Frankenthal
Tierärztin: Viele wissen nicht, welches Haustier zu ihnen passt
Sollte man sich ein Haustier, egal ob Hund, Katze oder Hamster, aus Ihrer Sicht lieber beim Züchter kaufen oder vom Tierheim adoptieren?
Sowohl Tierheime als auch Züchter sollten seriös sein. Ob das so ist, ist nicht immer leicht erkennbar. Ein Anhaltspunkt ist beispielsweise die Zusammenarbeit von Tierheimen mit Tierärztinnen und Tierärzten, so dass sichergestellt ist, dass die Tiere alle wichtigen Impfungen erhalten und regelmäßig auf Erkrankungen hin untersucht werden. Von Züchtern sollte man sich die Originalimpfpässe und EU-Ausweise vorlegen lassen.
Worauf muss man außerdem bei der Besichtigung achten?
Vorsicht bei Züchtern, die mehr als zwei Rassen züchten! Bei der Besichtigung sollte sich das Muttertier in der Nähe befinden. Man sollte sich das Fell anschauen und auf die Charakterzüge der Jungtiere achten. Sie sollten aufmerksam und neugierig sein, nicht zurückhaltend. Auch eine dreckige Umgebung mit Kot könnte ein Hinweis auf eine schlechte Haltung sein.
Was ist für Sie eine artgerechte Tierhaltung?
Wichtig sind soziale Kontakte, genügend Auslauf sowie eine konsequente Erziehung und Pflege. Bei Hunden sollte man sich vor der Anschaffung genau über die jeweiligen Rassen informieren, da die Haltung variieren kann. Eine Freigänger-Katze darf allein gehalten werden, während Wohnungskatzen mindestens zu zweit sein sollten. Nagetieren sollte man einen großen Auslauf im Garten mit vielen Versteckmöglichkeiten bieten.
Hatten Sie das Gefühl, dass sich Menschen in der Corona-Pandemie häufiger ein Haustier zugelegt haben?
Ja, die Nachfrage nach Haustieren während der Pandemie ist erheblich gestiegen. Für viele Halter ist es das erste Haustier, insofern fehlt in der Regel die Erfahrung. In Gesprächen bemerke ich leider immer wieder, dass zu wenig darauf geachtet wird, welches Haustier zu einem passt. So wird beispielsweise nicht bedacht, ob man für größere Hunde die richtigen Wohnvoraussetzungen hat oder der ausreichende Auslauf gewährleistet ist. Oftmals wird auch schlicht nicht durchdacht, was aus dem Haustier werden soll, wenn das Homeoffice endet. Ich hoffe sehr, dass das nicht zu einer Aussetzungswelle führen wird. Interview: Jessica Cichy
