Frankenthal Spätstarterin mit viel Talent
FRANKENTHAL. Boxen, essen, Schule, schlafen. Diese vier Dinge sind es, um die sich das Leben von Katja Springer vom 1. BC Frankenthal derzeit dreht, sagt sie. Die 19-Jährige ist mit drei deutschen Nachwuchstiteln erfolgreichste Sportlerin in der Geschichte des Südwestdeutschen Amateur-Box-Verbands.
Trainer Dietmar Geier nickt. Er und Kollege Andreas Riedel wissen längst, wie talentiert die 19-Jährige ist, die sie unter ihren Fittichen haben. Viermal in der Woche fährt die Schülerinder 13. Jahrgangsstufe des Wormser Gauß-Gymnasiums von ihrem Wohnort in Herrnsheim zum Training in die Sporthalle am Frankenthaler Hallenbad, wo meist 15 bis 20 Athleten und oft 25 Anfänger trainieren. „Wenn’s in die heiße Trainingsphase für die deutsche Meisterschaft der Elite im nächsten Jahr geht, wird sie fünf- und sechsmal kommen“, prophezeit Geier. Die künftige Studentin („Irgendwas, das mit Natur- und Umweltschutz zu tun hat“) schreckt das kommende gewaltige Trainingsprogramm nicht. Katja Springer kennt die Binsenweisheit „Von nix kommt nix“ längst. Sie hat schon umfangreiche Trainingseinheiten hinter sich gebracht. Ihr Talent, mit den Fäusten umzugehen, hat sie bereits 2014 und 2015 bewiesen, als sie deutsche Jugendmeisterin wurde. In diesem Jahr holte sie sich den Titel bei der U 21 (wir berichteten). Im Finale hatte sie die Karlsruherin Madeleine Morhardt besiegt. Dabei hatte sie überhaupt erst 20 Gegnerinnen (13 Siege). Hintergrund: Es mangelt in ihrer Gewichtsklasse, dem Leichtgewicht (bis 60 Kilogramm), an geeigneten Boxerinnen. Für 2017 peilt sie eine Medaille bei den Erwachsenen an. Diese soll es allerdings im Federgewicht (bis 57 Kilogramm) geben. Da rechnen sich die 1,70 Meter große Schülerin und ihre Trainer bessere Chancen aus. Katja Springers Erfolge sind umso erstaunlicher, als dass sie erst vor vier Jahren mit dem Boxen anfing. „Gleich nach meinem 15. Geburtstag habe ich nach Versuchen in der Leichtathletik, im Kunstturnen und in der Sportgymnastik damit angefangen.“ Sie begann bei der TG Worms, 2015 wechselte sie, laut Trainer Dietmar Geier „wegen der besseren sportlichen Perspektiven“, zum 1. BC Frankenthal. Eineinhalb Jahre lang besuchte das Mitglied des C/D-Kaders des Deutschen Boxsport-Verbands auch das Teilzeit-Internat am Bundesleistungszentrum Rhein-Neckar. Weil sie sich in Worms aufs Abitur vorbereitet, machte sie in Heidelberg Schluss. Das Sportliche als solches hat die Motorradfahrerin („Ich habe eine 125er“) offensichtlich in den Genen. Mutter und Vater machen Taekwondo. Olympia 2020 in Tokio ist ihr Fernziel. „Aber da ist es noch lange hin“, meint sie, „da kann noch viel passieren.“ Zunächst einmal also boxen, essen, Schule, schlafen.