Ludwigshafen RHEINPFALZ Plus Artikel Viel Gefühl und starker Ausdruck: Ukrainisches Staatsorchester und Raphaela Gromes bei BASF-Sinfoniekonzert

Viel Beifall für Raphaela Gromes, Wolodymyr Sirenko und das Orchester aus der Ukraine.
Viel Beifall für Raphaela Gromes, Wolodymyr Sirenko und das Orchester aus der Ukraine.

Es war ein sehr animierender und angenehmer Abend vor einem ernsten Hintergrund: das Konzert des Staatlichen Sinfonieorchesters der Ukraine im voll besetzten BASF-Feierabendhaus. Solistin war die gefeierte junge Cellistin Raphaela Gromes, die mit dem Orchester hier ihre großer Europa-Tournee begann.

Vor nicht ganz einem Jahr hat sie mit dem ukrainischen Staatsorchester in Kiew ein Konzert gegeben und eine im September erschienene CD aufgenommen, die neben ukrainischer Musik das Cellokonzert von Antonin Dvorak bringt. Dieses wohl berühmteste aller Cellokonzerte erklang nun auch in Ludwigshafen.

Dazu gab es eine Ouvertüre von Dmitry Bortniansky und die beliebte Dvorak-Sinfonie „Aus der Neuen Welt“. Und da alle Werke sehr lebendig und bewegend musiziert wurden, war es in dieser Hinsicht ein Freude machendes Konzert. Aber selbstverständlich musste man beständig daran denken, dass hier Musikerinnen und Musiker aus einem vom Krieg schwer gebeutelten Land spielten, die von dieser furchtbaren Erfahrung betroffen sind. Nicht umsonst gab es nach dem Dvorak-Konzert auch ein vertontes Gebet der ukrainischen Komponistin Hanna Havrylets.

Überzeugender Zugang

Die in München geborene Cellistin Raphaela Gromes ist womöglich die bekannteste deutsche Klassik-Künstlerin ihrer Generation. Jedenfalls ist ihre Präsenz in alten und neuen Medien sehr groß, wo sie immer einen sehr authentischen und ernsthaften Eindruck hinterlässt. Seit acht Jahren ist sie bei einem großen CD-Label unter Vertrag und hat schon zahlreiche Alben mit ausgesuchten Programmen veröffentlich. Die neue Dvorak-Aufnahme ist ihre erste mit einem der großen Cellokonzerte – und zu diesem ist ihr Zugang, wie in Ludwigshafen live zu erleben war, durchaus bemerkenswert und überzeugend.

Dvoraks Konzert ist, wie das so schön heißt, „dankbar“ für Solistin oder Solisten, das heißt, sie oder er kann da gehörig mit virtuosen Künsten protzen. Nun verfügt Raphaela Gromes über einen herrlichen Cello- Ton und bestechende technische Meisterschaft. Doch diese stellt sie bei Dvorak nirgends zu Schau. Statt dessen erfüllt sie ihren Part in einer sehr genauen und differenzierten Weise von innen heraus mit Ausdruck. Sie ersetzt äußere Brillanz durch innige Empfindsamkeit und Würde. Das gibt ihrem gefühlvoll erlesenen Spiel Spannung und starken Ausdruck.

„Ich bete an die Macht der Liebe“

Das klangprächtig agierende ukrainische Orchester, sicher geleitet von Wolodymyr Sirenko, begleitete Raphaela Gromes sehr souverän und glänzte nach der Pause mit einer leidenschaftlich feurigen und im Ton opulenten Wiedergabe der Neunten von Dvorak. Hochenergetisch und dramatisch war das Musizieren in den bewegten Teil, optimal das fließenden Zeitmaß im Largo.

Auch wem der Namen Dmitry Bortnianskys nichts sagen sollte, kennt sein Lied „Ich bete an die Macht der Liebe“. Der fünf Jahren vor Mozart geborene Komponist war aber auch im klassischen Stil ein Meister. Die Ouvertüre zu seiner Oper „Il Quinto Fabio“, 1778 für Modena geschrieben, die das Konzert eröffnet hatte, hätte man durchaus als Werk des jungen Mozart ansehen können. Gespielt wurde sie ausgesprochen spritzig.

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