FRANKENTHAL
Tonus Sportsclub: Zwangspause zum Jubiläum
Mit 16 Jahren entdeckte Günter Dreher seine Liebe zum Fitnesssport. Doch schon als Kind war der Gerolsheimer eine Sportskanone im elterlichen Garten auf der Wippe, am Reck und Drahtseil, später im Frankenthaler Judo-Club. Als Jugendlicher brachte er sich das Skateboard-Surfen auf Parkplätzen selber bei. Seine erste Hantel bekam Dreher 1982: „Gewicht 30,3 Kilo, die hatte mein Vater aus Betonscheiben eigenhändig gegossen“. Das Urgerät hat noch heute seinen Ehrenplatz auf der rund 2000 Quadratmeter großen Studiofläche in der Beindersheimer Straße.
Als Fitnessunternehmer selbstständig gemacht hat sich Günter Dreher mit 29 Jahren. Zuerst war er im mobilen Einsatz in Firmen und Banken als Sportberater und Personal Trainer und als Dozent an einer Schule für Physiotherapie und Trainingslehre. Sein erstes eigenes Studio konnte er am 1. März 1995 in einem ehemaligen Teppichlager im Schießgartenweg eröffnen – mit „null Kapital“, einer Bankbürgschaft seiner Tante und dank der Mithilfe von Freunden, die den Umbau auf 400 Quadratmetern in dreieinhalb Monaten bewältigten.
Frankenthal als Glücksfall
Eigentlich wollte Dreher nach Grünstadt, doch der Mietvertrag dort war kurzfristig geplatzt. In Frankenthal gelandet zu sein, sieht der Gerolsheimer heute als Glücksfall: „Hier ist viel mehr Potenzial.“ Einen ersten Umzug gab es nach fünf Jahren, 1999, in den Meergartenweg (ehemaliges Gelände Hotel Zum Kurfürsten) auf 750 Quadratmeter Fläche. Ein angrenzendes Beach-Volleyballgelände wurde von der Stadt gepachtet, und Tonus veranstaltete Aquafitnesskurse im Strandbad.
Einer von Drehers privaten Fitnessklienten war Ray Carrell, damaliger Geschäftsführer des Maschinenbauers KK&K. Der Texaner habe ihn auf die Idee gebracht umzusiedeln und vermittelte den Verkauf des ehemaligen Betriebssportgeländes. Am 31. Juli 2004 wurde der Tonus Sportsclub GmbH am heutigen Standort eröffnet. Das war dann ein Vier-Millionen-Projekt mit rund 50.000 Euro jährlicher Investition allein für Geräte. Auf 4500 Quadratmetern befinden sich neben Fitness- und Kursräumen zwei Saunabereiche, ein Beach-Volleyballfeld und ein Außentrainingsbereich.
Etwa 1900 Mitglieder
Einen bereits bestehenden Fitnessclub für Damen (ehemals „Fit-4-Her“) übernahm Dreher 2010 zunächst in der Mörscher Straße, doch das Arbeiten an zwei Standorten erwies sich mit der Zeit nicht als zielführend. 2015 wurden die Damen als eigene Tonus Female Sports GmbH ins Stammhaus integriert. Aufgrund des seit 2018 anhaltenden Trends zu Kombimitgliedschaften wurde der Frauenclub im Januar aufgelöst. Die Damensauna blieb bestehen.
Tonus (lateinisch) bedeutet „Grundspannung“ im Muskel. Das Studio hat zurzeit etwa 1900 Mitglieder im Einzugsbereich von rund 20 Kilometern, 40 Prozent Männer, 60 Prozent Frauen. „Wir sind kein Bodybuildingstudio, wir vertreten den Gesundheits- und Leistungssport“, stellt der studierte Sportwissenschaftler klar. Das Klientel reiche vom Herz- und Reha-Sportler bis in die Szene der Profiboxer.
Männer trainieren individualistisch
Trainiert werden kann, wenn der Betrieb wieder läuft, an 46 digitalen Cardio-Geräten der neuesten Generation und – anders als beim Bodybuilding – nach dem Triple-F-Prinzip (Form follows Function) im dreidimensionalen Alltagsbereich mit Kleingeräten wie Hanteln und Kabelzügen. Männer trainierten eher individualistisch, Frau lieber in Gesellschaft, weiß Dreher. 46 Kursstunden finden pro Woche statt. Zehn Mitarbeiter, neun Trainer und rund 20 freiberufliche Kursleiter gehören zum Team.
„Bewegung ist die Seele aller Dinge“, der Spruch von Paul Klee prangt im Eingangsbereich des Studios, denn der Mensch sei ein Bewegungswesen und auch der Gesundheits- und Fitnesssektor sei ständig in Bewegung. So boome seit einigen Jahren der Sektor Krankengymnastik, und 2012 wurde ein eigener Bereich für Physiotherapie mit Praxis und Kassenzulassung, das „Tonus Physio Centrum“ angebaut. Es soll im Laufe des Jahres auf 130 Quadratmeter erweitert werden.
Neue Weltrekord-Ideen
Für die nahe Zukunft hat Günter Dreher einige Projekte geplant, träumt vom Kitesurfen mit Lenkdrachen und möchte irgendwann mal im Zirkus aufs Trapez und neue Weltrekord-Ideen in seiner Lieblingsdisziplin Klimmzüge verwirklichen, am liebsten live in der ZDF-Show „Fernsehgarten“. Und nach dem Motto „Back to the Roots“ (zurück zu den Wurzeln) möchte Dreher seine alte Liebe zu Saltos und Menschenpyramiden wieder aufgreifen und liebäugelt mit der Gründung einer Turn- und Akrobatikgruppe.
Die aktuelle Krise bedeutet auch für das Sportstudio eine Herausforderung. Auf ein Videostatement in den sozialen Medien erlebe er gerade große Solidarität und viel Unterstützung aus den Reihen der Mitglieder, betont Günter Dreher. Man prüfe jetzt verschiedene Möglichkeiten zur neuen Gestaltung von Beiträgen und Verträgen. Die Mitarbeiter erhielten ihr volles Gehalt und würden nun intern geschult. Im geschlossenen Studio werden Reparaturarbeiten an Geräten durchgeführt.
Den Kontakt zu den Mitgliedern halte man über einen eigenen Youtube-Kanal, auf dem Beiträge zu fachlichen Themen wie Trainingslehre und Ernährung zu sehen sind.