FRANKENTHAL
Scio: Automatisierungslösungen stark gefragt
Wer für seinen BMW oder seinen Mini ein Ersatzteil braucht, der erhält es künftig in vielen Fällen wohl dank der planerischen und technischen Vorleistungen des Frankenthaler Firmenverbunds. Denn vor Kurzem, so berichtet Scio-Geschäftsführer Goepfarth, sei am Standort Dingolfing das neue moderne Hochregallager des bayerischen Herstellers übergeben worden, in dem Ersatzteile und Zubehör gelagert werden: 70 Meter lang, 40 Meter breit, 40 Meter hoch.
Einen „nicht geringen zweistelligen Millionenbetrag“ habe BMW dort investiert, und „Steuerung und Lagertechnik kommen von uns“, erklärt der 53-Jährige. Genauer gesagt: von der Schiller-Gruppe aus dem bayerischen Osterhofen, die zu den ersten Partnern des im Januar 2019 gegründeten Scio-Automation-Verbunds gehört. Im Frankenthaler Vorort Eppstein arbeitet Scio unter einem Dach mit dem Ingenieurdienstleister Vescon, der ebenfalls von Anfang an dabei ist.
Kompetenz bündeln
Automatisierung in der Industrie, aber auch in anderen Wirtschaftsbereichen wie Handel, Energiebranche oder Flughäfen: Lösungen dafür und damit verbundene Ingenieurleistungen bietet die Frankenthaler Firmenplattform. Das lateinische Wort „scio“ bedeutet „ich weiß“. Im Firmennamen signalisiert es, worum es gehen soll: die Bündelung von Wissen und Kompetenz.
Konkret sieht das Konzept nach Angaben Goepfarths so aus: Mittelständische Firmen, die im Verbund der Scio Automation GmbH zusammenarbeiten wollen, werden übernommen, bekommen aber ihrerseits Anteile an der Dachgesellschaft. Aufträge seien immer projektbezogen. In der Gruppe könne man sich gegenseitig unterstützen und flexibler auf Anforderungen reagieren, als das kleinere Anbieter alleine könnten.
Besonders erfreulich aus Sicht des Geschäftsführers: Mit dem Unternehmen Industrial Automation LLC (Rochester Hills/Michigan) hat sich Ende August das erste US-Unternehmen dem Verbund angeschlossen. Rund 140 Mitarbeiter in den USA und Mexiko können nach Firmenangaben Automatisierungslösungen „von kleineren Roboterzellen bis hin zu kompletten Fertigungslinien“ liefern. Dieser Sprung auf den amerikanischen Markt sei enorm wichtig, unterstreicht Goepfarth, denn „auch unsere Kunden wie BASF oder Siemens sind ja international aktiv“.
Für Firmen wie BASF oder große Pharmaunternehmen übernimmt Scio nach Angaben des Geschäftsführers die „Prozessplanung“, wenn Anlagen für neue Produkte gebaut werden sollen. Aufträge bringt auch die Energiewende: Im Zusammenhang mit den vorgesehenen leistungsfähigen Stromtrassen in Nord-Süd-Richtung müssen auch neue Umspannwerke gebaut werden; für das auf dem Gelände des früheren Atomkraftwerks Philippsburg „machen wir die komplette Planung“, berichtet Goepfarth.
In der von Krisenzeichen geplagten Autobranche gebe es derzeit „eher mehr Projekte als früher“, erklärt der Geschäftsführer auf Nachfrage. Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren würden weiter hergestellt; daneben gewinne aber der Elektroantrieb wachsende Bedeutung – was die Planung zusätzlicher Produktionsanlagen erfordere.
22 Standorte
Unterm Strich heißt das für die Scio-Automation-Gruppe: „2020 werden wir sicher 150 Millionen Euro Umsatz überschreiten“, so Goepfarth. Zum Vergleich: 2018 hatte der Umsatz nach seinen Angaben „mehr als 100 Millionen Euro“ erreicht, 2019 habe er ungefähr in der Mitte zwischen den beiden genannten Werten gelegen. Der Ertrag sei „zufriedenstellend“, heißt es auf Nachfrage; Zahlen dazu nennt man nicht. „Knapp unter 1000 Mitarbeiter“ gehören nun zur Gruppe, die an 22 Standorten in Europa, China und Nordamerika aktiv ist.
Dass die Corona-Pandemie im Arbeitsalltag erheblichen auch zeitlichen Mehraufwand verursacht, verhehlt Goepfarth nicht. Seit dem Frühjahr habe man fast jede Woche mit neuen Fragen zu tun, etwa überraschend angeordneten Quarantänezeiten für Personal auf Baustellen. Habe man bisher mit einem üblichen Zeitaufwand von etwa vier Wochen für die Montage einer Anlage kalkuliert, so kämen jetzt teilweise zwei Wochen Quarantäne bei der Reise zum Einsatzort und zwei Wochen Quarantäne bei der Rückkehr des Personals hinzu. Er hoffe, dass die Einführung von Covid-19-Schnelltests „für etwas Entspannung“ bei dem Thema sorgen könne, sagt der Scio-Geschäftsführer.