Frankenthal Spät durchgestartet

GEROLSHEIM. Das Kegeln hat Gerhard Bernatz vom TuS Gerolsheim viel gegeben. Einen Sport, den er bis ins hohe Alter ausüben will, positive Veränderungen seiner Persönlichkeit und einen großen Erfolg: In diesem Jahr gewann der 60-Jährige den deutschen Meistertitel bei den Senioren 2. Es war gleichzeitig der erste deutsche Meistertitel in der langen Historie des Vereins.
Als Gerhard Bernatz dieses Jahr zusammen mit ein paar Mannschaftskollegen zu den deutschen Einzelmeisterschaften der Senioren nach Aschaffenburg fuhr, kam das Gespräch auf die deutschen Mannschaftsmeisterschaften ein paar Wochen später, an denen Bernatz wegen Urlaubs nicht teilnehmen konnte. Daher, so fand er, konnte er ruhig einen Witz darüber machen: „Ihr müsst dann in den Bericht über die Mannschaftsmeisterschaften unbedingt reinschreiben, dass trotz des Fehlens des deutschen Einzelmeisters Gerhard Bernatz der TuS Gerolsheim den Titel gewonnen hat.“ Alle lachten. Eineinhalb Tage später war Bernatz Deutscher Meister. Aus einem Witz war Wirklichkeit geworden. Es ist der größte Erfolg in der Kegelkarriere des 60-Jährigen. Eine Laufbahn, die nicht nur sportliche Höhen und Tiefen erlebt hat, sondern auch menschliche. Und die Bernatz auch viel gegeben hat, ihn zu dem Menschen gemacht hat, der er jetzt ist. Bernatz ist lange Jahre nur Fahrrad gefahren. 38 Kilometer täglich, von seinem Wohnort Schifferstadt zur BASF nach Ludwigshafen und zurück. Mit Mitte 20 hat er dann zwar zu kegeln begonnen, aber nur in der Freizeit. Einem Verein beitreten wollte er nicht. „Ich hatte Angst vor den Verpflichtungen, wollte nicht gebunden sein“, erzählt Bernatz. Dabei war er damals eigentlich schon mehr als ein Freizeitkegler, er wollte es sich nur noch nicht eingestehen. Insgeheim träumte er davon, mal in einer höherklassigen Liga, zumindest der Landesliga, zu spielen. Mit einem Freund ging er ein zweites Mal die Woche trainieren, er feilte mit viel Hingabe an seiner Wurftechnik. Am Wochenende sah er sich oft Bundesliga-Begegnungen in Mutterstadt oder Eppelheim an. Als sich die Freizeitgruppe auflöste, wollte er aufhören. Seine Frau erinnerte ihn an seinen Traum vom Sportkegeln. Also ging Bernatz zum SKC Schifferstadt. Er glaubte damals noch nicht so an seine Fähigkeiten. Und es war wohl auch etwas Angst dabei, sich einer neuen Gruppe anzuschließen. Er war damals keiner, der gerne auf Menschen zuging – durch das Kegeln hat sich das geändert. In Schifferstadt spielte er schon nach einigen Wochen in der ersten Mannschaft, zwischenzeitlich sogar mal in der Zweiten Bundesliga. „Irgendwann ist es dann dort nur noch vor sich hingeplätschert“, sagt Bernatz. Er wechselte zum Post SV Ludwigshafen in die Zweite Landesliga. Nach drei Aufstiegen in Serie war er auch mit diesem Verein in der Zweiten Liga. Nach acht Jahren beim Post SV Ludwigshafen wollte er aufhören. Doch Jürgen Dämgen, früher Sportwart beim Post SV und mittlerweile Vorsitzender des TuS Gerolsheim, hatte Bernatz ohne dessen Wissen für die Seniorenrunde gemeldet. Bernatz zierte sich. Dann kegelte er doch – und qualifizierte sich für die deutschen Einzelmeisterschaften. Er startete jetzt erst richtig durch. In der Mannschaft, mit der er vergangene Saison in der Bundesliga spielte. Und vor allem im Einzel. „Viele haben mir gesagt, ich soll da endlich mal meine Chance suchen“, sagt er. 2013 schied er bei den deutschen Seniorenmeisterschaften in der Vorrunde aus. 2014 wurde er Dritter, 2015 Erster. Heute hilft Bernatz als Ehrenamtlicher ab und an beim FSV Schifferstadt. Er sagt, es mache ihm nichts aus, seine Zeit dem Verein zu opfern.