Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtwerke: 1,3 Millionen Euro für neuen Trinkwasserbrunnen

Von hier aus wird das Trinkwasser ins Rohrnetz gespeist: Projektleiter Patrick Heringer (links) und Tim Gelbach am Brunnenkopf.
Von hier aus wird das Trinkwasser ins Rohrnetz gespeist: Projektleiter Patrick Heringer (links) und Tim Gelbach am Brunnenkopf.

Wer den Hahn aufdreht, bekommt in Deutschland sauberes Trinkwasser. Dafür, dass das auch in Frankenthal und Umgebung so bleibt, haben die Stadtwerke jetzt kräftig investiert. Seit Anfang April ist ein neu gebohrter Trinkwasserbrunnen in Betrieb – auch dank der Arbeit schwäbischer Fachleute.

Mit tonnenschwerem Gerät ist die Firma Abt aus dem schwäbischen Mindelheim (Landkreis Unterallgäu) vergangenen Sommer in Frankenthal angerückt. Ganz in der Nähe des Wasserwerks im Norden der Stadt sollte der nun in Betrieb gegangene Trinkwasserbrunnen TB 13 entstehen. Der Bau ist Teil eines größeren Projekts, das vor acht Jahren gestartet ist und im Zuge dessen alle zehn Trinkwasserbrunnen der Stadtwerke erneuert werden, erläutert Christoph Bauer, Bereichsleiter Technik. Die Hälfte davon soll bis 2023 geschafft sein. Allein 1,3 Millionen Euro hat der Bau von TB 13 samt Erkundungsbohrung und Rückbau des alten Brunnens gekostet.

Notwendig sei die Investition, um langfristig die Wasserversorgung der Stadt, ihrer Vororte und der Nachbarkommunen zu sichern. Etwa 70.000 Menschen beziehen ihr Trinkwasser von dem Unternehmen, zu dessen Gebiet auch die Gemeinde Bobenheim-Roxheim und die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim (ohne Lambsheim) gehören. Neben dem Wasserwerk Nord auf Frankenthaler Gemarkung betreibt der kommunale Versorger ein zweites in Großniedesheim. Rund 10.000 Kubikmeter Wasser werden am Tag durch die Leitungen gepumpt – an heißen Sommertagen sind es auch mal bis zu 17.000 Kubikmeter.

Suche nach geeignetem Standort

Am Anfang der rund eineinhalb Jahre Bauzeit für TB 13 stand die Suche nach einem geeigneten Standort. Weil sich die Lage des alten Brunnens als nicht ideal erwiesen habe, habe man in Abstimmung mit der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt als obere Wasserbehörde ein Stück davon entfernt erste Erkundungsbohrungen gestartet, erläutert Patrick Heringer, technische Führungskraft Wasser. Ziel dieser ersten Bohrungen ist es, herauszufinden, ob an der gewählten Stelle und in der vorgesehenen Tiefe mit ausreichend Grundwasser und grundwasserführenden Schichten zu rechnen ist. Ton sei beispielsweise nicht geeignet, Wasser zu leiten, Sand und Kies schon, erläutert Fachingenieur Heringer.

Die eigentlichen Brunnenarbeiten starten dann mit der Greiferbohrung. Beim Ausheben des Erdreichs bis zu einer ersten Tiefe von 25 Metern komme dabei ein 2,5 Tonnen schwerer Greifer zum Einsatz, schildert Fachplaner Tim Gelbach. Anschließend werde ein Standrohr mit einem Durchmesser von einem Meter einzementiert, bevor in einem nächsten Schritt in die endgültige Tiefe von 200 Metern vorgedrungen wird. Dabei wird mithilfe von Druckluft Wasser und Erdreich nach oben gerissen. „Im Prinzip wie in einer Sprudelflasche“, veranschaulicht Bereichsleiter Bauer. Bis zu einem Meter Tiefe pro Stunde sei mit diesem Lufthebebohrverfahren erreichbar, sagt Gelbach – „anhängig von der jeweiligen Bodenschicht allerdings auch deutlich weniger“, schränkt er ein.

Bis zu 100 Kubikmeter Wasser pro Stunde

Ziel der Bohrung ist der sogenannte dritte Grundwasserleiter. Also die Schicht, aus der Grundwasser in der gewünschten Qualität gewonnen werden kann. Über ein Filterrohr mit einer Höhe von 70 Metern und eine Steigleitung mit Brunnenpumpe können letztlich – abhängig vom Bedarf – bis zu 100 Kubikmeter Wasser in der Stunde aus der Tiefe geholt werden. Oberirdisch sichtbar ist von dem aufwendigen Tiefbau am Ende kaum etwas. Ein schlichtes gelbes Häuschen am Feldrand schützt den Brunnenkopf, aus dem das Wasser über eine Messstrecke ins Rohrnetz gespeist wird – und am Ende aus dem heimischen Hahn fließt.

Höherer Wasserverbrauch in der Pandemie

Dass die Menschen in der Corona-Pandemie mehr Zeit zu Hause verbraucht haben, zeigt sich nach Auskunft der Stadtwerke auch am gestiegenen Wasserverbrauch. In den beiden Wasserwerken Frankenthal Nord und Großniedesheim habe der Verbrauch im Vergleich zum Vorjahr um mehr als acht Prozent zugelegt. Von 4,1 Millionen Kubikmeter 2019 ist die Jahresmenge 2020 auf rund 4,5 Millionen Kubikmeter gestiegen. „Sicherlich kann man nicht alles auf Corona-Veränderungen schieben“, heißt es von den Stadtwerken. Der Sommer vergangenes Jahr sei zudem sehr trocken gewesen.

Tonnenschweres Spezialgerät: der Bohrer LB 28 auf der Baustelle in Frankenthal.
Tonnenschweres Spezialgerät: der Bohrer LB 28 auf der Baustelle in Frankenthal.
Die Bohrkerne liefern vor der eigentlichen Bohrung Aufschluss über die Bodenbeschaffenheit. Hier Fachplaner Tim Gelbach bei der
Die Bohrkerne liefern vor der eigentlichen Bohrung Aufschluss über die Bodenbeschaffenheit. Hier Fachplaner Tim Gelbach bei der Auswertung im April 2020.
Deutschlandweit gibt es nur wenige Fachfirmen für den Bau von großen Trinkwasserbrunnen. In Frankenthal waren Experten aus dem U
Deutschlandweit gibt es nur wenige Fachfirmen für den Bau von großen Trinkwasserbrunnen. In Frankenthal waren Experten aus dem Unterallgäu im Einsatz. Hier ein Bild von den Aufbauarbeiten im Juli 2020.
Blick von oben: Mit einem Seilbagger wurde im Juni 2020 dieses Rohr eingesetzt.
Blick von oben: Mit einem Seilbagger wurde im Juni 2020 dieses Rohr eingesetzt.
x