Mannheim
Siegfried und Joy: „Lachen ist magisch“
Guten Morgen Siegfried und Joy, habt ihr heute schon was gezaubert? Ein gutes Frühstück, zum Beispiel?
Joy: Ach, wir essen gar nichts. Aber wir waren heute schon bei Bochum im Wald und haben ein bisschen mit Rehen gezaubert. Schon um 6 Uhr morgens waren wir unterwegs. Jetzt startet gleich der Tag und wir fliegen mit dem Besen nach München.
Nicht schlecht (lacht). Das heißt, auch vor Euren Auftritten seid ihr tagsüber gemeinsam unterwegs, oder braucht ihr auch mal einen Rückzug?
Siegfried: Nein, wir zaubern nicht nur zusammen, wir gehen morgens auch gerne gemeinsam Schwimmen, das ist so unsere Routine.
Vor ziemlich genau zehn Jahren habt ihr euch laut meiner intensiven Wikipedia-Recherche in einem Zauberladen in Berlin kennengelernt. Wie darf man sich diese Situation vorstellen? Hat der eine den anderen nach einem Trick gefragt?
Joy: Eigentlich war es so, ich war offen für neue Magie und plötzlich stand Siegfried da und hat mich im Laden mit einem Zaubertrick beeindruckt. Es war ein Trick, wie aus einer Tomate plötzlich zwei und dann vier Tomaten werden. Ich konnte überhaupt nicht fassen, was da geschieht.
War es Magie auf den ersten Blick?
Siegfried: Ja, er hat seine Hände geöffnet und hatte plötzlich eine Tomate darin gehalten. Seine Augen haben geleuchtet, und meine dann auch. Es war der Beginn einer magischen Freundschaft.
Stand der Humor bei eurer gemeinsamen Zauberei gleich im Vordergrund?
Joy (im ernsten Ton): Also eigentlich steht bei uns die Magie im Vordergrund, dass die Leute lachen, ist gar nicht provoziert von uns.
Siegfried: Wir sehen uns in erster Linie als Magier und Zauberer, uns ist aber auch aufgefallen, dass die Leute dabei lachen. Lachen verbindet und hat eine ganz eigene Magie. Lachen ist magisch.
Wie kamt ihr überhaupt mit der Zauberei oder inneren Magie in Berührung?
Joy: Ich habe so mit sechs Jahren festgestellt, dass ich magische Kräfte habe. Morgens, wenn ich aufstehen sollte, habe ich alle Wecker im Haus mit meiner mentalen Kraft um zwei Stunden zurückgestellt, sodass ich nochmal länger schlafen konnte. Ich bin auf dem Land in Bayern großgeworden. Da gab’s Hühner bei den Nachbarn. Ich konnte sie dazu bringen, dass sie zu uns in die Küche kommen und ein Ei in die Pfanne legen. Das war ein magisches Frühstück.
Siegfried: Mich hat dieses Talent nicht geküsst, ich habe mir alles hart erarbeitet. Meine Oma hat mir als ich drei war einen Entfesselungstrick gezeigt. Das hat mich so fasziniert, dass ich Kurse besuchte, Bücher dazu las und Trick für Trick studierte. Schon bei Kindergeburtstagen hatte ich meine ersten Auftritte. Dann bin ich umhergezogen, habe bei meiner Ballettschule, bei Events und auf der Straße gezaubert.
Was ist der Unterschied zwischen Zauberei und Magie?
Siegfried: Zauberei ist eine Kunstform, sie reduziert sich auf den Trick, auf den Effekt. Aber Magie ist auch die Atmosphäre, wenn die Leute unsere Show sehen. Magie ist das Miteinander, das Verbindende.
Joy: Magie ist aber auch, dass die U-Bahn fährt und sich die Bäume im Wind beugen. Magie ist schon da, man muss sie nur wahrnehmen. Kinder haben diese Gabe noch, aber mit der Zeit geht sie bei vielen Menschen verloren. Wir glauben an die kindliche Magie und wollen mit unseren Live-Auftritten dieses Tor wieder öffnen.
Man sagt, dass es zwei Arten von Zauber-Zuschauern gibt: diejenigen, die alles durchschauen und verstehen wollen und die anderen, die sich einfach fallen und verzaubern lassen. Was ist euch lieber?
Siegfried: Wir mögen genau diese Mischung. Manche sind eben analytischer und sehen es als Knobelaufgabe, was nicht schlechter oder besser ist. Das Publikum inspiriert sich da gegenseitig. Leute, die vielleicht etwas verkopft sind, werden von staunenden Sitznachbarn angesteckt. Und die arg Begeisterten bekommen vielleicht einen wissenschaftlicheren Blick darauf. Zauberei ist als Kunstform analog, man sieht eine Sache, die scheinbar nicht von dieser Welt ist und doch ist man Zeuge davon. Dieser Moment, das ist Magie.
Ihr habt auch die mediale Magie für euch entdeckt. Eure TikTok-Videos wandern durch die ganze Welt. Was sagt ihr dazu, dass in Namibia oder der Mongolei eure Tricks nachgeahmt werden?
Joy: Das zeigt, dass da keine Grenzen mehr existieren. Wir sehen uns da aber gar nicht als Role Models, wir geben den Leuten gerne die Vorlage, um sich kreativ zu entfalten. Wir freuen uns aber auch genauso über Besucher aus Bochum, die gar kein Internet haben. Oder wenn bei unseren Straßenaufritten die Leute das Gefühl haben, dass sie in Las Vegas sind.
Wie humorvoll ist eigentlich die Magierszene?
Siegfried: Es gibt auch todernste Zauberer und Vereine wie den Magischen Zirkel mit strengen Satzungen. Oder Wettbewerbe mit einer biederen Jury. Wir haben für uns diesen Regelkatalog ein wenig geöffnet und sind mehr daran interessiert, die Herzen der Menschen aufblühen zu lassen. Es geht uns eben mehr um Magie an sich als um die Perfektion.
Joy: Auch in der ernsteren Magierszene kommt das positiv an. Mit David Copperfield und Hans Klok sind wir befreundet, wir schätzen und mögen die Kollegen und nehmen die Magie trotz unseres Humors sehr ernst.
Zur Person und Termin
Das Zauberduo Siegfried und Joy existiert seit 2015. Die Pseudonyme der beiden Künstler sind Siegfried D’Amour und „The Great“ Joy Leslie. Aus Protest gegen rechte Parteien lassen sie gerne auch mal AfD-Plakate „verschwinden“. Ihre Shows „Las Vegas in Mannheim“ am 17. und 18. September im Mannheimer Capitol sind bereits ausverkauft.