Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtwerke: Das Netz muss intelligenter werden

Unter anderem neue Leerrohre lassen die Werke zurzeit in der nördlichen Mahlastraße verlegen.
Unter anderem neue Leerrohre lassen die Werke zurzeit in der nördlichen Mahlastraße verlegen.

Die Baustelle in der Mahlastraße ist das jüngste Beispiel: Die Stadtwerke Frankenthal nehmen viel Geld in die Hand, um ihre Netz-Infrastruktur zu modernisieren. Mitunter funken ihnen private Bauherren dazwischen: Wenn sie Leitungen unbedacht angraben, kann das nicht nur teuer, sondern auch gefährlich werden.

Strom einfach in einer Leitung von A nach B fließen lassen – das war einmal. Im Zeichen der Energiewende sei der Betrieb von Netzen zu einer deutlich anspruchsvolleren Aufgabe geworden, erklärt Christoph Bauer, Bereichsleiter Technik der Stadtwerke, im RHEINPFALZ-Gespräch. Denn es gebe immer mehr Kunden, die nicht nur Energie verbrauchten, sondern auch selbst erzeugten Strom – etwa aus der Solaranlage auf dem Dach – ins Netz einspeisten.

So liegen neben Stromleitungen nun auch Datenleitungen, die zur Kontrolle und Steuerung des Systems dienen. Steigt der Verbrauch in einer bestimmten Region ruckartig an oder sinkt die von Kunden eingespeiste Stromleistung deutlich, muss nachgesteuert werden, damit das Netz stabil bleibt. Fachleute sprechen von Lastmanagement. „Das Netz muss intelligenter werden, um Lastmanagement betreiben zu können“: So fasst Christoph Bauer diese Aufgabe zusammen.

Unter anderem darum geht es auch bei der jüngsten Baustelle im Norden der Mahlastraße. „Ausbau der Glasfaserleitungen zur Überwachung und Steuerung der Netze“ – das sei ein Teil des Bauprogramms, das hier mit einem Kostenaufwand von rund 170.000 Euro umgesetzt werde, erläutert Melanie Brünner, Sprecherin der Werke. Weitere notwendige Arbeiten würden gleich mit erledigt: Das Niederspannungsnetz werde ausgebaut – wegen einer Gebäudeerweiterung und für den Betrieb von E-Ladesäulen auf dem Jahnplatz. Zudem erneuerten die Werke Hausanschlüsse aus den 60er-Jahren und ein Mittelspannungskabel aus den 80er-Jahren.

Gespräche mit der Stadt

Soweit es nicht um akute Problemfälle geht, versuchen die Stadtwerke, ihre Tiefbauarbeiten mit den anderen Akteuren in der Stadt abzustimmen. Das gilt nicht nur für Stromleitungen, sondern für das gesamte Netz. Zweimal im Jahr gebe es darüber „Gespräche mit dem Tiefbauamt und dem EWF“, sagt Christoph Bauer. Auch mit der Telekom spreche man sich ab.

Etwa 1500 Kilometer lang ist das Stromnetz der Werke. „Wir haben um die 20.000 Netzanschlüsse“, erklärt Bereichsleiter Bauer. „68.000 Einwohner wohnen im Versorgungsgebiet.“ Dazu gehören bei der Stromversorgung neben Frankenthal die Gemeinden Bobenheim-Roxheim, Beindersheim, Heßheim, Groß- und Kleinniedesheim, Heuchelheim, Dirmstein und Gerolsheim.

Ans Netz der Pfalzwerke sind die Stadtwerke über zwei Einspeisepunkte angeschlossen: „Im Süden ist das Studernheim, im Norden das Umspannwerk Frankenthal.“ Das gibt Sicherheit. Sollte eine der beiden Anlagen ausfallen, könne die andere die Einspeisung komplett übernehmen. Den Fall gab es schon: Als vor einigen Jahren bei Ludwigshafen aufgewirbelte Ackerfolie das Netz lahmlegte, „ist auch Studernheim ausgefallen“, berichtet Bauer. In Abstimmung mit den Pfalzwerken habe man die Versorgung dann über das nördliche Umspannwerk sicherstellen können.

