende Folk-Song „Fool For A Lifetime“. Beide sollen, berichtete Auer, auf einem projektierten Akustik-Album aufgenommen werden.