Frankenthal
Umfrage zur OB-Wahl: Stadt steuert auf Stechen zu
So weit lehnt sich Werner Dieing, Vorstand des Mannheimer CMR-Instituts, dann doch aus dem Fenster: Sowohl der Grüne Immanuel Pustlauck (37) als auch der amtierende OB Martin Hebich, der als parteiloser Einzelkandidat auf dem Stimmzettel steht, um Versorgungsansprüche zu sichern, werden mit dem Ausgang der Oberbürgermeisterwahl nicht allzu viel zu tun haben. Unter denjenigen der vergangene Woche von CMR befragten 500 Frankenthaler, die am 25. Juni zur Wahl gehen möchten, liegen Hebich mit sieben und Pustlauck mit zwei Prozent Zustimmung abgeschlagen auf den Plätzen vier und fünf.
Und noch eine Aussage traut sich Politikwissenschaftler Dieing mit Blick auf die vom 22. bis 26. Mai erhobenen Zahlen ziemlich sicher zu: Mit der Wahl in dreieinhalb Wochen ist das Rennen um den Posten des Frankenthaler Stadtoberhaupts, dessen Amtszeit dann am 1. Januar 2024 beginnt, noch nicht entschieden. Er rechnet ziemlich fest mit einer Stichwahl zwischen den zwei Erstplatzierten am 9. Juli. Darauf deutet der zum jetzigen Zeitpunkt mit 35 Prozent immer noch hohe Anteil derjenigen hin, die noch nicht wissen, wem sie letztlich ihre Stimme geben werden.
Knöppel knapp vorne
Auf den vorderen drei Rängen ist nach Einschätzung des CMR-Vorstands alles drin. Derzeit in der Gunst der befragten Wahlberechtigten leicht in Front ist Bernd Knöppel (53), den die Kandidatur seines Parteifreunds Hebich ein paar Punkte kosten dürfte. Der CDU-Mann – seit 2016 erst Beigeordneter, ab 2019 dann Bürgermeister – kommt auf 21 Prozent. Hartnäckigster Herausforderer ist gemäß dem Stimmungsbild, das die Umfrage im RHEINPFALZ-Auftrag liefert, der FWG-Bewerber Nicolas Meyer (42), der 18 Prozent für sich verbuchen kann. Auf Platz drei aus Sicht der Befragten: die einzige Frau im Rennen. SPD-Kandidatin Aylin Höppner (56) sammelt 16 Prozent Zustimmung.
Die Abstände zwischen den drei Erstplatzierten sind, so die Erfahrung von Institutschef Dieing nicht so groß, dass Knöppel und Meyer für eine mögliche Stichwahl schon automatisch gesetzt seien. Wenn Höppner in der verbleibenden Zeit bis zum 25. Juni mit Schwung um Stimmen werbe, sei die SPD-Fraktionssprecherin im Stadtrat durchaus in der Lage, den Rückstand aufzuholen. „Da kann noch einiges passieren“, formuliert es Werner Dieing. Aus dem Kreis der Unentschlossenen könne das Spitzentrio bestimmt noch Wähler für sich mobilisieren. „Alles in allem eine spannende Geschichte“, bewertet der CMR-Chef das Umfrageresultat.
Hebich am bekanntesten
Interessant ist der Blick auf die Bekanntheit der fünf Kandidaten beim Wahlvolk: Den höchsten Wert hat aufgrund seiner exponierten Position in den zurückliegenden siebeneinhalb Jahren als OB und seine Zeit als Bürgermeister davor natürlich Martin Hebich mit 80 Prozent. Die Nummer zwei ist – getragen vermutlich von einer Art Amtsbonus – Bernd Knöppel mit 75 Prozent. Weil auch Aylin Höppner schon länger in der Kommunalpolitik mitmischt und seit 2019 die SPD-Fraktion führt, kennen sie 67 Prozent der Befragten. Die „Newcomer“ können in dieser Hinsicht noch nachlegen: Nicolas Meyer ist 51 Prozent der Interviewten ein Begriff, bei Immanuel Pustlauck sind es 44 Prozent. Lediglich sechs Prozent aller 500 Umfrageteilnehmer geben an, keinen der Bewerber zu kennen.
Für Werner Dieing ist mit Blick auf diese Zahlen vor allen Dingen ein Phänomen auffällig: dass FWG-Mann Meyer trotz seines geringeren Bekanntheitsgrads in der Stichprobe auf Platz zwei landet. Aus seiner Erfahrung bei Direktwahlen andernorts hätten es Vertreter von Freien Wählergruppen in einer solchen Konstellation sonst eher schwer. Dass dem amtierenden OB trotz der Erklärung Hebichs, eigentlich keine zweite Amtszeit anstreben zu wollen, sieben Prozent der zur Wahl Entschlossenen ihre Stimme geben würden, dürfte wiederum im CDU-Lager für Verdruss sorgen.
Frauen im Fokus
Im Blick behalten sollten die Wahlkämpfer übrigens eine Zielgruppe: die Frauen. Während 29 Prozent der Männer, die wählen gehen wollen, noch überlegen, wer ihre Stimme bekommt, ist dieser Anteil bei den Damen mit 41 Prozent deutlich höher. Mit Blick aufs Alter der Befragten wird deutlich: Überzeugen müssen die Bewerber auch eher die Jüngeren zwischen 18 und 59 als die älteren Wähler jenseits der 60.
Zur Sache: Die Methode
Für die Umfrage zur Oberbürgermeisterwahl in Frankenthal hat das Mannheimer Meinungsforschungsinstitut CMR vom 22. bis 26. Mai telefonisch 500 Personen im Alter ab 18 Jahren befragt, die in der Stadt bei der OB-Wahl am 25. Juni wahlberechtigt sind. Erhoben wurde eine repräsentative Stichprobe. Bei den angerufenen Haushalten kam das „Last-Birthday-Verfahren“ zum Einsatz. Befragt wurde also das Mitglied des Haushaltes, das wahlberechtigt ist und zuletzt Geburtstag hatte. Angerufen wurden nur Festnetznummern, da Mobilfunknummern nicht lokal verortet sind. Die jüngeren Wähler seien so etwas unterrepräsentiert. Die Daten wurden daher anhand aktueller Zahlen des Statistischen Landesamts in Bad Ems unter anderem nach Alter und Geschlecht gewichtet.