Segeln
Start in die Regattasaison auf dem Silbersee bei Bobenheim-Roxheim
„Mast- und Schotbruch“ hieß es am Wochenende bei der Lionerregatta auf dem Roxheimer Silbersee – zum ersten Mal seit knapp zwei Jahren. „Viele der Teilnehmer haben beim Aufbauen gespaßt: ich weiß gar nicht mehr, wie das geht“, sagt Schiedsrichterin Heide Harig (Yacht Club Saarbrücken) amüsiert. Segeln sei aber wie Fahrradfahren, erklärt sie. Einmal gelernt, könne man es ein Leben lang.
In der Corona-Zeit gab es kein Vereinstraining im Segelsport, privat konnten die Wassersportler allerdings weiter trainieren. „Regatten sind für uns die Möglichkeit, uns in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen“, sagt Frank Knoch (Kanu- und Segel-Club Frankenthal), Wettfahrtmeister der Regatta. „Das hat wirklich gefehlt in der ganzen Zeit. Es ist einfach schön, wieder so viele Boote auf dem See zu sehen“, schwärmt auch Karl Wilhelm Linz, der Segelwart des Wassersportvereins Roxheim und Organisator der Regatta. „Besonders entspannend ist es, vor der Regatta lautlos über das Wasser zu gleiten. Das ist ein fantastisches Gefühl, gerade auf dem romantischen Silbersee“, sagt der pensionierte Lehrer.
Knoch: 517er kämpfen ums Überleben
Er belegte mit seiner Frau den dritten Platz der 517er-Klasse. Eine Klasse bezeichnet beim Segeln einen Bootstyp. Durch eine Ranglistenregatta, wie sie auch am Wochenende ausgeschrieben war, können sich Segler einer bestimmten Klasse deutschlandweit qualifizieren. Bei der Lionerregatta kam eine solche Rangliste allerdings nicht zustande, da von den zehn dafür benötigten Booten nur sechs teilnahmen.
„Die Klasse der 517er kämpft momentan um ihr Überleben, weil das Klientel schon ein bisschen in die Jahre gekommen ist“, erklärt Knoch. Vor allem der Nachwuchs sei von dieser Bootsklasse eher weniger begeistert. Kleinere und wendigere Bootsklassen stünden da höher im Kurs.
Handicap-Faktor für Ausgleicher
Um aber auch anderen Seglern die Chance zur Teilnahme zu geben, dürfen sich bei Regatten Ausgleicherboote anmelden. Das können Boote jeder Klasse sein, die anschließend separat von der ausgeschriebenen Klasse, wie hier 517er, gewertet werden. Wegen des „Handicap-Faktors“, den diese Boote aufgrund von unterschiedlicher Größe und Schnelligkeit besitzen, wird die gesegelte Zeit mithilfe der von dem deutschen Seglerverband (DSV) festgelegten Yardstickzahl zu einer vergleichbaren Zeit umgerechnet. Sogar mit geschultem Blick ist es also schwer, beim bloßen Zuschauen bereits den Sieger der Ausgleicherboote auszumachen.
Die Lionerregatta, der Start der Regattasaison auf dem Silbersee, war auf zwei Tage angelegt. Die Strecke bestand wie gewohnt aus einem Dreieck und einer anschließenden Schleife um zwei Bojen. Pro Durchlauf können unterschiedlich viele Runden gefahren werden, das wird vom Wettfahrtleiter, in diesem Fall Frank Knoch, abhängig von den Wetterbedingungen bestimmt. Die 517er-Boote sind dabei immer mit einem Team aus Steuermann und Vorschoter, welcher die Befehle ausführt, besetzt.
Flaute: Nur zwei statt vier Durchgängen
Vier Durchgänge waren angepeilt. Wegen des schwachen Winds mit Stärken von 0 bis 1,5 und des drohenden Gewitters reichte es am Wochenende allerdings nur für zwei. Pro Durchgang gab es zwei Runden, wobei die zweite verkürzt, also ohne Schleife, gefahren wurde. „Genial ist Windstärke 3 bis 4, da freut sich das Seglerherz“, erklärt Elke Ries, Leiterin des Regattabüros.
Die 58-Jährige segelt bereits seit ihrem achten Lebensjahr. „Segeln ist ein Sport, der einen das ganze Leben und in allen Lebenslagen begleiten kann“, sagt sie begeistert. „Man kann auch im fortgeschrittenen Alter noch segeln, das ist das Schöne“, ergänzt Schiedsrichterin Heide Harig. Das Gute am Regattasegeln sei, dass jeder Segler das so entspannt oder sportlich auslegen könne, wie er wolle, so Harig.
Keiner fährt hungrig nach Hause
Bei den 517ern gewannen Peter Mehs und Reinhard Harig (Yacht Club Saarbrücken). Zweite wurden Heinz Dochnahl (KCF) und Roman Becker (RSC Losheim) vor Priscilla und Karl Wilhelm Linz (WSVR). Moritz Richter und Tobias Gitzhofer (WSVR) holten den Sieg bei den Ausgleichern, dicht gefolgt von Thomas Thränhardt (KCF). Den dritten Platz belegte Eberhard Niehaus (KCF).
Hungrig musste übrigens niemand nach Hause fahren. Als Erinnerungspreis gab es für alle Teilnehmer einen halben Ring Lyoner.