Handball
Saison für Oberliga-Teams der HSG Eckbachtal vorbei
So richtig gerechnet damit, dass in dieser Saison auf Oberliga-Niveau noch mal zum Handball gegriffen wird, hat bei der HSG Eckbachtal niemand. Weder bei den Aktiven noch bei der männlichen B-Jugend. Die Entscheidung, dass die Saison 20/21 annulliert wird, können die Verantwortlichen nachvollziehen. Und sie finden sie auch richtig. Überraschend sei sie nicht gekommen, sagen sie unisono.
Na ja, das stimmt nicht so ganz. Thorsten Koch, Trainer der Oberliga-Herren war nach eigenem Bekunden etwas verwundert, dass sich die Entscheidungsträger schon zu solch einem frühen Zeitpunkt festgelegt haben. „Aber die Entscheidung hat Hand und Fuß“, betont er. Jetzt wisse jeder, woran er sei.
Muster ohne Wert
Sportlich ist die jetzt abgeblasene Runde ein Muster ohne Wert. Es gibt sportlich keine Auf- und Absteiger. Wer bei den Aktiven freiwillig in die Dritte Bundesliga aufsteigen will, muss sich bis 1. März bei der Geschäftsstelle der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar melden. Post aus dem Eckbachtal wird dort allerdings nicht eintrudeln. „Wir werden nicht für die Dritte Liga melden“, kündigt Thorsten Koch an.
Zwei Spiele hat seine Mannschaft bestritten, beide verloren. Doch sportlich sei daraus nichts abzuleiten, meint der Übungsleiter. „Sportlich gesehen nehmen wir aus der Saison nichts mit.“ Er sei aber zuversichtlich gewesen, dass sein Team den Ligaverbleib geschafft hätte, sagt Koch.
Galgenhumor ist angesagt
Sein Kapitän geht da sogar noch einen Schritt weiter: „Für mich hat die Runde nicht stattgefunden“, sagt Michael Betz. Was auch irgendwie stimmt, denn Betz ist nach einer Meniskusoperation jetzt erst wieder dabei, fitnesstechnisch den Anschluss an die Mannschaft zu schaffen. „Insofern war es wohl ein guter Zeitpunkt, verletzt zu sein.“
Schwarzer Humor ist auch angesagt, wenn es an die Tatsache geht, dass die HSG Eckbachtal durch die Annullierung der Runde den Klassenverbleib geschafft hat. „Ohne was zu tun noch ein Jahr Oberliga“, meint Michael Betz. Und sein Coach spricht gar von der erfolgreichsten Phase der HSG. „So lange waren wir noch nie in der Oberliga“, sagt Thorsten Koch. Vielleicht geht’s in diesen Tagen eben nur mit Galgenhumor.
Alle wollen weitermachen
Das Positive an der derzeitigen Situation: Keiner der HSG-Spieler denkt über ein Karriereende nach, wie Koch und Betz berichten. „Wir hatten schon das Mannschaftsgespräch für die nächste Runde“, berichtet der Kapitän. „So will keiner aufhören. Nicht mal Sven Lerzer mit seinen 40 Jahren.“ Sollte es einen Wechsel geben, dann sei dieser studien- oder berufsbedingt.
Doch auch diese Medaille hat zwei Seiten. „Es ist schwierig, neue Spieler zu bekommen. So will sich in der Regel keiner von seinem Verein verabschieden“, sagt Thorsten Koch. Und dabei brauche er dringend Verstärkung. Auch Probetrainings sind zurzeit unmöglich. „In den oberen Klassen können die Trainer noch Videos von ihren Wunschkandidaten schauen. In der Pfalz- oder Verbandsliga gibt’s das aber nicht“, verdeutlicht Koch. Also zapft er sein altes Netzwerk an.
„Gekkos“ setzen weiter auf Jugend
Unabhängig davon werde man bei der HSG den eingeschlagenen Weg weitergehen. Heißt: Den großen Reibach wird man bei den Aktiven auch in Zukunft im Eckbachtal nicht machen können. Die „Gekkos“ werden auch in den kommenden Jahren verstärkt auf die Spieler setzen, die im eigenen Nachwuchs ausgebildet werden. Wohl wissend, dass da nicht in jedem Jahrgang ein Spieler vom Format eines Nisse Nehrdich dabei sein kann.
Gut aufgenommen hätten auch die Spieler der männlichen B-Jugend, dass sie in dieser Saison nicht mehr zum Zug kämen, sagt Trainer Lukas Tschischka. „Man konnte sich ja lange darauf vorbereiten. Aber es ist natürlich schade nach so einer tollen Qualifikation“, meint der Übungsleiter. In dieser bezwangen die „Gekkos“ den TV Hochdorf und sicherten sich so das Oberliga-Ticket.
Fast schon trivialer Wunsch
Der ältere Jahrgang wechselt zur kommenden Runde in die A-Jugend, der jüngere nimmt einen neuen Anlauf in der B-Jugend. Tschischka traut seinem Team durchaus zu, sich erneut für die Oberliga zu qualifizieren.
Das müssen die Aktiven nicht mehr. Der Wunsch von Thorsten Koch klingt fast schon trivial: „Eine normale Vorbereitung und ein Saisonstart im September. Und dann eine normale Runde mit sportlichem Wert.“ Eine Vorbereitung ohne Einschränkungen, das sei dann wohl für alle, wie wenn ein Kind ein neues Spielzeug bekommt. Weshalb bei Koch die Vorfreude jetzt schon groß ist.
