Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Rück-Spiegel: Wenn die „Auswärtigen“ versehentlich doch mal recht haben

Hölzerne Pflanzenkübel und bunte Schaufensterfolie kaschieren seit einigen Monaten den Leerstand in der früheren Ihr-Platz-Filia
Hölzerne Pflanzenkübel und bunte Schaufensterfolie kaschieren seit einigen Monaten den Leerstand in der früheren Ihr-Platz-Filiale.

Was diese Woche passiert ist: Grenz-Irrtümer zwischen Bobenheim-Roxheim und Frankenthal, ästhetische Bemühungen um die Innenstadt und ein Interview mit Gegrummel aus dem Off.

Leserbriefe: Falschmeldungen

Es steht zu befürchten, dass in deutschen Zeitungen nichts so gut und viel gelesen wird wie Leserbriefe. Auch der Bürgermeister von Bobenheim-Roxheim ist davon fasziniert, besonders von Briefen, in denen sich „Auswärtige“ zu „hiesigen/internen Angelegenheiten“ äußern, wie er schreibt. Leider hatte Michael Müller (SPD) diese Woche zum zweiten Mal in kurzer Zeit Grund, eine Behauptung von einem Nicht-Bobenheim-Roxheimer richtigzustellen. Beim ersten Mal wurden dem Ort von einem Großniedesheimer oberirdische Stromleitungen angedichtet, jetzt meint ein Frankenthaler, sein Lieblingsweg von Mörsch zum Kräppelweiher sei auf Bobenheim-Roxheimer Seite so stark verwildert, dass man ihn kaum nutzen könne.

Mooment! Michael Müller widerspricht und verweist auf www.stadtplan.net, wo die Grenze zwischen der Stadt und der Gemeinde ganz eindeutig gezogen wird. „Demnach kommt man auf dem Weg von FT-Mörsch zum Kräppelweiher – ganz egal wie man läuft – nicht auf Bobenheim-Roxheimer Gemarkung“, so Müller, „und damit auch nicht in die Position, bewerten zu können, ob der hiesige Betriebshof seinen Pflichten nachkommt.“

Der Leser hatte auf ein kleines Interview mit dem Bürgermeister über die diesjährigen Personalprobleme bei der Grünpflege reagiert. Der Brief scheint Müller aber nicht nur zu provozieren, sondern auch zu beruhigen: „Offenbar scheint auch in Frankenthal das letzte halbe Jahr sehr feucht gewesen zu sein, und die Kollegen haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen“, schreibt er. „Damit hatte der Leserbrief dann doch unfreiwillig eine inhaltlich richtige Botschaft.“

Waltraud Werdelis

Innenstadt: Hoffnungen

Die Frankenthaler Innenstadt hat schon bessere Tage gesehen. Als Kind der 70er ist die Fußgängerzone sichtlich in die Jahre gekommen. Und das liegt nicht allein an den zeittypischen Hochbeeteinfassungen aus Waschbeton rund um den Rathausplatz. Da sind auch der Verlust inhabergeführter Fachgeschäfte und damit einhergehend Leerstände, die dem gesamten Bereich zwischen den Stadttoren zu schaffen machen. Der Branchenmix war schon einmal vielfältiger. Was die Erscheinung der City anbelangt, will die Stadt jedenfalls nicht länger zusehen, auch wenn sie natürlich nur schwer in privatwirtschaftliche Prozesse eingreifen kann.

Den Leerstand in der früheren Ihr-Platz-Filiale, eine seit vielen Jahren besonders unansehnliche Fassade am Rathausplatz, versucht man nun mit einer bunt gestalteten Schaufensterfolie und mobilen Pflanzenkübeln zu kaschieren. Und wenn es nach einer Pressemitteilung geht, die uns diese Woche erreicht hat, soll es in der Art weitergehen. Mit Bausteinen wie mobilen Holzelementen sollen neue Sitzmöglichkeiten und weitere Pflanzentröge aufgestellt werden, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen. Sogar eine Grünoase soll es geben.

Die politischen Gremien sollen die Ideen der Verwaltung demnächst diskutieren, Fördermittel beim Land wurden schon beantragt. Die mitgeschickten Visualisierungen lassen hoffen, dass das Ziel erreicht werden kann. Vorausgesetzt, die Elemente werden nicht Opfer von Vandalismus. Bei den Pflanzenkübeln vor der ehemaligen Drogeriemarktfiliale ist das zumindest bislang ausgeblieben. Auch das lässt hoffen. Damit die Innenstadt am Ende wirklich attraktiver wird, sind aber alle gefragt. Die Immobilienbesitzer ebenso wie wir Bürger, die vielleicht nicht alles faul im Internet bestellen müssen.

Frank Geller

Tierheim: Unterbrechungen

Als Journalist kann einem bei der Arbeit schon mal das Leben dazwischenkommen, und zwar buchstäblich. Eigentlich war es mein Ziel, ein Interview mit der Vorsitzenden des Frankenthaler Tierschutzvereins und Leiterin des Tierheims, Simone Jurijiw, zu führen. Doch schon bei der Ankunft im Tierheim zum vereinbarten Termin kam die Mitteilung, dass die Zeit dränge. Was los war? Mit meinem Besuch platzte ich mitten hinein in Geburtsvorbereitungen. Eine trächtige Hündin war so weit, ihre Welpen zur Welt zu bringen.

Obwohl die Zeit drängte, empfing mich Simone Jurijiw, gab aber klar zu verstehen, dass es für Fotos nicht mehr reichen würde. Tatsächlich beantwortete die Tierheimleiterin geduldig die ersten Fragen, blieb aber mit Augen und Ohren immer bei der Hündin im Nebenzimmer. Ein leises Grummeln durch die offene Tür begleitete das Interview. Und dann ging es los, die Welpen wollten nicht länger warten. Kein Problem, die Natur lässt sich ihren Takt eben nicht vorgeben. Und so ein Interview lässt sich ja unterbrechen und an einem anderen Tag fortsetzen, eine Geburt natürlich nicht.

Wenige Tage später konnte ich Simone Jurijiw beim zweiten Besuch im Tierheim die restlichen Fragen zur Situation in der Einrichtung und den Umzugsplänen stellen. Auch für die Fotos hat es dann gereicht. Der Hündin und ihren Welpen geht es übrigens gut. Kein Grummeln mehr. Nur vier unglaublich süße Hunde, die zusammengekuschelt im Zimmer nebenan liegen.

Mathias Wagner

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