Frankenthal Selbsthilfe mit Platzpatronen

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Am heutigen Samstag, 16. Januar, beginnt in Rheinland-Pfalz die Schonzeit für Grau-, Nil- und Kanadagänse. Wer dann auf den gewässernahen Äckern im Rhein-Pfalz-Kreis noch Schüsse hört und Gänse flüchten sieht, sollte nicht gleich die Jäger verdächtigen, sich nicht an die Regeln zu halten. Vielmehr kann er davon ausgehen, dass sich Landwirte mit Schreckschussmunition gegen das gefräßige Federvieh wehren. Das darf allerdings nur noch, wer die entsprechende Sachkunde nachgewiesen hat.

Im Oktober haben Bauern und Winzer aus der Region in Bobenheim-Roxheim einen Lehrgang fürs Abfeuern von pyrotechnischer Munition PM 2, auch Starenschreck genannt, absolviert. Sie wollen für die Zeit gerüstet sein, wenn Vögel, vor allem Gänse, sich auf das Grünzeug im Feld stürzen und den Jägern die Hände gebunden sind. Dann wollen sie die Tiere je nach Bedarf eigenhändig vertreiben dürfen. Oskar Jung, Leiter des Hegerings Nord Frankenthal-Ludwigshafen, hat den Kurs initiiert, „damit sich die Bauern selbst helfen können“, wie er sagt. Es sei für die Jäger zwar durchaus möglich, auch in der Schonzeit eine Abschussgenehmigung zu bekommen, wenn das Gänseproblem zu groß werde, „aber das geht natürlich nicht von heute auf morgen“. Seit Anfang November sei die Jägerschaft bemüht, die großen Gänsepopulationen in der Gegend zu verkleinern. Besonders die Nilgans habe sich stark vermehrt, und das sei nicht nur für Landwirte ein Problem. „Die Nilgans zeigt ein intensives Brutverhalten und kann ziemlich aggressiv sein, sodass sie andere Arten vertreibt“, weiß der Bobenheim-Roxheimer. „Die Populationen wachsen“, hat auch Landwirt Ulrich Hack beobachtet. Er ist Vorsitzender der Jagdgenossenschaft in Bobenheim-Roxheim, das heißt des Zusammenschlusses von Eigentümern jagdfähiger Grundstücke. „Die Gänse haben keine natürlichen Feinde, sie stehen praktisch ganzjährig auf den Feldern“, sagt Hack. „Wo sollen sie denn auch hin?“, fragt er mit Blick darauf, dass Gänse im Sommer auch für die Kommunen mit Badegewässern problematisch sind und von dort oft mit Schreckschussapparaten vertrieben werden. Besonders schwer haben es momentan jene Bauern, die inmitten von unbearbeiteten braunen Äckern Winterspinat, Zwiebeln, Kräuter oder andere Grünpflanzen angebaut haben. „Die Gänse fallen jetzt natürlich darüber her“, weiß Ulrich Hack. Und der Schaden ist dabei nicht nur darauf begrenzt, was die Vögel wegfressen. Sie hinterlassen an den Pflanzen auch Kot, berichtet er. Viele Bauern in Frankenthal und Umgebung liefern ihre Erzeugnisse an die Rheintal Tiefkühlkost Zweigniederlassung der Frosta AG in Bobenheim-Roxheim. Und die habe hohe Ansprüche an Qualität und Sauberkeit der Ware, besonders, wenn sie zur Herstellung von Babynahrung benötigt werde, erläutert Hack. Mit Gänsekot kontaminierte Ware sei quasi unbrauchbar. „Dasselbe Problem haben wir aber auch mit Hunden, die in die Felder laufen und dort ihren Kot hinterlassen.“ Für den Vorsitzenden der Jagdgenossenschaft ist die Möglichkeit, Gänse mit Starenschreckmunition zu vergrämen, wichtig. So könne sich der Landwirt je nach Jahreszeit und Situation selbst helfen. Ein bisschen besser werde die Lage, wenn die Vegetation wieder überall im Gange sei und nicht nur auf den Flächen mit Wintergemüse. Ulrich Hack: „Dann werden sich die Gänse mehr in der Gegend verteilen.“ (ww)

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