Frankenthal Ursache klar, Abhilfe teuer

Technisch könnte das Kreischen vermieden werden – der Bahn ist jedoch jede Lösung zu teuer.
Technisch könnte das Kreischen vermieden werden – der Bahn ist jedoch jede Lösung zu teuer.

Hohe Lasten auf starren Achsen sorgen fürs Kreischen und Quietschen der neuen Lint-Züge in engen Gleisbögen. Die Analyse des Experten ist ein erster Schritt bei der Zuglärmbekämpfung. Aber: Der Weg wird kein leichter sein.

Grünstadt

wird wohl noch einige Zeit mit dem Quietschen der Lint-Züge im Bahnhofs-Umfeld leben müssen. Das hat ein Treffen zum Thema Zuglärm klar gemacht, das der Grünstadter Bürgermeister Klaus Wagner (CDU) mit Vertretern der Stadt und DB Regio, deren Technikern sowie Zuglärmgegnern aus Grünstadt und Freinsheim initiiert hat. Teilgenommen hat auch der ausgewiesene Sachverständige für Schienenverkehr, Professor Markus Hecht von der Technischen Universität Berlin. Hecht hat die Nachteile der seit Anfang 2016 eingesetzten Lint-Zugreihe offen dargelegt. Damit hat die DB Regio in der Diskussion um den Zuglärm nun offiziell die Existenz des im Bahn-Jargon genannten „Phänomens Kurvenquietschen“ anerkannt. Unabhängig von technischen Details hat Hecht den eigentlichen Knackpunkt für die Zuglärm-Misere nicht explizit angesprochen: Um die von der Bahn geforderten Produktionskosten einzusparen, hat der Zughersteller Alstom Technik zurückgefahren, die neuen Modelle wurden lauter. Entscheidend für die Bahn war nur, dass die Fahrzeuge die EU-weit geltenden Grenzwerte erfüllen. Beim Lärm sind laut Hecht zwei Aspekte zu beachten: „Kurvenkreischen und Bremsenquietschen“. Beim Bremsenlärm könnte ein Sinterbelag Abhilfe schaffen. Das „Phänomen Kurvenkreischen“ resultiert aus der Unfähigkeit der neuen Lintzüge, enge Gleisbögen bei Trockenheit so zu durchfahren, dass nicht Metall auf Metall reibt. Denn die Räder auf der gemeinsamen Achse legen auf der Innen- und Außenseite des Kurvenbogens unterschiedliche Wege zurück. Da die beiden Räder über eine Achse starr (ohne teurere Gelenke) verbunden sind, kann nur ein Rad der Achse optimal über das Gleis abrollen, das andere „verkantet“. Zudem wird die metallische Reibung durch ein Mehr an Gewicht noch verstärkt. Was tun? Kein Thema für die Bahn sind der Austausch der Züge, das Ausweiten der Gleisbögen sowie die Schienendampfung und Spurkranzschmierung. Auch langsamer fahren bringt nichts. Bleiben das Schmieren der Schienen und Dämpfen der Räder. Doch das ist der Bahn zu teuer, es sei denn, die Kommune beteiligt sich: Eine Laufflächenschmierung kostet pro Gleis mindestens 240.000 Euro plus jährlich etwa 10.000 Euro Unterhaltskosten. Weil das Problem nicht auf die Bahnhöfe Grünstadt und Freinsheim reduziert ist, will die Bahn durch Kostenübernahme keinen Präzedenzfall schaffen.

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