Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Polizeibericht: Abgeblasen
Gar nicht so selten gibt es den Fall, dass die Lektüre des Presseberichts der Polizei vor allem die Frage aufwirft: Was mag Beteiligte wohl geritten haben? So oder so ähnlich war es mit dem Diebstahl eines Laubbläsers diese Woche. Der hat – aus eigener leidvoller Erfahrung – die Fantasie angeregt. Sie kennen es vielleicht selbst: Sonniger Morgen, so gegen 7.30 Uhr, man dreht sich noch einmal gemütlich um. Da wirft im angrenzenden Garten oder Hof der liebe Herr Nachbar ein Gerät an, das nach Meinung vieler nur erfunden worden ist, um andere Menschen mit Ausnahme seines Besitzers zu quälen. Denn: Wem ein solches Gerät gehört, der bedient es natürlich mit großer Leidenschaft – jedenfalls mit größerem Enthusiasmus als Besen und Schaufel. Kurzum: Der Laubbläser an sich ist, unabhängig von Ort und Tageszeit seines Einsatzes, eine Heimsuchung. Sofern er mit Benzinmotor betrieben wird, ist er überdies nicht nur laut; er stinkt auch wie die Pest. Nur so ein Gedanke: Möglicherweise war der radelnde Laubbläser-Dieb ein sehr lärmempfindlicher Zeitgenosse, der den Apparat im Sinne seiner Mitmenschen aus dem Verkehr ziehen wollte. Oder: Vielleicht hatte er einfach keinen Bock mehr auf die Kehrwoche daheim, nutzte die günstige Gelegenheit und mopste die für kurze Zeit unbeaufsichtigte Maschine aus der Heimwerkerhölle. Und bevor sich die Moralisten vom Bundesverband der Deutschen Laubbläser-Anwender (BDLA) aufregen: Nein, man darf nicht klauen. Aber träumen – das darf man schon ...
BASF: Abgefahren
Es dürfte einer der angenehmeren Termine gewesen sein, den Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) diese Woche zu absolvieren hatte. Die BASF hatte zu Besichtigung und Einweihung ihrer neuen Lkw-Abfertigung Nord eingeladen, die auf Frankenthaler Boden neben der Kläranlage entstanden ist. Es wurde, wie bei solchen Anlässen üblich (und auch angemessen), einander viel Freundliches gesagt. Der für die europäischen Verbundwerke inklusive des Stammwerks zuständige BASF-Manager Uwe Liebelt lobte die Kooperation mit der Stadtverwaltung im Planungs- und Genehmigungsprozess. Der OB bescheinigte den Logistikern des Ludwigshafener Konzerns hohe Professionalität in der Zusammenarbeit und witzelte: „Die Chemie hat gestimmt.“ Insgeheim wird er angesichts der kurzen Zeit von gut anderthalb Jahren zwischen Genehmigung und Fertigstellung ein bisschen neidisch auf die Möglichkeiten der freien Wirtschaft geblickt haben. Ein Projekt mit einer zweistelligen Millionensumme Investitionsvolumen – dafür braucht die öffentliche Hand manchmal Jahrzehnte, wenn sie es überhaupt noch stemmen kann. Jörg Schmihing