Frankenthal Starke Frauen in Ruanda
Am Montag zeigt das Frankenthaler Lux-Kino die Dokumentation „God is not working on Sunday!“. Der Film führt in die ostafrikanische Republik Ruanda, in der Frauen die Mehrheit im Parlament bilden - bislang ein globaler Einzelfall. Clara Andres, die aus Bobenheim-Roxheim stammt, hat den Film geschnitten und wird über ihre Arbeit und die aktuelle Entwicklung in Ruanda sprechen.
Nach dem Völkermord, der 1994 mindestens einer halben Million Menschen das Leben gekostet hat, habe es in Ruanda einen großer Umbruch gegeben, sagt Andres. Damals hatte in nur knapp 100 Tagen die Kaste der Hutu einen großen Teil der verfeindeten Tutsi massakriert. „Letztlich blieben nach diesem Genozid nur die Frauen übrig, die Männer waren entweder tot oder im Gefängnis“, erklärt die 34-Jährige. „Der Film zeigt die starke Frauenbewegung in Ruanda und überhaupt, wie das Land 20 Jahre nach dem Genozid aufgebaut ist.“ Mittlerweile gilt die Republik, die von Paul Kagame regiert wird, als eines der progressivsten Länder auf dem afrikanischen Kontinent und zeigt sich geprägt durch schnelles Wirtschaftswachstum, eine Vorreiterstellung in der IT-Branche sowie ein pulsierendes Netzwerk von Aktivistinnen, die im Kampf für Versöhnung und Gleichberechtigung neue gesellschaftliche Räume für Frauen geschaffen haben. „God is not working on Sunday!“ erzählt besonders von Godelieve und Florida, zwei Frauen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die schweren Traumata des Völkermords zu überwinden, indem sie entsprechende Angebote und Veranstaltungen, sowohl für Opfer als auch für Täter organisieren. Der Film zeigt, wie sie ihre Visionen entschlossen und selbstbewusst durch die alten patriarchalischen Strukturen tragen, wie sie für Versöhnung, für gleiche Rechte und die politische Ermächtigung der Frauen kämpfen. Dabei spielen sie eine entscheidende Rolle beim Wiederaufbau ihrer Gemeinschaften und der Förderung des sozialen Wandels. Die Regisseurin Leona Goldstein habe sechs Jahre in den Film investiert, „ich habe ihn ein Jahr lang geschnitten“, berichtet Clara Andres. „Vielleicht ist es einfach auch mal spannend zu hören, wie so ein Film im Schnitt entsteht“, sagt sie über die Fragerunde, der sie sich im Lux-Kino stellen wird. „Warum braucht man ein Jahr, um so einen Film zu schneiden?“ Als Editorin, früher sagte man Cutterin, arbeitete Andres beispielsweise an der Landraub-Doku „Das grüne Gold“, Helmut Kohls Filmbiografie „Der Mann aus der Pfalz“ oder an „Schwestern“, dem Eröffnungsfilm des Ludwigshafener Festivals des deutschen Films 2013. Mittlerweile hat sie sich vorwiegend auf Dokus spezialisiert, insbesondere solche mit politisch und gesellschaftlich relevanten Themen. Zuletzt war etwa der von ihr geschnittene Beitrag „Lösch dich“ bei funk.net zu sehen. Im Alter von sieben Jahre ist Clara Andres mit ihrer Familie nach Bobenheim-Roxheim gezogen. Sie hat in Frankenthal das Albert-Einstein-Gymnasium besucht, im Theater Alte Werkstatt gespielt und im Ballettstudio Martina Reitz getanzt. Später hat sie Sport und Bewegung studiert, eine Ausbildung für Tanzkunst absolviert und an der Filmuniversität Babelsberg Montage studiert. Im Frankenthaler Lux-Kino sei sie früher sehr oft gewesen, erinnert sich Andres. „Da habe ich Kino kennengelernt, habe es schätzen und lieben gelernt. Deshalb ist es auch so schön, dort den Film zeigen zu dürfen.“ Termin Am Montag, 27. August, 18 Uhr, in den Lux-Kinos Frankenthal.