Im Boden verlegte Stromleitungen können jahrzehntelang genutzt werden. Die Erfahrung zeige: „40 bis 100 Jahre hält so eine Leitung“, weiß Bauer. Erst kürzlich habe man ein „Kabel von 1934 ausgegraben“, samt zeittypischer Beschriftung. Der größte Teil des aktuell genutzten Stromnetzes sei in den 70er- und 80er-Jahren verlegt worden. Der Zustand werde regelmäßig geprüft; pro Jahr würden etwa vier bis fünf Kilometer erneuert, sagt Bauer.

Hohe Sicherheit

Dass sich die „relativ hohen und konstanten Investitionen“ dafür auszahlen, sieht der Bereichsleiter Technik durch die hohe Versorgungssicherheit bestätigt: Im Gebiet der Stadtwerke Frankenthal habe es 2018 pro Anschluss und Jahr eine durchschnittliche Ausfallzeit der Stromversorgung von nur 2,5 Minuten gegeben. Der Durchschnitt im Bundesgebiet lag laut Netzagentur bei 13,91 Minuten. 2019 lag die Ausfallzeit in Frankenthal sogar bei nur 0,3 Minuten; ein Bundes-Vergleichswert liegt noch nicht vor.

Rund 380 Kilometer lang ist das Stadtwerkenetz für die Gasversorgung, rund 13.000 Netzanschlüsse gebe es, erläutert Bauer. Neben dem Hauptnetz in Frankenthal gebe es ein eigenes kleineres Teilnetz auf der Petersau und eines in Bobenheim-Roxheim.

Alarm vom Schnüffelgerät

Sicherheit werde auch hier groß geschrieben, betonen die Vertreter der Stadtwerke. „Wir begehen das Gasnetz regelmäßig“, erläutert Christoph Bauer. Ein sogenanntes Schnüffelgerät schlage Alarm, wenn es im Boden auch nur kleinste Gasspuren wahrnehme. Aufgrund solcher Hinweise habe man dieses Jahr bereits etwa ein halbes Dutzend Reparaturen vorgenommen.

Damit Kunden rechtzeitig gewarnt werden, wenn Gas im Haus austreten sollte, wird es „odoriert“. Zu Deutsch: Ein „penetranter Gestank nach faulen Eiern“ sei dann wahrnehmbar, erklärt Bauer. Kunden, die sich einen Eindruck davon verschaffen wollen, bieten die Werke kostenlose „Geruchskarten“ an: „Erst, wenn man daran reibt“, sei eine Probe dieses Gestanks wahrzunehmen, sagt Unternehmenssprecherin Melanie Brünner. Die Karten seien im Kundenzentrum zu haben, „wir senden sie auf Wunsch aber auch zu“.

Verbund mit Ludwigshafen

Konstantes „Monitoring“ stellte nach Angaben der Werke auch sicher, dass Probleme bei der Versorgung mit Nahwärme rechtzeitig auffallen würden. „Wir haben hier kein übergreifendes Netz, sondern nur Versorgungsinseln“, erklärt Matthias Schatten, Energieberater und Projektleiter Elektro-Mobilität bei den Werken. Fünf solcher Zonen gebe es; dazu komme die Belieferung der IGS Robert-Schuman-Schule und der Justizvollzugsanstalt über eine Wärmeleitung, die von den Technischen Werken Ludwigshafen (TWL) betrieben werde.

Ein Verbund mit den TWL wäre im Notfall auch bei der Wasserversorgung möglich. Zwei eigene Werke in Frankenthal-Nord und in Großniedesheim mit zusammen 13 Tiefbrunnen betreiben die Stadtwerke. Das Wassernetz umfasse 510 Kilometer Leitungen, erläutert Christoph Bauer. Es gebe (einschließlich Bobenheim-Roxheim) 17.000 Hausanschlüsse. Insgesamt etwa vier bis fünf Millionen Euro jährlich investieren die Stadtwerke nach Angaben Bauers in Erhalt, Ausbau und Modernisierung ihrer Netze.

