Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochenkolumne
Storchenwald: Tierisch zäh
Einen Baum für jedes der jährlich rund 350 Neugeborenen pflanzen und damit einen Beitrag zum Klimaschutz leisten: Darum geht es beim Projekt „Storchenwald“ der Frankenthaler Gruppe der Bewegung Fridays for Future (FFF). Die Stadt unterstützt das bereits im vergangenen Jahr vorgetragene Vorhaben grundsätzlich. Allerdings ist die Suche nach einem geeigneten Ort zäh. Acht Flächen, die grundsätzlich infrage kommen, wurden im Juni 2020 vorgestellt. Das favorisierte rund 2,4 Hektar große Areal in der Gewanne Nachtweide nördlich von Mörsch sei von den Landwirten abgelehnt worden, hieß es im Stadtrat am Mittwoch auf Anfrage der Grünen, die darauf hinwiesen, dass der Klimawandel nicht warte. Weitere Flächen würden jetzt ebenso wie die Möglichkeit, Klimaschutz-Fördergelder für das Unternehmen zu beantragen, geprüft. Indes laufe eine Terminfindung mit Verantwortlichen von Fridays for Future seit Oktober, auch ein für Ende März geplantes Gespräch sei inzwischen abgesagt worden. Vielleicht bringt ja der Storch nach nunmehr bald neun Monaten das ersehnte Wäldchen.
Nebenjobs: Tierisch kompliziert
Ein genauerer Blick auf die Nebentätigkeiten und Ehrenämter des Stadtvorstands brachte Besuchern des Stadtrats am Mittwochabend einige wahrscheinlich für die meisten völlig neue Erkenntnisse. Für seine Arbeit als stellvertretender Verbandsvorsteher des Altlastenzweckverbands Tierische Nebenprodukte bekam Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) im vergangenen Jahr 4344 Euro. Angesichts dessen, was manche seiner (Ex-)Parteikollegen wohl für die Empfehlung von Schutzmasken eingestrichen haben, eine geradezu lächerliche Summe. Stutzig machte den aufmerksamen Leser allerdings, dass er die auf den Euro gleiche Summe im gleichen Zeitraum auch als stellvertretender Verbandsvorsteher des Zweckverbands Tierische Nebenprodukte erhielt. Knöppel hob zur Aufklärung zu einem mehrminütigen Referat über die Geschichte dieses Gremiums an, bei dem unter anderem ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs vom 17. Juni 2014 zu „rechtswidriger Beihilfegewährung“ eine zentrale Rolle spielte.
Kurz gesagt: Der Altlastenzweckverband Tierische Nebenprodukte musste liquidiert werden, die Abwicklung seiner Geschäfte dauert allerdings noch an. Inzwischen ist nun also der gleichnamige Zweckverband für die „Abholung, Sammlung und Verarbeitung von toten Tieren und tierischen Nebenprodukten“ zuständig. Theoretisch können das auch Meerschweinchen und Hamster sein, die in der Gebührenliste nach Kilogramm abgerechnet werden. Allerdings gebe es für Haustiere „unter bestimmten Voraussetzungen andere Entsorgungsmöglichkeiten“. Das Vergraben im eigenen Garten wird hier als ein Beispiel genannt.
Tatsächlich kümmert sich der Verband also hauptsächlich um verendete landwirtschaftliche Nutztiere und Schlachtabfälle. Städte und Landkreise in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Teilen von Hessen sind zur Vorsorge von Tierseuchen Pflichtmitglieder in dem Gremium, wie Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) in der Ratssitzung ausführte. Mit Blick auf die Bemessungsgrundlage der anteiligen Kosten beruhigte Hebich aber: „Wir haben hier in Frankenthal nicht so viele Rindviecher.“ Sonja Weiher