Frankenthal Sprache soll kein Korsett sein

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Die Proben der Theatergruppe der Kolpingsfamilie Mörsch für ihr jährliches Theaterstück laufen auf Hochtouren. Dieses Mal bringt die Truppe „Der Diener zweier Herren“ von Carlo Goldoni zur Aufführung. Die Komödie ist neben „Mirandolina“ das bekannteste Bühnenstück des venezianischen Dramatikers. Es wurde 1746 in Mailand uraufgeführt und gilt als Höhepunkt der Comedia dell’arte.

In der Veranstaltungshalle Mörscher Au geht es hoch her. Truffaldino, gespielt vom Vorsitzenden der Kolpingsfamilie, Stefan Krantz, witzelt charmant in Pfälzer Dialekt. Die Hauptfigur des Stücks ist in Schwierigkeiten geraten. Sein Geldbeutel ist leer und der Hunger groß. Glücklicherweise ist es ihm gelungen, in Venedig gleich bei zwei Herren als Diener unterzukommen. Er freut sich, kann er so doch gleich zweifach essen und doppelten Lohn verlangen. Allerdings ahnt Truffaldino nicht, worauf er sich dabei einlässt, und ein komplikationsreiches Verwirrspiel beginnt. Dabei hat der findige Diener alle Hände voll zu tun und muss sich einige Lügen ausdenken, wobei es immer wieder zu aberwitzigen Situationen kommt. Heute ist Durchlaufprobe. „Das bedeutet, dass komplett durchgespielt wird und ich die Schauspieler dabei nicht unterbreche. Es wird erst am Ende besprochen, was vielleicht noch verbessert werden kann“, erklärt Thomas Metzler, der seit 2007 bei der Theatergruppe Regie führt und gelegentlich selbst schauspielert. Von den elf Darstellern seien die meisten schon lange dabei und erfahren. Trotzdem hat er schon gleich etwas bemerkt, was er später ansprechen wird: Den Stapel Blätter, den Darstellerin Frauke Ittermann wirft, soll sie nicht gleichzeitig mit dem gesprochenen Text, sondern erst anschließend werfen. Seit April probt das Laienensemble. Fünf Aufführungen und ein Gastspiel sind geplant. Dieses Mal hat Metzler allerdings etwas auf die Tube gedrückt. „Meine Frau und ich erwarten in Kürze Nachwuchs. Da kann ich jederzeit abberufen werden“, sagt er. Deshalb sei seine Mutter, Rita Metzler, als weitere Regisseurin mit dabei. Eine ganz andere Richtung als in den beiden Vorjahren habe man mit „Der Diener zweier Herren“ einschlagen wollen, informiert der Regisseur. Dazu habe er gemeinsam mit Krantz im Vorfeld 20 Theaterstücke gelesen. Man einigte sich schließlich auf dieses. „Glücklicherweise liegen wir auf gleicher Wellenlänge und haben dieselben Vorstellungen davon, wie Theater aussehen soll“, sagt Metzler. Das Stück habe er etwas bearbeitet, einige Passagen gekürzt und modernisiert. Auch habe er mit den Gattinnen der beiden Herren noch zwei Personen dazugeschrieben. „Es ist auch so schon sehr schön, aber durch diese beiden Personen gewinnt das Stück unglaublich. Es hat mehr Pfiff bekommen. Außerdem passt das prima mit unseren Schauspielern zusammen“, erzählt Metzler. Auch Musik und Tanz sowie Elemente des modernen Theaters, wie bei Comedy oder Slapstick, seien hinzugekommen. Was außerdem noch wichtig sei: Jeder Schauspieler spreche so, wie er auch im normalen Leben spreche. So seien im Stück sowohl Mundart- als auch Hochdeutsch-Sprecher vertreten. „Wenn ich versuche, jemanden sprachlich in ein Korsett zu zwängen, dann geht die Natürlichkeit verloren, und es kommt wirklich nur Theater dabei heraus“, findet Metzler. Der Schauplatz der Komödie wurde in Italien belassen. Auch sind einige italienische Redewendungen enthalten, und das Bühnenbild, das mit materieller Unterstützung des Theaters Alte Werkstatt (TAW) in Frankenthal entstanden ist, mutet ebenfalls italienisch an. „Es besteht aus einzelnen Elementen im Stecksystem, sodass wir das Bühnenbild gestalten können, wie wir es gerade brauchen“, erklärt Stefan Krantz, der sich über die Zusammenarbeit mit dem TAW freut. Im Gegenzug habe man dem Theater in den Vorjahren Proberäume zur Verfügung gestellt. „Ich finde es gut, wenn Vereine miteinander arbeiten und nicht gegeneinander. Meiner Meinung nach kann man im Kulturgeschehen nur weiterbestehen, wenn man sich gegenseitig unterstützt“, sagt der Vorsitzende, der mit seiner Frau Petra bei der Produktion die Gesamtleitung übernommen hat.

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