Frankenthal Taumelnde Zwerge

Placeholder-Image

Tanz soll bei den Nibelungen-Festspielen Worms in diesem Jahr eine zentrale Rolle spielen. Mit Ted Stoffer hat man dafür einen international gefragten Choreographen gewonnen. Einen ersten Einblick in die ansonsten streng geheimen Proben gab es am Samstag in der Wormser Kulturnacht.

Nora, Jesús, Ian, Sayaka, Chen-Wei, Jason, Louise und Gil Ho heißen die Tänzer, sie kommen aus aller Welt und zeigen nun im Foyer des Wormser Theaters, was die Festspielbesucher ab 31. Juli vorm Dom erwartet. Schnell wird klar, warum Intendant Nico Hofmann und Regisseur Thomas Schadt so stolz auf das Engagement von Stoffer sind. Tatsächlich ist er einer der gefragtesten Tänzer, unterrichtet an allen renommierten Häusern Europas und hat unter anderem schon mit Koryphäe Sasha Waltz getanzt. Ted Stoffer erzählt in gutem Deutsch, wie er aus Amerika vor 25 Jahren nach Europa gekommen ist. Thomas Schadt habe ihn an die Akademie für Darstellende Kunst in Ludwigsburg gebracht. Probensprache mit dem internationalen Tänzerteam ist Englisch, das kommt auch Stoffer im Verlauf dieses Abends flüssiger über die Lippen, während er das Bühnenbild erläutert. Dazu zeichnet der Choreograph zwei Türme in die Luft, die „War-Tower“, Kriegstürme von Bühnenbildner Aleksandar Denic. „Wir müssen mit wenig Raum arbeiten“, erklärt Stoffer wie man in den Bauten tanzt. Dann drückt er die Play-Taste, und es breitet sich eine sphärische Musik im Theaterfoyer aus. Gezeigt wird das, was die Tänzer im Moment noch mit dem Arbeitstitel „Dance Number Two“ benennen. Die Truppe macht für die Besucher der Kulturnacht ein „Walkie Talkie“, wie es Ted Stoffer nennt, Bedeutung: „We walk through it, we talk about the problems“; man könnte auch ganz altbacken sagen: einen Durchlauf mit anschließender Manöverkritik. „We are ready? We go!“, weist Stoffer seine in der Hitze zerfließenden und ordentlich schwitzenden Tänzer auf den Start hin. Zwei von ihnen sind ein wenig lädiert von den harten Proben der letzten Tage: Jesús hat sich am Rücken verletzt, auch Ian hatte einen kleinen Unfall. Petra Simon, Leiterin des Künstlerischen Betriebsbüros, ist es, die ein wachsames Augen darauf hat, dass bei den Proben keine allzu großen Verletzungen entstehen – auch mit Blick auf die rechtlichen und versicherungstechnischen Bestimmungen. Ein Tanz, der gezeigt wird, ist eine Art Zeitlupe betrunkener Zwerge (hier geht es um das Aufeinandertreffen Siegfrieds und des Zwergs Alberich), in einem anderen Tanz kämpft Siegfried mit einer Art Laser-Schwert mit beeindruckenden Bewegungen gegen die anderen sieben Tänzer, die eine kriegerische Menge symbolisieren. Beides ist so bildhaft, dass sich die Handlung direkt erschließt. Ted Stoffers kritischem Blick entgeht nichts und sein Gehirn vergisst nichts: Der Choreograph steht in der Mitte des Publikums, verändert oft seinen Blickwinkel, schreibt sich nichts auf. Er gibt konkrete Anweisungen an seine Tänzer und resümiert: „It was much, much, much, much better“. Lob also für sein Ensemble, von denen die meisten vorher die Nibelungensage nicht kannten; nur einer habe da etwas aufgeschnappt in Quentin Tarantinos Kinofilm „Django Unchained“. Für die nächsten Tage steht deshalb ein Besuch im Nibelungenmuseum an, versprechen Jesús und seine Mittänzer.

x