Dass das Strom- und Gasnetz sicher funktionieren – das kontrollieren Mitarbeiter in der Netzleitwarte in der Wormser Straße. Dabei habe man die Netzknoten im Blick, erklärt Bauer. „Ziel ist es, dass Störungen relativ schnell identifiziert werden können und dann Umschaltungen stattfinden.“ Außerhalb der üblichen Betriebszeiten habe die Feuerwehr die Daten im Blick. „Die informiert dann unseren Bereitschaftsdienst, wenn es Anlass dazu gibt“, so Bauer. Diese Zusammenarbeit „funktioniert super-gut“, lobt Unternehmenssprecherin Brünner.

Erhebliche Gefahren

Noch nicht „super-gut“ ausgeprägt ist dagegen das Bewusstsein von Bürgern für mögliche Gefahren, wenn es – etwa im Zusammenhang mit Bauvorhaben – um Grabungsarbeiten geht. Denn, das geben die RHEINPFALZ-Gesprächspartner zu bedenken: Ohne ausreichende Vorinformation bestehe die Gefahr, dass die Baggerschaufel dann auf Leitungen treffe. Und zumindest bei Gas und Strom könnten sich daraus erhebliche Gefahren ergeben.

Leider komme es relativ oft zu solchen Vorfällen, stellt Technikchef Bauer fest. Alle, die solche Grabungen – auch auf Privatgelände – planen, bitten die Werke, vorab eine sogenannte Planauskunft einzuholen. Das bedeutet, es wird nachgeschaut, ob im genannten Bereich Leitungen liegen, auf die man achten muss. Dieser Service sei kostenlos, unterstreicht Bauer.

KONTAKT

Zur Sache: Elektro-Mobilität wird wichtiger

Das Interesse am Thema Elektro-Mobilität habe zuletzt deutlich zugenommen. Das ist eine Beobachtung, die Matthias Schatten, Energieberater und Projektleiter E-Mobilität der Stadtwerke Frankenthal, in den zurückliegenden Monaten der Corona-Krise gemacht hat. „Wir haben sehr viele Anfragen dazu“, so der Fachmann.

Dabei gehe es sowohl um Anfragen von Gewerbebetrieben, etwa Autohäusern, als auch von Privatleuten, die Ladestationen einrichten wollten. Die mögliche Leistungsstärke hänge dann von der Leistungsfähigkeit des Stromnetzes in der entsprechenden Gegend und den bereits daran hängenden Verbrauchern ab.

Praktisches Beispiel: Eine 22-Kilowatt-Ladestation könne dann eingerichtet werden, „wenn in der Straße nicht schon drei, vier andere Ladepunkte vorhanden sind“, erläutert Christoph Bauer, Bereichsleiter Technik der Werke. „Wir empfehlen generell elf Kilowatt“, sagt Schatten – auch wenn der Ladevorgang dann länger dauere.

„Planen mit mehr Leistung“

Das Netz der Stadtwerke auf die neuen Erwartungen einzustellen, das werde noch Zeit brauchen, erwartet Bauer. Klar sei aber: „Wir planen für Neubaugebiete jetzt anders als noch vor zehn Jahren – mit mehr Leistung“. Die Bedeutung des Geschäftsfelds E-Mobilität werde zunehmen – davon geht auch Matthias Schatten aus.

„Seit Jahren kostenlos“ bieten die Werke nach eigenen Angaben das Strom-Tanken in ihrem Parkhaus am Bahnhof und in der Tiefgarage Willy-Brandt-Anlage an. Vier weitere Ladestationen sollen im August in Betrieb gehen, kündigt Schatten an: „am Jahnplatz, am Jakobsplatz, in der Westlichen Ringstraße bei Hausnummer 34 in der Nähe des Wormser Tors und auf dem Parsevalplatz“.

An diesen Stationen werde das Laden dann gegen Bezahlung angeboten. Und wenn diese in Betrieb seien, werde auch die bisher kostenfreie Ladesäule der Gemeindewerke Bobenheim-Roxheim in der Nähe des Rathauses dort auf kostenpflichtigen Betrieb umgestellt.

In der Netzleitwarte: Christoph Bauer, Bereichsleiter Technik (links) und Matthias Schatten, Projektleiter Elektromobilität.
In der Netzleitwarte: Christoph Bauer, Bereichsleiter Technik (links) und Matthias Schatten, Projektleiter Elektromobilität.
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