Frankenthal
Risikogruppe Senioren: Polizei will mit Verkehrskontrolle aufklären
Die Polizistinnen an der Zufahrt winken Verkehrsteilnehmer zu ihren Kollegen auf den Parkplatz an der Wormser Straße. Dort bitten die Beamten um die Papiere und kontrollieren Warndreieck und Verbandskasten. Gezielt werden ältere Verkehrsteilnehmer angesprochen. Bei vielen von ihnen liegt die Führerscheinprüfung 40 Jahren und mehr zurück. Man wolle ihnen Tipps geben und sie auf Risiken aufmerksam machen, sagt Polizeihauptkommissarin Ute Henn, die die Aktion leitet. „Es gibt mehr alte Leute und deshalb mehr Verkehrsteilnehmer im Seniorenalter. Auch deshalb steigt ihr Anteil bei den Unfallbeteiligten“, erläutert die stellvertretende Leiterin der Polizeiwache Maxdorf die Statistik. Beteiligt sein heißt, beim Unfall mitbetroffen sein. Nicht alle Beteiligten sind auch Verursacher, betont sie.
Wer an einem Unfall beteiligt ist, oder als erster am Unfallort eintrifft, sollte sich richtig verhalten und zum Beispiel auf die Unfallstelle mittels Warndreieck hinweisen. Die Polizei kontrollierte deshalb, ob Warndreieck, Warnweste und ein Erste-Hilfe-Kasten mit noch gültiger Haltbarkeit an Bord sind. Doch das ist nicht immer so einfach. Eine Seniorin hat schon einige Säcke Blumenerde im Gartencenter eingekauft – und kann weder Warndreieck, noch Verbandskasten erreichen. Die Beamten helfen beim Ausladen und Wiedereinladen und geben ihr den Tipp, die Sachen besser im Fahrzeugraum aufzubewahren. Die Frau nimmt's mit Humor: „Könnten Sie mir auch zuhause beim Ausladen helfen?“ witzelt sie. So weit wollten die Polizisten dann doch nicht gehen.
Verkehr heute schneller und dichter
Die meisten der Kontrollierten finden die Aktion gut: „Die Leute werden irgendwann gebrechlich. Da muss man schon aufpassen“, meint ein 72-jähriger Autofahrer aus Limburgerhof. Das sieht auch seine 70-jährige Frau so. Viele in ihrer Altersgruppe würden Medikamente nehmen, die die Reaktionsfähigkeit einschränken können. Die hohe Beteiligung von Senioren bei Unfällen überrascht die beiden.
„Das ist hundertprozentig richtig, die Leute anzusprechen“, sagt eine 75-Jährige Fahrerin aus Maxdorf. Es gebe viele ältere Menschen, die nicht einsehen wollen, dass sie nicht mehr fit sind, weiß die ehemalige Krankenschwester. Über sich selbst sagt sie: „Ich bin den Umgang mit Ärzten gewohnt und habe keine Scheu, mich mal untersuchen zu lassen – aber viele wollen das nicht.“ Ihre Freundin und Mitfahrerin ist 66 Jahre alt und sitzt lieber auf dem Beifahrersitz. „Ich fahre gar nicht gern selber. Der Verkehr heutzutage macht mich nervös“, bekennt sie. Der Verkehr sei im Vergleich zu früher viel dichter und schneller geworden, bestätigt Hauptkommissarin Henn. Neue Fortbewegungsmittel wie E-Bikes und das noch schnellere Pedelec erforderten schnelle Reaktionen und gute Wahrnehmung.
Fahrschulen bieten Training
Partner der Aktion ist die Kreisverkehrswacht Ludwigshafen. „Wir arbeiten mit den Seniorenbeiräten der Kommunen zusammen und bieten Informationsveranstaltungen an, aber wir vermitteln auch Sicherheitstrainings für Senioren“, sagt der Vorsitzende Dieter Lauerbach. So gebe es zum Beispiel Fahrschulen, die ein Auffrischungstraining oder Begleitungen durch Fahrlehrer anbieten.
Die meisten der Angesprochenen hätten mit Verständnis reagiert, informiert die Polizei am Nachmittag nach Ende der Aktion. Insgesamt habe die Polizei in Frankenthal mit 40 Senioren gesprochen, bei den Kontrollen habe es nur kleinere Mängel gegeben, mal fehlte ein Warndreieck, mal war ein Verbandskasten abgelaufen. Zwei Verwarnungen gab es für Fahrer, die nicht angegurtet waren, einmal war eine Ladung nicht ausreichend gesichert.