Frankenthal Tankstellenraub: Lange Haft droht

Wegen des Vorwurfs des schweren Raubs müssen sich seit gestern zwei 21-Jährige vor dem Landgericht in Frankenthal verantworten. Ihnen wird zur Last gelegt, am Jahresende 2017 neun Tankstellen überfallen zu haben. Bei einer Verurteilung droht eine Haftstrafe zwischen fünf und 15 Jahren.
Die Überfälle auf Tankstellen in der Vorderpfalz verliefen nach einem ähnlichen Muster: Jedes Mal betrat ein dunkel gekleideter und maskierter Mann den Verkaufsraum, bedrohte die Angestellten mit einer Schusswaffe und forderte Geld. Danach flüchtete er zu Fuß. Im Dezember war die Polizei den Tätern auf der Spur und konnte sie dann auch festnehmen. Beim gestrigen Prozessbeginn wurde nur die Verhandlung gegen den jungen Mann aus Mutterstadt eröffnet. Das Verfahren gegen den zweiten 21-jährigen Tatverdächtigen sei wegen eines laufenden Gutachtens zur strafrechtlichen Verantwortlichkeit abgetrennt worden, teilte Uwe Gau, Vorsitzender Richter am Landgericht, mit. In ihrer Anklage legt die Staatsanwaltschaft den Männern zur Last, ab November in Dannstadt-Schauernheim, Ludwigshafen, Speyer, Neustadt, Frankenthal, Worms und andernorts Tankstellen überfallen zu haben. In Schwetzingen sollen sie zudem einen Supermarkt ausgeraubt haben. Zur Drohung gegenüber den Tankstellen-Mitarbeitern wurden ein Messer sowie eine echt aussehende, jedoch ungeladene Schreckschuss- oder Softairwaffe eingesetzt. Die Beute beträgt 12.840 Euro. Den Anfang der Serie machte ein Überfall in Dannstadt-Schauernheim am 12. November 2017. Es folgten weitere Überfälle: unter anderem auf die Aral-Tankstelle in der Frankenthaler Mahlastraße. Am 20. Dezember gelang es den Ermittlern, einen Verdächtigen festzunehmen. Bei ihm wurden die Tatkleidung und eine Waffe gefunden. Eine Woche später stellte sich ein zweiter Mann aus Mutterstadt freiwillig der Polizei und gab seine Beteiligung zu. Beide Beschuldigten sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Zu Beginn des ersten Verhandlungstags wollte der Angeklagte zunächst keine Angaben zu den Vorwürfen machen. Allerdings gab er Auskunft über seinen bisherigen Werdegang. Der in Ludwigshafen geborene Türke lebte bis zuletzt bei seinen Eltern, die ihn noch immer unterstützen. Die Hauptschule verließ er ohne Abschluss. Es folgten Anstellungen bei zwei Sicherheits- und Bewachungsfirmen, die aber jeweils nur einige Monate dauerten. Wegen Zuspätkommens und zu vielen Krankheitstagen sei ihm gekündigt worden, berichtete der Angeklagte. Danach machte er Probejobs und Praktika. Da sei aber nichts für ihn dabei gewesen, meinte der 21-jährige. Er habe jedoch einen Arbeitsvertrag bei einer Lagerfirma und könne dort sofort anfangen, wenn er aus dem Gefängnis komme, erzählte er dem Gericht. Richter Gau zeigte sich da eher skeptisch. Auf seine Schulden angesprochen, räumte der Angeklagte eine Summe von etwa 9000 Euro bei Eltern und Freunden ein. Offenbar gab der 21-Jährige viel Geld für Drogen aus. Ein Sachverständiger soll am nächsten Verhandlungstag über seinen Drogenkonsum berichten.