Frankenthal
Polizisten beleidigt und angegriffen: Mann muss in Haft
„Der schon wieder“ – für die Polizeibeamten war der 32-Jährige so etwas wie ein alter Bekannter. Immer wieder war er vor zwei Jahren aufgefallen, weil er unter Alkoholeinfluss lautstark in der Frankenthaler Innenstadt herumkrakeelte, Passanten beleidigte und beschimpfte. „Friedlich“, wie er vor Gericht betonte. Er sehe sich selbst in der Opferrolle, fühle sich von der Polizei drangsaliert.
Beispielsweise am 29. Mai 2020 auf dem Jakobsplatz. Da war kurz vor 23 Uhr die Polizei gerufen worden, weil ein „lautstark randalierender Mann“ die Nachtruhe der Anwohner störe. Auf einen Platzverweis reagierte er mit Beschimpfung der eingesetzten Beamten, die ihn nach mehrfacher Aufforderung schließlich mit vereinten Kräften zu Boden brachten. Dabei beleidigte und bedrohte der 32-Jährige die Beamten fortlaufend. Weil er auch um sich gespuckt hatte, wurde ihm eine Schutzhaube über den Kopf gezogen. Der Mann war dabei erheblich betrunken und stand unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln.
Polizist in den Oberschenkel gebissen
„Der Vorgang wiederholt sich wie eine Blaupause“, fasste die psychiatrische Gutachterin die weiteren Vorfälle zusammen. Auch am 3. Juni vor dem Gelände der TG Frankenthal, am 15. August in der Kastanienallee, am 5. Dezember vor einem Friseursalon in der Speyerer Straße und letztlich vor seiner endgültigen Verhaftung am 22. April vor einem Jahr auf dem Gelände der Friedrich-Ebert-Schule – immer wieder kam es zu Beleidigungen, Bedrohungen und zumindest dem Versuch von körperlicher Gewalt gegen die eingesetzten Beamten. Einen von ihnen habe der Mann bei seiner Festnahme außerdem in den Oberschenkel gebissen.
Eine genaue Erinnerung hat er an die Vorfälle wegen seines Alkoholkonsums nicht, er räumte aber ein: „Mir ist klar, dass es nicht in Ordnung war, wie ich mich verhalten habe.“ Allerdings beteuerte er, „dass ich die Situationen nicht hervorgerufen habe“. Vielmehr hätten ihn die Beamten provoziert. „Die Situation ist dann ganz einfach eskaliert. Aber das waren Misshandlungen gegen mich“, so seine Darstellung. Tatsächlich zeigen Aufnahmen der Bodycams, mit denen die Polizeibeamten die Einsätze dokumentiert haben, in der Regel einen auf dem Boden liegenden Mann, der von mehreren Kräften fixiert wird, behauptet, keine Luft zu bekommen, aber dennoch fortwährend Beleidigungen gegen die Polizisten ausstößt.
Immer lauter und aggressiver
Das hatten auch die Beamten als Zeugen vor Gericht geschildert. Mehrfach sei der Randalierer aufgefordert worden, sich ruhig zu verhalten und die Örtlichkeit zu verlassen, habe dem aber nicht Folge geleistet. Er sei stattdessen immer lauter und aggressiver geworden, so dass letztlich der Zugriff erfolgte. „Ich habe keinen Zweifel an der Darstellung der Beamten“, stellte der Vorsitzende Richter André Bohlender klar.
In die vergleichsweise hohe Strafe fließen nicht nur weitere Urteile ein, wegen denen der Mann zur Tatzeit unter Bewährung stand, sondern auch die Einschätzung der Gutachterin. Nur eine Entziehungskur und Behandlung über „mindestens zwei Jahre“ könne Alkoholerkrankung und Psychose heilen. „Sehen Sie das Urteil als Chance“, gab Bohlender dem Mann deshalb mit auf den Weg.