Rück-Spiegel RHEINPFALZ Plus Artikel Rück-Spiegel – die Frankenthaler Wochenkolumne

Ins Röhrchen soll beim Strohhutfest niemand mehr gucken.
Ins Röhrchen soll beim Strohhutfest niemand mehr gucken.

Strohhutfest I: Lobhudelei

Ja, diese bösen Journalisten, die machen immer alles madig, kritteln mit Wonne an Plänen und Ideen herum, suchen mit Ausdauer das sprichwörtliche Haar in der Suppe. Unserem Berufsstand wird von ganz vielen Leuten gerne unterstellt, nicht an den positiven Dingen des Lebens interessiert zu sein. „Gell, nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten.“ Dieser Satz fällt immer wieder – gerne begleitet von einem resignativen Seufzer.

Aber jetzt, liebe FrankenthalerInnen, halten Sie sich fest – wir können auch anders! Denn jetzt kommt die ultimative Lobhudelei. Diese Woche hat, einer guten Tradition folgend, das erste Vortreffen der Stadtverwaltung mit den Beschickern des Strohhutfestes stattgefunden. Da passiert meist nicht allzu viel Bahnbrechendes: Die Anwesenden versichern sich gegenseitiger Wertschätzung, es wird übers Bühnenprogramm geplaudert und so weiter und so heiter.

Tatsächlich hatte Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU) dieses Mal aber eine echte Neuigkeit zu der Besprechung mitgebracht: Beim Strohhutfest von 21. bis 24 Mai wird es an Ständen und Buden kein Plastikeinweggeschirr mehr geben. Damit ist Frankenthal bei seiner wichtigsten Großveranstaltung ein Jahr früher dran, als es eigentlich müsste. Das EU-weite Verbot für das fiese Kunststoffzeug tritt nämlich erst 2021 in Kraft. Insofern gibt es für diese Aktion der Stadt mal keine Mecker, sondern einen ganz dicken Daumen nach oben.

Strohhutfest II: Zweckoptimismus

Das mit dem Plastik sehen freilich nicht alle so uneingeschränkt positiv. In den sogenannten sozialen Netzwerken löste die RHEINPFALZ-Meldung einen Disput darüber aus, ob mit dem Einsatz von Glasbehältern auch wieder die Anzahl von Verletzungen zunähme. Tatsächlich greift an dieser Stelle vielleicht doch ein ökonomischer Anreiz: das Glaspfand, das man ja bekanntermaßen nicht für Einzelteile, sondern nur für das unversehrte Trinkgefäß zurückbekommt. Mit drei Euro ist dieser Betrag einheitlich festgelegt und hoffentlich ausreichend hoch, dass sich Streithähne es vielleicht zweimal überlegen, ob sie ihr Dubbeglas zweckentfremden. Jörg Schmihing

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