Worms
Spannendes Konzert mit Orgel und Saxofon
Dekanatskantorin Ellen Drolshagen ist es gelungen, für die Veranstaltungsreihe „Wormser Kulturherbst“ die Saxofonistin Steph Winzen und den Organisten Fritz Walther zu gewinnen. In ihrem rund einstündigen Duo-Programm präsentierten sie sich als vielseitige Künstler, die im Zusammenspiel blendend harmonierten und aus zwei so unterschiedlichen Instrumenten überaus aparte Klangbilder hervorbrachten. Schon beim einleitenden Allegro e non presto des Italieners Tomaso Albinoni offenbarte sich die Klasse der beiden Musiker. Obwohl das Stück im Original für Oboe geschrieben wurde, waren insbesondere die hohen Lagen auch beim Sopransaxofon bestens aufgehoben.
Steph Winzen gehört zu den Großen ihres Fachs. Sie hat reichlich Konzerterfahrung und unterrichtet am Peter-Cornelius-Konservatorium in Mainz. Seit 2017 darf sie sich Mainzer Stadtmusikerin nennen. Erst im vergangenen Jahr wurde sie zur Botschafterin für das Instrument des Jahres, das Saxofon, ernannt.
Anklänge an Bachs Passacaglia
Fritz Walther hat ebenfalls eine beeindruckende Vita. Er studierte Kirchenmusik und Klavier in Frankfurt und Essen, war mehrere Jahre Dozent an der Musikhochschule Frankfurt sowie an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt und arbeitete als Studiopianist beim Hessischen Rundfunk. Auch dem Radio-Sinfonieorchester Frankfurt gehörte er an.
Facettenreich gestalteten Winzen und Walther die sechs kurzen Variationen über ein flämisches Volkslied, 1994 von Heinrich Grimm komponiert. Der warme Ton des Saxofons korrespondierte mit den choralartigen Passagen der Orgel, die bei Dietrich Buxtehudes d-Moll-Ciacona auch als ideal registriertes Soloinstrument zur Geltung kam. Anklänge an die Passacaglia von Bach waren nicht zu überhören.
Und dann verließ Steph Winzen die Empore, um im Altarraum das Capriccio Nr. 24 von Niccolo Paganini zu intonieren – eine echte technische Herausforderung für die Saxofonistin, die ihren Zuhörern verriet, dass sie das für Solovioline geschriebene Stück während des Lockdowns einstudiert habe. Sie bewies einen langen Atem und war den höllisch schnellen Läufen in den hohen Lagen gewachsen.
Psalmvertonungen des Wormsers Torsten Laux
Dass einer Orgel südländisches Flair entlockt werden kann, bewies Fritz Walther bei der virtuos gespielten Asturias von Isaac Albéniz. Ruhe und Geborgenheit strahlte der von Leonard Bernstein vertonte Psalm 23 „Der Herr ist mein Hirte“ aus. Und gleich drei Psalmvertonungen hatten die Künstler von dem 1969 geborenen Wormser Komponisten Torsten Laux ausgewählt. Das alles übertönende Geläut des nahen Doms machte eine Pause erforderlich.
Bei „Jauchzet dem Herrn, alle Welt“ (Psalm 100) hellte sich die Stimmung spürbar auf. Und ein reizvolles „Stück aus dem Paradies“ von Gabriel Fauré war die Zugabe. „Lassen Sie die Musik auf sich wirken und vergessen Sie aus Angst vor den Aerosolen das Atmen nicht“, gab Steph Winzen der kleinen Zuhörerschar mit auf den Heimweg.