Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Stadtklinik will mit MVZ Lücken in ambulanter Versorgung schließen

Immer öfter schließen Praxen ohne Nachfolger. Die Stadtklinik will deren Kassensitze in bestimmten Fällen übernehmen.
Immer öfter schließen Praxen ohne Nachfolger. Die Stadtklinik will deren Kassensitze in bestimmten Fällen übernehmen.

Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) an der Stadtklinik Frankenthal will sich nach einigen Anlaufschwierigkeiten profitabler aufstellen. Erste strategische Überlegungen wurden jetzt vorgestellt.

Zwei Kassenarztsitze in der Neurologie betreibt das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) bereits, das seine wirtschaftliche Tätigkeit im Bereich der vertragsärztlichen Versorgung am 1. April 2021 aufgenommen hat. Ein weiterer für Psychotherapie ist am 1. Januar 2024 in der Außenstelle des MVZ im Medical-Center der BASF hinzugekommen. Weil immer mehr Praxen schließen, wollen die Verantwortlichen noch stärker in die ambulante Versorgung einsteigen – und so das MVZ wirtschaftlich gut aufstellen.

Während der vom Frankfurter Wirtschaftsprüfer Jürgen Dreßler im Betriebsausschuss am Mittwoch erläuterte Jahresabschluss für 2022 noch einen Verlust von rund 48.000 Euro ausweist, kam das MVZ in der Folge ganz allmählich aus den roten Zahlen heraus. Nach den Ausführungen des Kaufmännischen Direktors Andor Toth wurde im Jahre 2023 bereits ein kleiner Überschuss von etwa 12.000 Euro erwirtschaftet. Für das laufende Jahr rechne man mit einem positiven Ergebnis von rund 60.000 Euro.

Nicht so richtig in die Gänge gekommen ist die ärztliche Psychotherapie, bei der es 2023 noch keine Fälle und damit auch keine Einnahmen gegeben hat. Für 2024 sieht die Prognose etwa 240 Fälle und Erlöse von rund 96.000 Euro vor. Die Neurologie steht deutlich besser da und kann die Zahl der mit der Kassenärztlichen Vereinigung abgerechneten Scheine von Quartal zu Quartal steigern. Im Zwischenbericht sind die Erlöse für 2024 mit 441.000 Euro angegeben. Der im Ausschuss verabschiedete Wirtschaftsplan 2025 für den Eigenbetrieb MVZ trägt dieser positiven Tendenz Rechnung. Unter dem Strich wird mit einem Jahresgewinn von 65.000 Euro gerechnet.

Erste Interessenten

Dass sich das MVZ strategisch neu ausrichten und stärker in die ambulante Versorgung einsteigen will, wurde im Ausschuss vom Grundsatz her begrüßt. Allerdings müssten noch viele Details – sowohl in rechtlicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht – geklärt werden. „Wir stehen erst am Anfang der Prüfung“, erklärte Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG). Das Strategiepapier schlüsselt verschiedene Arbeitsschritte auf. So soll zunächst die Marktlage sondiert werden. „Erste Interessenten sind derzeit schon gesprächsbereit“, informierte Andor Toth. Was die wirtschaftlichen Risiken angeht, werden klare Vorgaben gemacht. So will das MVZ nur solche Arztsitze einkaufen, die die Voraussetzung bieten, dass das investierte Kapital in einem Zeitraum zwischen drei und fünf Jahren zurückfließt und eine beständige Rendite von mindestens fünf Prozent erwirtschaftet wird.

Um die Haftungsfragen zu beschränken, wird außerdem erwogen, vorbehaltlich einer rechtlichen Prüfung das MVZ in eine GmbH zu überführen. Klare Vorgabe: Erst wenn die städtischen Gremien grünes Licht gegeben haben, soll es in die praktische Umsetzung gehen und ein Zulassungsverfahren bei der Kassenärztlichen Vereinigung auf den Weg gebracht werden.

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