Serie „Mein erstes Spiel“
Schwarz-Weiss-Trainer Tim Graf ist glühender Bayern-Fan
Wenn man heutzutage zehn Fußballfreunde nach ihrem Lieblingsverein fragt, nennen gefühlt neun den FC Bayern München. Der Rekordmeister hat in den vergangenen 40 Jahren viele richtige Entscheidungen getroffen und mit unzähligen nationalen sowie internationalen Erfolgen seine Fanbasis enorm verbreitert. Sympathisant der Münchner zu sein, macht Spaß. Man hat viel zu feiern und kann als Anhänger von Deutschlands unangefochtener Nummer eins auch manch berechtigte Kritik an Aussagen und Verhaltensweise von Bayern-Protagonisten ungerührt an sich abperlen lassen.
Einer der zahlreichen Bayern-Anhänger ist der 30-jährige Tim Graf, Spielertrainer der ambitionierten DJK Schwarz-Weiss Frankenthal aus der A-Klasse Rhein-Pfalz Nord. „Seit 2013 bin ich bei den Bayern Vereinsmitglied“, sagt der Coach und unterstreicht damit seine Verbundenheit mit den Bajuwaren. Fan ist Graf, seit er acht Jahre alt ist, und daran ist sein Opa schuld. „In seinem Garten haben eine Fahne des FC Bayern und eine Flagge des Bundeslandes Bayern mit dem blau-weißen Rautenmuster geflattert. Beide hat er mir geschenkt“, blickt Graf zurück. Als er von seinen Eltern noch ein Trikot seines damaligen Lieblingsspielers Giovane Elber bekam, war sein Glück perfekt – der Bayern-Fan war geboren.
Doppelpack von Ribéry
An sein erstes Spiel in der Allianz-Arena kann sich der damals 21 Jahre alte Graf noch gut erinnern: „Das war am 26. Februar 2012, ein kalter, ungemütlicher Sonntag. Bayern hat mit einem Doppelpack von Frank Ribéry 2:0 gegen Schalke 04 gewonnen.“ Damals spielten bei den Münchnern noch Akteure wie Philipp Lahm, Arjen Robben, Mario Gomez oder Luiz Gustavo. Und bei den in dieser Zeit noch viel stärker als heute aufspielenden Schalkern standen Benjamin Höwedes, Jefferson Farfan, Raul und Timo Hildebrand auf dem Feld.
„Als mein bester Freund Uwe Klockner und ich an der Allianz-Arena angelangt waren, herrschte das blanke Chaos. Zwei Busse mit Schalke-Anhängern wurden auf den falschen Parkplatz geleitet“, berichtet Graf. Es kam zum Aufeinandertreffen mit Bayern-Fans. Die Atmosphäre war aufgeheizt, es herrschte Unruhe, und es wurde gepöbelt. „Es gab sogar Handgreiflichkeiten, sodass berittene Polizei für Ruhe sorgen musste“, schildert der Ludwigshafener die bangen Momente.
Kunststückchen von Robben
Im Stadioninneren waren die Aufregungen schnell vergessen. „Wir hatten Karten für den Familienblock gegenüber der VIP-Tribüne“, sagt Graf. Direkt vor den Zuschauern zeigten Ribéry und Robben beim Aufwärmen ein paar Kunststückchen. Die Zeit bis zum Anpfiff verging wie im Flug. „Es war ein einseitiges Spiel und früh klar, dass nichts passieren würde. Bayern hatte die Partie fest im Griff und hätte höher gewinnen können“, betont der heutige Trainer.
Da Karten für Bundesligaspiele früh organisiert werden müssen und der Wochentag oft erst viel später feststeht, kann es zu Komplikationen kommen – wie an diesem Sonntag. Zerspanungsmechaniker Tim Graf hatte gerade ausgelernt, als ihn sein Chef just an diesem 26. Februar für die um 22 Uhr beginnende erste Nachtschicht einplante. „Zum Glück konnte ich ein bisschen später beginnen“, sagt der Bayern-Fan.
