Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Rhine Clean Up: Ein wichtiges Anliegen für viele Frankenthaler

Am Flussbett unter der Autobahnbrücke liegt am meisten Müll.
Am Flussbett unter der Autobahnbrücke liegt am meisten Müll.

Zum siebten Mal war Frankenthal am Samstag beim Rhine Clean Up dabei. Spektakuläre Funde gab es diesmal nicht und es lag weniger Müll am Rheinufer. Ein gutes Zeichen?

Mit Säcken, gelben Handschuhen und Greifern ausgestattet zogen am Samstag etwa 60 Freiwillige los, um dem Müll am Rhein den Garaus zu machen. In etwa die gleiche Anzahl wie im vergangenen Jahr also. Müll lag hingegen deutlich weniger. Es seien etwas weniger als 300 Kilogramm zusammengekommen, informierte Stefanie Klinner, Klimaschutzbeauftragte der Stadt später. Dass trotz des Regengusses so viele Helfer kamen, wertete Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) als starkes Zeichen für Naturschutz und Stadt.

Unter den vielen angemeldeten Gruppen waren Ortsvereine, die Jugendhilfeeinrichtung Jump Pad sowie der Kanu und Segel-Club Frankenthal. „Unmengen von Müll landen in den Weltmeeren, ein Großteil davon über Flüsse, vorwiegend in Asien, aber auch in Europa“, berichtete der Oberbürgermeister über die Hintergründe. Die länderübergreifende Aktion von der Quelle bis zur Mündung des Rheins soll Entlastung schaffen.

Viele verschiedene Gruppen angemeldet

Für Adolf-José König (SPD) und die Mörscher Ortsgruppen war es Ehrensache, dass sie auf der eigenen Gemarkung mit von der Partie sind. „Das lassen wir uns nicht entgehen“, betonte der ehemalige Ortsvorsteher. Mörsch gehe schließlich bis zum Rhein, erklärte er und deutete dabei auch gleich auf das gemächlich fließende Wasser.

Bei der Ahmadiyya-Gemeinschaft in Frankenthal liegt die Beteiligung hingegen im Glauben begründet. „Prophet Mohammed sagte, Sauberkeit ist die Hälfte des Glaubens. Nicht nur am Körper, auch in der Umgebung“, erklärte deren Pressesprecher Faraz Ahmed. Die Gruppe war mit elf Personen gekommen.

Am Ende kamen diesmal etwas weniger als 300 Kilogramm Müll zusammen.
Am Ende kamen diesmal etwas weniger als 300 Kilogramm Müll zusammen.

Auch drei Schüler aus der Gruppe des BNE-Teams vom Karolinengymnasium wurden vom Eigen- und Wirtschaftsbetrieb (EWB) mit Utensilien ausgestattet. BNE steht für „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“, die Schule werbe aber auch außerhalb des BNE-Teams für die Aktion, und zwar jedes Jahr, berichtete Katharina Paczkowski, eine der Schülerinnen.

Mehrere Kartuschen Lachgas gefunden

Etwas mehr als die Hälfte aller Helfer bei der Aktion machte sich vom Parkplatz Im Spitzenbusch Richtung Autobahnbrücke auf den Weg. Dort liege erfahrungsgemäß am meisten, erklärte der Oberbürgermeister. Tetra Packs, Plastik- und Glasflaschen machten diesmal den Großteil der Funde aus. Der fünfjährige Peter aus Eppstein teilt dem Oberbürgermeister nach einer Weile mit, er habe viele Zigarettenstummel gefunden. Sein Papa fand, „schon Kinder sollten lernen, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen“.

Mitglieder aus der Nachwuchsförderung bei Howden Turbo hatten sich die Fläche unter der Rheinbrücke vorgenommen. Während pausenlos Pkw und Lkw vorbeidonnerten, fanden sie mehrere Kartuschen mit Lachgas. „Die neue Droge der Jugend“, wie Ertem Özdemir aus der Gruppe aufklärte. Auch Luftballons, Socken und Teile eines Metallgrills waren unter den Funden. Lisa Unger kehrte mit zwei wild abgelegten gelben Säcken und zahlreichen Windeln aus dem Gebüsch zurück. In der Nähe lag auch das Gerippe eines Klappstuhls, wohl alles Überbleibsel von Grillfesten in Wassernähe.

Ist vielleicht Vernunft eingekehrt?

Ein Badeschlappen, Styropor und leere Schnapsflaschen waren die Ausbeute von Christian Hauck aus Frankenthal. Der Rhein liegt ihm insofern am Herzen, als er im hessischen Lampertheim Wassersport betreibt. „Ich habe extra einen Kescher gekauft, damit hole ich alles Mögliche aus dem Wasser“, sagte er. Prinzipiell sei es ja gut, dass nicht so viel herumliege, aber das Hochwasser habe offenbar schon einiges mitgenommen. „Sinnvoll für die Aktion wären lange Trockenperioden, da findet man sicher mehr“, überlegte er.

Möglicherweise hat aber auch der elektrische Zaun dafür gesorgt, dass diesmal nicht so viel Müll im Gebüsch landete: Zum Schutz vor der afrikanischen Schweinepest ist nämlich jenseits des Rheindamms der Spazierweg abgegrenzt worden. 3,3 Kilometer deckten die Frankenthaler Helfer bei ihrer Suche ab. „Mit den Funden seines Suchtrupps hätte man zelten können“, sagte Stefan Schell scherzhaft. Eine Gabel, Liegestuhl, Bettbezug, eine Sichel und ein deformierter Autoreifen, gehörten dazu.

Traudel Ehlers aus Mörsch hatte bei ihrer Premiere im vergangenen Jahr zwei Müllsäcke gefüllt und ein orangenes Gummiboot gefunden. „Dieses Mal war es so wenig, wir haben uns sogar für Gutselpapier gebückt“, erzählte sie. „Vielleicht sind die Menschen ja vernünftiger geworden“, spekulierte Nicolas Meyer dazu.

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