Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Tatort Kloster: Theaterkreis studiert Krimikomödie „Guns’n’Nuns“ ein

So gottesfürchtig, wie sich die Nonnen Ehrentrudis (links, Gabi Schäfer) und Honorina (Heiderose Henker) geben, sind sie nur man
So gottesfürchtig, wie sich die Nonnen Ehrentrudis (links, Gabi Schäfer) und Honorina (Heiderose Henker) geben, sind sie nur manchmal.

Alexandra Colaric schaut gern Tatort-Folgen. Wie praktisch: Jetzt führt sie Regie für eine Krimikomödie im Theaterkreis Bobenheim-Roxheim: „Guns’n’Nuns“. Auch praktisch: Den passenden Soundeffekt liefern die Glockenschläge der benachbarten Sankt Laurentius-Kirche.

Für das Stück der Bobenheim-Roxheimer Theaterfreunde „Guns’n’Nuns“ hat die katholische Gemeinde kurzerhand ihre Kirche geplündert: Heiligenfigur und Betbank sind umgezogen auf die Bühne vom Hoftheater Hasch-Masch. Ein Kirchenfenster konnte die Gemeinde freilich nicht verleihen. Das hat Bühnenbauer Fabian Schalk extra für das Theaterstück geschreinert. Die Kutten für die fünf Nonnen stöberte Kostümbildnerin Elisabeth Feise im Theaterfundus auf. Doch die weißen Tunikas musste sie im Fachgeschäft für Kirchenbedarf dazukaufen.

Das nahezu identische Bühnenbild gab es bereits vor drei Jahren. Die Komödie von Kai Hinkelmann musste nach drei Aufführungen gestoppt werden – wegen des ersten Corona-Lockdowns. So gesehen ist „Guns’n’Nuns“ eine Wiederaufnahme. Streng genommen ist es eine andere Inszenierung, da ein Großteil der Darsteller gewechselt hat. Und das Zepter als Regisseurin schwingt nun Colaric, die in der Inszenierung von 2020 die Rolle der Schwester Dominata innehatte.

Die Regiearbeit ist für Colaric, die seit über 20 Jahren im Theaterkreis spielt, Neuland. Es sei eine tolle Erfahrung, die Schauspielerei aus einem anderen Blickwinkel zu erleben, sagt die 48-Jährige, die im bürgerlichen Leben Krankenschwester ist. Und mit Co-Regisseurin Sabrina Korff hat sie eine erfahrene Mitstreiterin an ihrer Seite.

Originelle Musik

Die originellen Musikeinspielungen sind ein Einfall Colarics. Wie das Intro vom Tatort, den sie daheim in Osthofen jeden Sonntag hört. „Musik im Theater transportiert nicht nur die Emotionen zum Publikum. Sie hilft auch den Schauspielern, in ihre Rollen zu schlüpfen“, so die Erfahrung von Colaric, die das Stück seit Oktober einstudiert.

Da das Stück in einem Nonnenkloster spielt, muss die Frauenquote hoch sein. Das ist kein Problem, angesichts des aktuell deutlichen Überhangs an Darstellerinnen im Theaterkreis. Ebenfalls unproblematisch ist, dass bei der heutigen Probe vier der zehn Mimen fehlen. Das ist Normalfall für ein Amateurtheater, dessen Mitglieder beruflich und familiär eingespannt sind. In diesem Fall wird die fehlende Person ersetzt, indem ihre Rolle eingelesen wird.

Vom Gangster zum Inspektor

Heute muss Tanja Fischer in doppelter Funktion als Einleserin fungieren: Die junge Frau, die als Zweitbesetzung für Ordensschwester Amabilis vorgesehen ist, liest die Texte von Inspektor Babo und vom Gangster Leo. Da beide Figuren in derselben Szene vorkommen, schlüpft Fischer sekundenschnell mal in die Rolle des Gesetzeshüters, mal in die Figur des Verbrechers – eine Konzentrationsleistung. Denn Fischer spielt zugleich ansatzweise deren Part, damit sich die Gegenspieler in die Dialoge hineinversetzen können.

Verheddern in Ordenstracht

Eine körperliche Leistung hingegen muss Heiderose Henker als Schwester Honorina hinlegen. Henker misst gerade mal 1,50 Meter. Bei der Treppe zur Bühne ist die letzte Stufe zu hoch, die Darstellerin klettert daher über eine Bockleiter hoch und verfängt sich dabei in den Falten der Ordenstracht. Jacqueline Carstensen wiederum muss erst mit dem Nonnenschleier klarkommen, unter dem sie ihre langen Haare kaum unterbringen kann.

Unterdessen konzentriert sich Colaric auf ihre Analyse. Die Regisseurin lässt das Ensemble mehrere Szenen hintereinander durchspielen und macht sich dabei Notizen. Nur gelegentlich mischt sie sich ein und navigiert die Mimen in eine optimale Position. Ihre Kritik äußert Colaric erst zum Schluss der Probe. Ihr Fazit, Frau Colaric? „Heute habe ich auf meinem Notizzettel, welche Schuhe die Nonnen tragen sollen. An der Mimik müssen wir noch feilen. Und an der Abstimmung des Timings während der Positionswechsel“, bilanziert sie. Um das alles aufführungsreif hinzubekommen, haben die Theaterlaien noch wenige Tage Zeit.

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