Hofbräuhaus als erste Anlaufstelle
Graf und Klockner fahren immer mit dem Auto nach München und übernachten in der Regel. „Spätestens um 8 oder 9 Uhr, aber auch schon mal um 6 Uhr morgens geht es los“, erzählt Graf. Nach dem Einchecken im Hotel führt der Weg der beiden in die Innenstadt, mit dem Hofbräuhaus als erster Anlaufstelle. In den Fanklamotten des FC Bayern, versteht sich. Logisch, dass das Elber-Trikot mittlerweile zu klein ist und einen Ehrenplatz im Hause Graf erhalten hat.
„Jedes Jahr kaufe ich mir ein neues Trikot, immer das, welches von der Mannschaft bei den Heimspielen getragen wird“, erläutert der Fan. Mal war es ein Hemd von Robben, mal eines von Ribéry oder James, aktuell das von Sané und vor Jahren mehrere von Mario Gomez, dem absoluten Lieblingsspieler von Tim Graf. Dessen Rückennummer 33 hat der Amateurfußballer auf seinen Stationen in Oppau, der Pfingstweide, beim VfR und bei Schwarz-Weiss getragen. „In Oppau habe ich zu Beginn die 32 nehmen müssen, weil die 33 zunächst vergeben war“, erzählt Graf.
Nette Braunschweig-Anhänger
Das Zusammentreffen mit den gegnerischen Fans ist nicht immer so unerfreulich wie bei Grafs erstem Spiel in der Arena gegen Schalke. „Im Hofbräuhaus haben wir mal vor einem Pokalspiel drei Anhänger von Eintracht Braunschweig getroffen, mit denen wir uns super verstanden haben“, berichtet er. Als Bayern-Fan habe man es leicht, weil die meisten Begegnungen gewonnen werden. Aber von Braunschweig mehr als 600 Kilometer nach München zu fahren, nahezu mit der Gewissheit, eine Niederlage zu erleben – das nötige ihm Respekt ab, betont der 30-Jährige.
Drei- bis fünfmal pro Saison ist Graf Gast in der Allianz-Arena, hinzu kommen Auswärtsspiele in der Nähe, in Hoffenheim, Frankfurt, oder früher in Kaiserslautern. Auch Champions-League-Spiele gegen Paris St. Germain oder Manchester City waren dabei. Und wer den FC Bayern so richtig ins Herz geschlossen hat, der schaut auch nicht aufs Geld. „Für ein Heimspiel am letzten Spieltag habe ich im Internet für eine Karte, die regulär 20 Euro gekostet hat, 250 Euro bezahlt“, gesteht Graf. Die Investition habe sich aber gelohnt. Hinterher sei der Titel von Team und Fans auf dem Marienplatz ausgiebig gefeiert worden.
Keine klassischen Fans
Kostspielig und verlustreich sind nach einer gewonnenen Partie mitunter auch die Feiern in diversen Kneipen. „Da habe ich schon mal einen Schal oder ein Käppi verloren“, räumt Graf ein. Und in einem Club vergaß er einst eine Lederjacke, merkte es aber zu spät. Ein echter Fan steckt das aber weg.
Ebenso wie die Stimmung in der Arena, die der 30-Jährige als gedämpft bezeichnet, weil viele Besucher nicht die klassischen Fußballfans seien, sondern eher „Operettenpublikum“. So gebe es im VIP-Block, wo viele Firmen Plätze haben, oft zahlreiche freie Sitze. Das sei aber immer noch um Welten besser als derzeit, wo gar keine Zuschauer kommen können. „Der 4:2-Sieg gegen Dortmund war ein Superspiel, da hätte das Stadion gekocht“, schwärmt der Bayern-Anhänger. Eine volle Arena und mittendrin Tim Graf – ein Traum, der sich bald wieder erfüllen soll.
Die Serie: Mein erstes Spiel