Frankenthal
Rück-Spiegel – die Wochen-Kolumne
Impfen: Ernüchternd
Es muss nach dem Freischalten der Onlinevergabe für die sogenannten Boosterimpfungen einen ziemlich kurzen Zeitraum gegeben haben, in dem das Anme ldesystem des Landes auf einen Schlag einen ganzen Schwung Termine in den wiedereröffneten Impfzentren rausgehauen hat. Zum Teil innerhalb weniger Stunden landete die Bestätigung bei vielen im Maileingang. Die anfängliche Zuversicht ist schnell verflogen. Bereits ein paar Tage später lagen die dann angebotenen Termine schon wieder Ende Dezember.
Das am Mittwoch unter dem Titel „Könnte vor Wut heulen“ erschienene Interview mit einem Frankenthaler Mediziner wirft ein Schlaglicht darauf, wie motivierte Leute in ihrem Engagement ausgebremst werden, die denselben Wunsch wie wir alle haben: Dass diese Corona-Pandemie irgendwie möglichst schnell zu Ende sein möge.
Und motiviert müssen ja nicht nur diejenigen sein, die Spritzen verteilen. Den Antrieb, zu einer der jetzt zahlreicheren Impfaktionen zu marschieren und sich das vor möglicherweise schweren Covid-19-Verläufen schützende Vakzin zu holen, müssen auch die Bürger sein. Es kommt also aufs Tempo an. Allerdings: Wenn das Land angesichts mehrstündiger Wartezeit in der Kälte bei den jüngsten Impfbusterminen in Frankenthal noch von einem „niederschwelligen Angebot“ spricht, hat das eine gewisse unfreiwillige Komik.
Videokonferenz: Ermüdend
In diese Kategorie fällt auch, was sich mitunter in den wieder zahlreicher stattfindenden Videokonferenzen abspielt. Schräge Hintergrundbilder, um den Blick auf das Wohnzimmer-Interieur zu kaschieren, sind so eine Art Volkssport geworden. Besonders beliebt: Wüstenlandschaften oder Weltraumaufnahmen. Beides kann wahlweise für Weite oder Ödnis der geführten Diskussionen stehen. Der Klassiker aber sind? Teilnehmer, die es zwar mit einiger Mühe in den Call geschafft, aber dann vergessen haben, das Mikrofon ihres digitalen Endgeräts stummzuschalten. Und so wurde der (überschaubare) Kreis an Zuhörern der virtuell abgehaltenen Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses untereinander unfreiwillig Zeuge einer Debatte unter Eheleuten, wann wo welche Nachrichtensendung läuft. Es soll auch das eine oder andere tiefe Durchatmen zu hören gewesen sein. Ob es auch an Weite oder Ödnis der ... nein, am Mittwoch war ja wirklich viel zu besprechen. Echt jetzt!
Weihnachten: Erhellend
Ein Licht in der Dunkelheit – das ist es doch, wonach wir alle derzeit suchen. Und tatsächlich gibt es sie, diese Lichtblicke. In Form ausgesprochen üppiger Weihnachtsbeleuchtung beispielsweise. Ein prächtiges Beispiel glitzert und leuchtet derzeit an der Ecke Johann-Klein-Straße/Wingertstraße – dem früheren Kiosk Spross. Der aufmerksame Kollege, der das an die Lokalredaktion weitergegeben hat, bemerkt dazu trocken: „Frankenthal bietet doch tatsächlich erhellende Momente ...“ Jörg Schmihing