Frankenthal
Stadtwerke Frankenthal beginnen mit dem Einbau von Smart Metern
Bereits 2017 haben die Stadtwerke in ihrem Versorgungsbereich begonnen, die alten analogen Stromzähler Zug um Zug durch neue digitale Technik zu ersetzen. Das im Herbst 2016 beschlossene Bundesgesetz zur Digitalisierung der Energiewende und das damit verbundene Messstellenbetriebsgesetz verpflichten sie dazu.
In der Stadt Frankenthal und in der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim (ausgenommen Lambsheim) gehe es um rund 32.000 Zähler, die auszutauschen sind, erklärt im Gespräch mit der RHEINPFALZ Christoph Bauer, Bereichsleiter Technik der Werke. Dazu kommen weitere 8000 Zähler aus dem Bereich der Gemeindewerke Bobenheim-Roxheim. Dort hat der Frankenthaler Versorger das Netz gepachtet und ist für die Betriebsführung zuständig.
Man sei dabei, die Zähler-Infrastruktur „Schritt für Schritt zu erneuern“, sagt Tobias Weidmann, Sachgebietsleiter für das Thema bei den Werken. Für die bisherigen Zähler „beträgt die übliche Eichzeit 16 Jahre“, erläutert Christoph Bauer. „Das Eichjahr steht jeweils drauf.“ Sei diese Zeit um, werde normalerweise gewechselt – und bei Neubauten werde ohnehin moderne Technik installiert. Pro Jahr sind nach den Unterlagen der Werke nun etwa 1000 Zähler für den Austausch „fällig“. Bis 2032, so der ursprüngliche Fahrplan des Bundes, sollten alle Haushalte digital umgerüstet sein. Den Großteil des Programms werde man bis dahin schaffen, erwartet Bauer. Der Abschluss könne wohl bis 2035 gelingen.
Zwei Grundtypen
Dabei gibt es die neue Technik in zwei Grundtypen. Die einfachere Variante, die in der Mehrzahl der Haushalte verbaut wird, nennt sich Moderne Messeinrichtung. Im Unterschied zum alten Zähler, bei dem stets nur eine Verbrauchsumme ablesbar war, können die neuen Geräte den Verbrauch zum Beispiel auch zeitlich aufgeschlüsselt darstellen. Technisch aufwendiger sind die Smart Meter konstruiert: Sie können auch Daten empfangen, und ihre Daten können aus der Ferne abgerufen werden.
Nach dem Messstellenbetriebsgesetz sollten diese neuen Smart Meter bereits ab 2017 eingeführt werden. Doch die Industrie schaffte es nicht, rechtzeitig zu liefern; auch die vorgeschriebenen Prüf-Prozeduren verzögerten sich. Erst Ende Januar 2020 gab das zuständige Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) grünes Licht – nachdem nun drei geprüfte Systeme unterschiedlicher Hersteller zur Verfügung stehen.
Zum Umstieg auf solche Smart Meter verpflichtet sind nach Angaben des Bundesamts Abnehmer mit einem Verbrauch von 6000 bis 100.000 Kilowattstunden (kWh) pro Jahr; erfahrungsgemäß betrifft das neben Großabnehmern aus der Wirtschaft nur größere Haushalte mit fünf oder mehr Personen. „Von unseren Kunden sind voraussichtlich nur etwa zehn Prozent betroffen“, schätzt Stadtwerke-Technikchef Bauer. Bei 90 Prozent werde Wechsel zur modernen Messeinrichtung den Anforderungen genügen. Allerdings: Auf freiwilliger Basis können auch Kunden, die unter der genannten Verbrauchsgrenze liegen, Smart Meter einbauen lassen.
Die mit diesen Umrüstungen verbundenen Kosten sind staatlich reguliert. Je nach Stromverbrauch dürfen dafür zwischen 23 und 130 Euro brutto pro Jahr berechnet werden. Aus Sicht der Stadtwerke sind das keine komfortablen Rahmenbedingungen – denn man habe erhebliche Vorinvestitionen zu stemmen, habe „Abrechnungs- und Informationstechnik-Systeme angepasst“, sagt Christoph Bauer.
Verbraucherzentralen kritisch
Was bringt die Umstellung den Kunden? „Ein direkter finanzieller Nutzen, der die zusätzlichen jährlichen Kosten aufwiegt, ist für Sie als Verbraucher nicht zu erwarten“, heißt es in einer Stellungnahme der Verbraucherzentralen. „Variable Tarife, bei denen der Strom etwa nachts günstiger ist und das intelligente Messsystem die Spülmaschine deshalb erst am späteren Abend aktiviert, gibt es bislang kaum.“
„Es dürfte nicht mehr lange dauern, bis die ersten brauchbaren Anwendungen da sind“, meint Christoph Bauer und nennt Stichworte wie Smart Home oder E-Mobilität. Die jetzt eingeführte Technik sei ein „Grundbaustein“ dafür, dass später dann zum Beispiel das „intelligente Laden von E-Autos“ automatisch gesteuert zur günstigsten Zeit möglich werde.
Auch für Energieversorger und Netzbetreiber sei die technische Modernisierung wichtig, sagen die Fachleute der Stadtwerke. Der stabile Betrieb von Stromnetzen sei deutlich anspruchsvoller als früher geworden – etwa, weil mehr Schwankungen bei der Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien ausgeglichen werden müssten, oder auch, weil künftig im Bereich neuer „Stromtankstellen“ kurzfristig mehr Leistung gefragt sei. Bei der Steuerung der Systeme sei die neue Technik mit ihren zusätzlichen Daten hilfreich, meint Christoph Bauer. Die Werke wollten schließlich nicht „stupide neue Kabel verbuddeln“, sondern das Netz gezielt nur dort verstärken, „wo es zwingend erforderlich ist“.
NOCH FRAGEN?
Zur Sache: Wie der Zählerwechsel abläuft
Soll ein Stromzähler erneuert werden, schreiben die Stadtwerke den betroffenen Haushalt mindestens drei Monate vorher an, sagt Tobias Weidmann, zuständiger Sachgebietsleiter bei den Werken. Mit versandt werde eine Broschüre des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, die Grundsatzinformationen zum Thema „Smart Meter und digitale Stromzähler“ bietet.
Etwa drei Wochen vor dem geplanten Montagetermin stimme man sich dann mit den Kunden ab. „Im Normalfall macht der Austausch keine besonderen Umstände“, sagt Weidmann. In Ausnahmefällen, bei älteren Bauten, könne es vorkommen, dass zuvor die elektrische Installation instandgesetzt werden müsse, ergänzt Technik-Chef Christoph Bauer. Das sei dann Sache eine fachkundigen Elektro-Installationsunternehmens.
Für Fragen steht das Kundenzentrum der Stadtwerke zur Verfügung, telefonisch unter 06233 6020 oder per E-Mail an die Adresse metering@stw-frankenthal.de.