Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Polizei: Inspektionsleiter will Nachwuchs werben

Mit seinem Team zuständig für die Sicherheit von rund 90.000 Bürgern: Inspektionsleiter Alexander Breßler.
Mit seinem Team zuständig für die Sicherheit von rund 90.000 Bürgern: Inspektionsleiter Alexander Breßler.

Junge Menschen für den Beruf des Polizisten begeistern: Das ist für Alexander Breßler eine dauerhaft wichtige Aufgabe. Der 32-Jährige ist selbst erst vor wenigen Wochen von der Hochschule direkt in die Leitung der Frankenthaler Inspektion berufen worden. Und weiß noch gut, wie er Feuer für den Job fing.

Es war ein Berufsinformationstag der Polizei – wie ihn auch die Inspektion Frankenthal regelmäßig anbietet – bei dem der Südpfälzer, der in Landau am Otto-Hahn-Gymnasium Abitur machte, zum ersten Mal merkte: Das könnte was für mich sein. Nach einem Praktikum sei dann klar gewesen: Das ist es. Gerechtigkeit sei ihm wichtig, nennt Alexander Breßler eine Motivation. Die Polizei habe für den Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft an sich eine hohe Bedeutung.

Dass eine „saubere Polizeiarbeit“, wie er es nennt, für Opfer und Angehörige elementar ist, habe er schon zu Beginn seines Berufslebens erfahren. Ein tödlicher Motorradunfall, bei dem eine junge Frau ums Leben kam, habe ihn bis heute geprägt. Auf dem Weg zu ihrer Ausbildungsstätte sei die Frau verunglückt, weil ein junger Autofahrer die Kurve zu eng geschnitten habe. Damit Vorgänge wie dieser strafrechtlich und zivilrechtlich aufgearbeitet werden können, sei eine akribische Ermittlung wichtig. „Für die Familie darf nichts unklar bleiben, weil wir unseren Job nicht gut gemacht haben“: Das sei ihm damals klar geworden.

Generationenwechsel im Schichtdienst

Dass er selbst zu diesem Zeitpunkt das gleiche Motorrad wie die verunglückte Frau gefahren sei, eine 125er-Maschine, habe die Betroffenheit für ihn noch erhöht. Das Motorradfahren hat der junge Familienvater zugunsten der ein und vier Jahre alten Kinder aktuell zurückgestellt. Stattdessen nennt er Grillen mit Freunden und im Wald unterwegs sein als liebste Aktivitäten in der knapp bemessenen Freizeit. Mit Laufen und Seilspringen halte er sich fit.

In Frankenthal trifft der junge Chef auf eine junge, motivierte Mannschaft, wie er sagt. Gerade im Wechselschichtdienst, den gut die Hälfte der 110 Kolleginnen und Kollegen bestreiten, sei aktuell ein Generationenwechsel im Gange. Dank ihrer guten Ausbildung mit hohem Praxisanteil könnten die jungen Polizisten rasch im Team mit erfahrenen Polizisten eingesetzt werden. Dass ihm selbst in jungem Alter die Führungsaufgabe zugetraut werde, ehre ihn. Thema in der PI sei es seit seinem Dienstantritt am 23. Oktober noch nicht gewesen. Mit seinem Stellvertreter Achim Schäfer habe er einen erfahrenen und verlässlichen Partner an der Seite, sagt der 32-Jährige.

Neues Arbeitsmodell im Test

2010 kam Breßler, der als erster in seiner Familie diesen Beruf gewählt hat, in den rheinland-pfälzischen Polizeidienst. Nach dem Bachelorstudium an der Hochschule der Polizei im Hunsrück folgen Stationen bei der Bereitschaftspolizei und im Wechselschichtdienst in Wörth und Ludwigshafen. Mit Einsätzen unter anderem im Führungsstab des Polizeipräsidiums Rheinpfalz, bei der Kriminalpolizei in Kaiserslautern und im Innenministerium hat Breßler sich für den Aufstieg in den höheren Polizeidienst qualifiziert, das Studium an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster hat er erst vor Kurzem beendet. Als Leiter der Frankenthaler Polizeiinspektion ist Breßler nun zuständig für die Sicherheit von rund 90.000 Bürgern in Frankenthal, Bobenheim-Roxheim sowie den Verbandsgemeinden Lambsheim-Heßheim und Maxdorf.

Ein Projekt mit immensem Organisationsaufwand übernimmt der „Neue“ von seinem Vorgänger Marcel Wirdemann, der als Chef zur Kripo in Bad Kreuznach gewechselt ist. Ab 2024 soll im Wechselschichtdienst auf Wunsch der Kollegen ein neues Arbeitszeitmodell getestet werden. Grob gesagt sollen längeren Phasen der Schichtarbeit längere Freiphasen folgen. „Den Aufwand dafür darf man nicht unterschätzen“, sagt Breßler. Nicht nur wegen der wechselnden Früh-, Spät- und Nachtdienste sei der Beruf „belastend“. Er sieht die Polizei im Präsidium Rheinpfalz aber „gut aufgestellt“ und tritt damit zuletzt aus den eigenen Reihen geäußerter Kritik entgegen. Er erlebe eine „offene und konstruktive Gesprächskultur“. Nach belastenden Einsätzen mit den betroffenen Beamten zu sprechen, sei ihm wichtig.

Eine Polizei, die für den Bürger ansprechbar sei und gute, verlässliche Arbeit leistet: Das ist der Anspruch des neuen Inspektionsleiters. Dabei habe man beispielsweise im Austausch mit der Stadtverwaltung auch Veranstaltungen wie den Weihnachtsmarkt und den Fasnachtsumzug im Blick. Hohe Auflagen infolge neuer Vorschriften des Polizei- und Ordnungsbehördengesetzes in Rheinland-Pfalz hatten 2023 in Frankenthal wie vielerorts zur Absage des Umzugs geführt. Aus dem Innenministerium habe es nun noch einmal erläuternde Informationen gegeben, die man beratend weitertragen wolle, sichert Breßler zu.

Mehr zum Thema
x