Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel RHEINPFALZ-Sommertour: Blick hinter die Kulissen von Amazon

Welcher Artikel kommt in welchen Umschlag? Patricia Schade (links) erklärt den Besuchern den Verpackungsvorgang im Amazon-Logist
Welcher Artikel kommt in welchen Umschlag? Patricia Schade (links) erklärt den Besuchern den Verpackungsvorgang im Amazon-Logistikzentrum.

Was passiert nach dem Klick auf den Button „Kaufen“? Den Weg vom Eingang der Ware bis zur Auslieferung eines bestellten Artikels haben Leser beim Besuch des Frankenthaler Amazon-Logistikzentrums verfolgen können. Und dabei viele schwarze Kisten gesehen ...

„Die hier sind das Maß aller Dinge“, sagt Patricia Schade und zeigt auf eine der unzähligen schwarzen Kisten, die der RHEINPFALZ-Lesergruppe an diesem Vormittag beim Rundgang im Logistikzentrum des US-Internetversandhändlers Amazon überall begegnen. Was in diese Kunststoffbehälter nicht passt, gibt es in „FRA7“, wie der Standort unternehmensintern heißt, auch nicht. Insofern machen sich von hier nur Gegenstände auf den Weg zum Kunden, die maximal so groß sind wie beispielsweise ein Toaster.

Schade, die für das Besucherprogramm von Amazon in Deutschland und Polen zuständig ist, vergleicht die Abläufe innerhalb der 88.000 Quadratmeter großen Halle im Industriegebiet Am Römig mit einer Modelleisenbahn. Bei der müssten auch Waggons aus unterschiedlichsten Richtungen in eine passende Reihenfolge und dann auf die Reise gebracht werden. In diesem Bild sind besagte schwarze Kisten die Waggons. Und das etwa 18 Kilometer lange Netzwerk aus Förderbändern bildet die Gleise.

Gewolltes Chaos

Im Herzstück des Logistikzentrums – dem sogenannten Shopping Floor – herrscht so etwas wie gewolltes Chaos: Dort werden an zwei Seiten einer großen umzäunten Fläche von sogenannten Packern angelieferte Artikel in eins von 30.000 Regalen mit vielen kleinen Fächern einsortiert. Und zwar vollkommen willkürlich. „Da kann schon mal die Teepackung neben der Lichterkette landen“, sagt Schade. Wichtig ist nur eins: Das System muss übers Einscannen wissen, wo sich welcher Artikel befindet. Die bis zu 300 Kilogramm schweren Regale werden übrigens von 3000 Robotern angehoben und verschoben.

Trotz dieses hohen Automatisierungsgrads im Warenlager: Vieles – vom Einsortieren bis zum Verpacken der Bestellungen für den Versand – ist noch Handarbeit. „Die machen ihr Ding, wir machen unser Ding“, sagt Schade. Allerdings dürfen die rund 1800 menschlichen Kollegen der Roboter höchstens bis 15 Kilo schwere Gegenstände bewegen. Ab und zu unterbricht ein Amazon-internes Fitnessprogramm mit kurzen Übungen die Arbeitsroutine. Dann wird mit den Füßen gekreist oder es wird der Rücken gestreckt. Und weiter geht’s.

Technische Finessen

Fasziniert sind die 15 Teilnehmer der RHEINPFALZ-Sommertour vor allem von technischen Finessen: Beamer, die den Mitarbeitern den Platz eines Artikels in den Regalen anzeigen beispielsweise. „Visuelle Unterstützung“, wie Patricia Schade das nennt, gibt es auch beim Einsortieren in Boxen, die dann weitersausen zum Verpacken in Pappumschläge, Kartons oder Papiertüten. Bei manchen Produkten gehe der Trend dazu, sie in der Originalverpackung zu verschicken, um Material zu sparen, erläutert Schade.

Doch bevor ein Buch, ein Handrührer oder ein Parfüm irgendwann einmal im Fahrzeug von Dienstleistern wie DHL, UPS oder auch in Amazon-eigenen Sprintern landet, kommt noch die Lieblingsstation Schades: der sogenannte Slam. Dort wird per Scan aus einem Streifencode auf der Verpackung innerhalb von Millisekunden das Etikett mit der Adresse und der Information, wie es versandt wird.

Patricia Schade lüftet dabei noch ein Rätsel: Wen interessiert, aus welchem Standort seine Bestellung stammt, der kann das anhand der aufs Etikett gedruckten Kürzel nachvollziehen. Bei Bekleidung und Schuhen stehe dort häufig „FRA3“ – die Bezeichnung für Schades früheren Einsatzort Bad Hersfeld, den sie im Scherz „den größten Kleiderschrank Deutschlands“ nennt.

30.000 der gelben Regale werden am Standort Frankenthal fürs Einlagern der Artikel verwendet. Rund 3000 Roboter transportieren s
30.000 der gelben Regale werden am Standort Frankenthal fürs Einlagern der Artikel verwendet. Rund 3000 Roboter transportieren sie zu den Arbeitsplätzen.
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